Zoologische Gärten sind auf vielfältige Weise vernetzt, unter anderem im Rahmen der Europäischen Ex-situ-Erhaltungszucht-Programme (EEPs). Diese haben zum Ziel, genetisch vielfältige, stabile und verhaltensintakte Reservepopulationen besonders bedrohter Tierarten in Menschenobhut aufzubauen und langfristig zu erhalten. So besteht nun die Hoffnung auf eine „Win-Win-Situation“ für den Tiergarten Nürnberg und den Zoo Landau in der Pfalz. Der Sibirische Tigerkater MANU zog jüngst in die Südpfalz, um hier ein neues Zuhause zu finden.

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MANU, hier in seiner „alten Heimat“ in Nürnberg, soll seinen Lebensabend in Landau verbringen. Foto: Tom Burger / Tiergarten Nürnberg

Im Tiergarten Nürnberg soll in Zukunft die Zucht der Asiatischen Löwen priorisiert werden, weshalb die der Sibirischen Tiger vorerst pausiert wird. Im Zoo Landau lebt derzeit die Tigerkatze DARIA als Einzeltier. Prinzipiell kein Problem, da Sibirische Tiger, die größten noch überlebenden Großkatzen der Welt, eigentlich Einzelgänger sind. Im natürlichen Lebensraum finden sie sich nur zur Paarung zusammen. Die einzige längere soziale Verbindung besteht zwischen Mutterkatze und Jungtieren, bis diese geschlechtsreif werden. „Im geschützten Umfeld eines Zoos, in dem Umweltbedingungen wie z.B. Verfügbarkeit von Beutetieren keine limitierenden Faktoren sind, ist es aber oft möglich, auch Tigerpaare dauerhaft zusammen zu halten“, erläutert Landaus Zoodirektor Dr. Jens-Ove Heckel.

Der EEP-Koordinator für diese Tiger-Unterart hatte den Transfer des Tigerkaters nach Landau vorgeschlagen. Nach eingehenden Überlegungen und einiger Vorbereitungszeit, in der auch eine Raubtierpflegerin des Zoo Landau im Tiergarten Nürnberg zu Besuch war, um Tigerkater MANU kennenzulernen, kam es zum Entschluss, MANU seinen Lebensabend in Landau verbringen zu lassen. MANU wurde seither mit intensivem Kistentraining auf eine möglichst stressfreie Verladung und den Transport vorbereitet.

Jetzt war es soweit, dass der Umzug stattfinden konnte. Begleitet wurde der inzwischen bereits 15-jährige Tigerkater von zwei ihm vertrauten Pflegerinnen aus dem Tiergarten Nürnberg. Das Ein- und Ausladen verlief problemlos. Spannend waren dann für beide Tiger und die beiden Zooteams die ersten Reaktionen zwischen MANU und DARIA. Die Tiere werden in der zeitlich noch nicht absehbaren Eingewöhnungszeit in für die Zoogäste nicht einsehbaren getrennten Vorgehegen und Stallboxen gehalten. Die Tiger können sich durch die Gehegegitter sehen und riechen. Sie haben aber auch jederzeit die Möglichkeit, sich in Bereiche zurückzuziehen, in denen sie keinen Kontakt haben müssen. Dazu gab es in Landau auch noch Umbaumaßnahmen am Innengehege.

Das erste Kennenlernen verlief durchaus positiv

Das erste, noch sicher getrennte Kennenlernen verlief durchaus positiv: MANU und DARIA zeigten sich neugierig aufeinander, beäugten sich aufmerksam durch die Gehegegitter und begrüßten sich sogar mit einem vorsichtigen Prusten. Dieses Verhalten nutzen Tiger als freundlichen Gruß untereinander.

„Ziel ist es jetzt, im nächsten Schritt die Tiere wechselweise auf die große Außenanlage zu lassen“, sagt Dr. Jens-Ove Heckel. „Ob der Versuch einer späteren Zusammenführung möglich ist, wird sich jedoch erst anhand des Verhaltens zeigen.“ Denn: Auch wenn MANU als sehr gelassener und umgänglicher Kater gilt, birgt die Vergesellschaftung von Großkatzen selbst bei sorgfältigster Vorbereitung immer das Risiko gegenseitiger, möglicherweise auch schwerer Verletzungen. In Landau wird man sich deshalb Zeit lassen und die Tiere sehr gut beobachten, um möglichst gut einschätzen zu können, ob sie sich verstehen und der Versuch einer Zusammenführung überhaupt gewagt werden kann.

Allen Beteiligten ist zudem sehr klar, dass der derzeit körperlich noch fitte Kater MANU altersbedingt eine nur noch begrenzte Lebenserwartung haben wird. Die beiden 2024 im Zoo Landau mit 17 Jahren verstorbenen Tigergeschwister IGOR und NINOSHKA gehörten zu den bereits sehr alten Tigern im EEP.

 

(Quelle: Zoo Landau in der Pfalz)