Worms AK Sucht

V.l.: Christiane Brandt (Stadtverwaltung Worms), Hans-Jürgen Furchtmann (BAD Zentrum Worms), Nicole Ellenberg und Manuela Vietze (beide Fiege Logistik Worms), Klaus Sauer (Evonik), Rainer Ohlendorf und Jürgen Hasselbach (beide EBWO), Andra Schnerch (nestlé Health Care), Alina Schiefelbein (Suchtberatung Jugend gegen Drogen), Thorsten Sobotta (Caritas Unternehmensservice) und Susann Kirst (Suchtprävention Caritas). Foto: Stadt Worms

Ob Alkohol, Zigaretten, Drogen oder verschiedene Medikamente: Der Weg in die Sucht ist manchmal kürzer als man denkt und aus der Abhängigkeit herauszukommen, ist oft mit großen Hürden verbunden. Die Gesundheitsberichte sind alarmierend: Innerhalb von 10 Jahren sind die suchtbedingten Fehltage bundesweit um 17 Prozent gestiegen. Lange Zeit ist das Thema „Suchtprävention am Arbeitsplatz“ tabuisiert worden. Doch immer mehr Unternehmen erkennen, dass durch ein innerbetrieblich qualitatives Suchtmanagement wertvolle Beiträge für die Gesundheit der Beschäftigten geleistet und suchtbedingte Fehlzeiten reduziert werden können.

Suchtbeauftragte aus verschiedenen Unternehmen

Unter Federführung von Susann Kirst, Fachkraft für Suchtprävention des Caritasverbandes Worms, hat sich in der Nibelungenstadt ein Arbeitskreis gebildet, in dem sich Suchtbeauftragte verschiedener ortsansässiger Unternehmen regelmäßig austauschen, weiterbilden und gemeinsame Aktionen entwickeln. In der vergangenen Woche traf sich der Arbeitskreis auf Einladung der Stadtverwaltung im Wormser Rathaus. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein Vortrag von Christiane Brandt. Seit Juli 2013 ist die Gesundheitspädagogin und Fachwirtin für Prävention und Gesundheitsförderung bei der Stadt Worms als Suchtbeauftragte tätig, um dort ein Suchtmanagement zu etablieren.

Suchtmanagement

„Zu Anfang eines Suchtmanagements sollte immer eine sorgfältig erarbeitete Dienst- bzw. Betriebsvereinbarung stehen, welche die Grundlage für die Arbeit der beteiligten Akteure bildet“, berichtete Christiane Brandt. Eine Regelung zu Mitarbeiterschulungen sowie Schulungen für Führungskräfte seien dabei genauso wichtig wie klare Richtlinien zum Umgang mit Suchtmitteln am Arbeitsplatz und für den Umgang mit auffälligen Mitarbeiterinnen oder Mitarbeitern. Die Stadtverwaltung Worms setze vor allem auf die Prävention und biete hier entsprechende Angebote und regelmäßige Informationsveranstaltungen, informierte die städtische Suchtbeauftragte. Sehr gut angenommen worden sei z.B. ein „Rauchfrei-Kurs“, der bereits die ersten Erfolge verbuche, obgleich es bis zum konstanten Nichtraucherleben der beteiligten Mitarbeiter noch ein längerer Weg sei.

„Ein großer Erfolg ist auch der 2014 zunächst probeweise eingeführte Traubensecco, der aufgrund des großen Zuspruchs nun regelmäßig als alkoholfreie Alternative zum Sekt auch bei offiziellen Empfängen ausgeschenkt wird“, verdeutlichte Christiane Brandt, dass bei all diesen Präventions- und Interventionsangeboten ein offener Umgang mit dem noch immer sensiblen Thema „Sucht“ ebenso wichtig sei wie der persönliche Dialog mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und vertrauliche Beratungen in einem geschützten Rahmen. „Ziel muss es sein, auch die Kolleginnen und Kollegen mit einer Suchterkrankung nach einer erfolgreichen Therapie weiter im Betrieb zu beschäftigen und hierfür die bestmöglichen Voraussetzungen zu schaffen. Das geht nur in vertrauensvoller Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten“, erläuterte Christiane Brandt abschließend.

Arbeitskreis „Betriebliche Suchtprävention Worms“

Mit dem Arbeitskreis „Betriebliche Suchtprävention Worms“, der zweimal im Jahr bei verschiedenen Unternehmen stattfindet, bietet Organisatorin Susann Kirst vom Caritasverband Worms eine optimale Plattform für eine Vernetzung und den Austausch zwischen Betrieben und den Beratungsstellen Caritas-Worms, Diakonie Worms-Alzey und der Drogenberatungsstelle „Mit Jugend gegen Drogen e.V.“

Neben regelmäßigen fachlichen Inputs zum Thema „Sucht am Arbeitsplatz“ und gemeinsamen Aktionen sind auch regelmäßige Weiterbildungsempfehlungen wichtige Inhalte, um eine wirkungsvolle Suchtprävention im Betrieb, von der Enttabuisierung bis hin zum integralen Bestandteil des Betrieblichen Gesundheitsmanagements, qualifiziert umsetzen zu können. Das nächste Treffen des Arbeitskreises „Betriebliche Suchtprävention Worms“ findet am 24. September 2015 statt.

Interessierte Betriebe können sich melden unter:
Telefon 0 62 41/2 06 17 34 (Susann Kirst) oder
susann.kirst@caritas-worms.de