Mit dem nahenden Herbstbeginn brechen immer mehr Schwalben wieder zu ihrer langen Reise in die Winterquartiere im südlichen Afrika auf. Zurück bleiben ihre Lehmnester an Hausfassaden, unter Dachvorsprüngen oder in Ställen. Der hessische Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND Hessen) weist darauf hin: Wer die Nester hängen lässt, hilft den Schwalben bei der Brut im nächsten Jahr und vermeidet einen Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz.
Rauch- und Mehlschwalben kehren im nächsten Jahr gern zu ihren alten Brutplätzen zurück. Für die Vögel ist es deutlich weniger Arbeit, bestehende Nester zu reparieren, als mühsam aus vielen Lehmkügelchen ein neues zu bauen. Das Bundesnaturschutzgesetz verbietet die Entfernung oder Zerstörung von Schwalbennestern. Wer dagegen verstößt, muss mit empfindlichen Geldbußen rechnen.
Wohnungsnot für Schwalben verschärft sich
Die aus Lehm gebauten Nester sind für Schwalben immer schwerer zu errichten, da es aufgrund der Flächenversieglung immer weniger natürliche Lehmquellen gibt. „Viele Schwalben finden schlicht kein Baumaterial mehr“, führt Jörg Nitsch, Vorsitzender des BUND Hessen, aus. „Deshalb ist es umso wichtiger, ihre bestehenden Nester zu erhalten und sie zusätzlich mit Kunstnestern zu unterstützen.“
Der BUND Hessen empfiehlt, künstliche Nester im Herbst anzubringen. So haben die Vögel sie zur nächsten Brutsaison bereits zur Verfügung. Diese Nisthilfen sind besonders dann verpflichtend, wenn bei Bau- oder Sanierungsmaßnahmen vorhandene Nester entfernt werden müssen. In solchen Fällen sollte vorab stets die Untere Naturschutzbehörde eingeschaltet werden.
Einfacher Schutz vor Verschmutzung
Schwalben gelten als geschickte Flugakrobaten und werden von vielen Menschen als Glücksbringer geschätzt. Dennoch können sie als ungewünschte Gäste wahrgenommen werden, wenn Fassaden oder Fensterbänke unterhalb der Nester verschmutzt werden. „Ein einfaches Kotbrett unter dem Nest löst dieses Problem und sorgt für ein gutes Miteinander von Mensch und Vogel“, betont Jörg Nitsch.
Koloniebrüter brauchen Nachbarschaft
Schwalben leben gern in Gesellschaft. Kunstnester werden am besten in Gruppen angebracht, damit sich Kolonien bilden können. Das frühzeitige Anbringen dieser Nester spart den Vögeln bei ihrer Rückkehr aus dem Süden Zeit, die sie in eine zweite Brut investieren können – ein wichtiger Beitrag zur Bestandssicherung.
Hintergrund-Info
In Hessen sind Mehlschwalben vor allem im Siedlungsbereich verbreitet, Rauchschwalben eher im ländlichen Raum. Beide Arten stehen unter besonderem Schutz (§ 7 Abs. 2 Nr. 13 BNatSchG). Der besondere Schutz soll verhindern, dass Vögel durch Störungen an Brutplätzen oder durch die Zerstörung ihrer Nester erst in Bedrängnis geraten. Dies gilt auch, obwohl Mehlschwalben laut Roter Liste Hessen aktuell nicht mehr als gefährdet gelten. Rauchschwalben stehen auf der Vorwarnliste (Stand 2021).
(Quelle: BUND Hessen)