Ist „Lichtverschmutzung“ nur ein weiteres ökologisches Schlagwort? Oder verbirgt sich dahinter die Realität von zu grellen Lichtern, blendenden Strahlern und der Gefährdung von Insekten, Vögeln und nachtaktiven Tieren und nicht zuletzt die Störung der menschlichen Nachtrhythmen? Die „Nachtretter“, eine kleine Gruppe unter Leitung des BUND Bergstraße, wollten es genauer wissen. Sie wollten sehen, wie es in Heppenheim um die nächtliche Beleuchtung von Straßen, Geschäften und Parkplätzen steht.

Licht und Schatten nach Mitternacht

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Nächtliche Straßen- und Firmenbeleuchtung im Gewerbegebiet (Heppenheim, Lise-Meitner-Straße). Foto: BUND Bergstraße

An einem Samstagabend Mitte Mai schwang sich die Gruppe gegen 23.00 Uhr aufs – vorbildlich beleuchtete – Fahrrad. Startpunkt der Nachttour war der Graben. Der Blick in die Kellereigasse zeigte ein Ambiente mit wenigen, dezenten Lampen in insektenfreundlicher Farbe. Während die westliche Seite des Grabens für diese Uhrzeit passend ausgeleuchtet war, empfand die Gruppe das Licht auf der gegenüberliegenden Seite als deutlich zu hell.

Bei der Fahrt durch die nächtliche Fußgängerzone präsentierten sich die meisten Geschäfte vorbildlich: Der vordere Ladenbereich war angemessen erhellt, während hinten das Licht ausblieb. Unverständlich blieb den Rettern jedoch die Lichtflut einer Bank westlich der B3. Deren Intensität wirkte selbst zur Einbruchsprävention stark überzogen.

Ein gemischtes Bild zeigte sich in den Wohn- und Gewerbegebieten. Während die Straßenbeleuchtung in der Ernst-Schneider-Straße, der Mozartstraße und besonders der Kalterer Straße gleichmäßig und ausgewogen wirkte, blendete von der Karlstraße kommend ein gleißendes Licht. Der Bahnhof und sein Vorplatz überzeugten wiederum durch ein homogenes Lichtkonzept. Völlig widersprüchlich wirkten dagegen die Autohöfe: Einige Ausstellungsflächen lagen komplett im Dunkeln, andere waren mit 300 Lux irritierend grell und nur punktuell erleuchtet.

Ähnlich verhielt es sich im Industriegebiet. Die Weiherhausstraße fügte sich unauffällig ins Nachtdunkel ein, doch der Parkplatz am Haus der Pädagogik fiel negativ auf: Zwei abgestellte Autos wurden hier mit einer Intensität von weit über 400 Lux angestrahlt, die der Gruppe wie ein Sonnentag vorkam. Sehr positiv registrierte die Gruppe dagegen die großen Märkte an der Tiergartenstraße, die fast vollständig auf eine nächtliche Ausleuchtung ihrer Flächen verzichteten. Ganz anders die Betriebe auf der Westseite des Industriegebiets: Hier brannten auch dort die Festtagsbeleuchtungen, wo offensichtlich gar keine Nachtschicht gearbeitet wurde.

Aufgrund niedriger Temperaturen war es für die Nachtretter keine Überraschung, dass bis auf einen Marder keine nachtaktiven Tiere wie Igel oder Insekten die Wege der Nachttour kreuzten. Das hätte in einer lauen Sommernacht anders ausgesehen.

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Hunderte leere Parkplätze am Heppenheimer Kreiskrankenhaus, hell beleuchtet nach Mitternacht. Foto: BUND Bergstraße

Den Abschluss der Tour bildete das Areal um den Bruchsee und das Kreiskrankenhaus. Aus unverständlichen Gründen wird am Krankenhaus die gesamte Parkfläche bis zur letzten Bucht extrem hell ausgeleuchtet. Die „Nachtretter“ betonten zwar, dass die Sicherheit von Besuchern und Angestellten – besonders der Mitarbeiterinnen – oberste Priorität haben müsse. Dafür genüge aber eine angemessene Beleuchtung des krankenhausnahen Teils.

Am Ende der Tour: ein gemischtes Fazit

Am Ende der Tour zogen die Teilnehmer ein gemischtes Fazit: Einer harmonischen Straßenbeleuchtung in insektenfreundlichen Farben stehen extrem helle Lichtquellen an den Kreiseln der B3 und an Zebrastreifen gegenüber. Besonders bei privaten Unternehmen fehlen einheitliche Konzepte. Abschließend diskutierte die Gruppe, ob Heppenheim – nach dem Vorbild anderer Kommunen – abseits von Gefahrenstellen nach Mitternacht die Beleuchtung komplett abschalten oder deutlich reduzieren könnte.

 

(Quelle: BUND Bergstraße)