BZG Wiesloch Besuch Theresia Bauer

Trafen sich zum Gedankenaustausch rund um das Thema „Akademisierung der Pflege“ in der Bildungszentrum Gesundheit Rhein-Neckar GmbH (v.l.): Dr. Kai Schmidt-Eisenlohr, Theresia Bauer, Susanne Merkel-Grau, Jacqueline Schäfer, Walter Reiß, Andrea Senn-Lohr, Ina Prinz und Dorothy Beswick. Foto: GRN Gesundheitszentren Rhein-Neckar

Am 17. Januar 2014 besuchte Theresia Bauer, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Baden-Württemberg, die Bildungszentrum Gesundheit Rhein-Neckar GmbH (BZG) in Wiesloch. Gemeinsam mit Dr. Kai Schmidt-Eisenlohr (Bündnis ’90/Die Grünen), Landtagsabgeordneter und Fraktionssprecher für Wissenschaft, Forschung und Innovation, und Susanne Merkel-Grau, Wieslocher Stadträtin (Bündnis ’90/Die Grünen) informierte sich die Ministerin insbesondere über akademische Ausbildungsangebote der BZG, der gemeinsamen Pflegefachschule des Psychiatrischen Zentrums Nordbaden (PZN) und der GRN Gesundheitszentren Rhein-Neckar gGmbH.

Walter Reiß, BZG-Geschäftsführer, Andrea Senn-Lohr, Schulleiterin, und weitere BZG-Repräsentantinnen stellten ihre Angebote, Ziele und Erfahrungen mit akademischen und nicht-akademischen Ausbildungsgängen vor. In der anschließenden Diskussion waren sich alle Beteiligten darüber einig, dass es in Zukunft eine breite Palette von Ausbildungsmöglichkeiten geben muss: vom Pflegestudium (Bachelor und Master) über die bewährte dreijährige Berufsausbildung in Gesundheits- und Krankenpflege bis hin zur Gesundheits- und Krankenpflegehilfe. Auch wird die Notwendigkeit gesehen, Hilfskräfte zur „Servicekraft im Krankenhaus“ zu qualifizieren. Nur so könne man unterschiedlichen Interessen und Begabungen in der Bevölkerung gerecht werden, die Attraktivität des Pflegeberufes weiter steigern und gleichzeitig dem drohenden Pflegenotstand begegnen.

Am Bildungszentrum Gesundheit Rhein-Neckar bestehen derzeit sechs Kurse mit je rund 30 Schülern. Die Mehrzahl von ihnen absolviert eine dreijährige Ausbildung in Gesundheits- und Krankenpflege (GuK) an einem der kooperierenden Krankenhäuser: dem PZN bzw. den GRN-Kliniken Eberbach, Schwetzingen, Sinsheim oder Weinheim. 13 der insgesamt 180 Schüler haben gleichzeitig ein Studium an der Katholischen Hochschule Freiburg begonnen, das sie eineinhalb Jahre nach Ausbildungsende mit der Bachelor-Arbeit und entsprechenden Prüfungen abschließen werden. Der Vorteil: Schneller als ihre Kolleginnen und Kollegen mit der klassischen GuK-Ausbildung werden die Bachelor-Absolventen in der Lage sein, Expertenaufgaben im pflegerischen Verantwortungsbereich eines Krankenhaus zu übernehmen – z.B. im Qualitätsmanagement, bei der Optimierung interner organisatorischer Abläufe oder Spezialaufgaben, wie etwa in der Beratung chronisch kranker Menschen.

Ob es keine Probleme innerhalb der Klassenverbände gibt, wenn die einen sich ausschließlich als „Schüler“, die anderen zusätzlich als Studierende definieren, und wie sich das Pflege- vom Medizinstudium abgrenzen lässt, waren zwei von vielen Fragen, die anlässlich des Besuchs von Ministerin Bauer diskutiert wurden. Schulleiterin Senn-Lohr, Dipl.-Pflegepädagogin Dorothy Beswick, die die Schnittstellen-Koordination zwischen Schule und Hochschule übernommen hat, und GuK-Schülerin Jacqueline Schäfer, die gleichzeitig Bachelor-Studentin ist, konnten etwaige Bedenken bezüglich des Klassenverbandes zerstreuen: Das Konzept des BZG sehe vor, dass die jungen Bachelor-Anwärter ihren Mit-Auszubildenden regelmäßig von den Lerninhalten des Studiums berichten; dadurch profitiere die Gemeinschaft insgesamt vom zusätzlichen, akademischen Wissen.

Auf der anderen Seite seien die Studierenden in den Arbeitsalltag der Kliniken eingebunden und haben somit reichlich Gelegenheit, praktische Erfahrungen zu sammeln. BZG-Geschäftsführer Reiß fügte hinzu: „Wir wollen keine Konkurrenz zwischen Theorie und Praxis, sondern möchten, dass sich beides ergänzt.“ Mit dem Studium „Bachelor of Arts in Pflege“ werden Pflegepersonen für die unmittelbare Patientenversorgung qualifiziert. Das Ziel, so Dorothy Beswick, sei es, „reflektierte Praktiker“ auszubilden, die den Pflegealltag kritisch hinterfragen.

Für die Abgrenzung der Studiengänge Pflegewissenschaft und Medizin hatte Andrea Senn-Lohr eine griffige Erklärung parat: „Die Medizin beschäftigt sich mit der Krankheit, die Pflege mit dem Kranksein.“ Typische Beispiele für die sich seit Ende der 1980er Jahre in Deutschland entwickelnde pflegewissenschaftliche Forschung seien die Beschäftigung mit den Themenkreisen Sturzgefahr, Dekubitus (Wundliegen), Bettlägerigkeit und Demenz bei Patienten.

Ina Prinz, Auszubildende zur Gesundheits- und Krankenpflege am BZG, nutzte die Gelegenheit, der Wissenschaftsministerin ein paar Wünsche mit auf den Weg zu geben: die Vereinheitlichung des derzeit noch recht unübersichtlichen Studienangebots in der Pflege, altersunabhängiges Bafög – als möglicherweise hilfreiches Instrument, um dem Pflegenotstand zu begegnen –, und eine länderübergreifende Anerkennung von Qualifikationen in den Pflegeberufen. Theresia Bauer bestätigte, dass dies wichtige, von der Politik in Angriff zu nehmende Punkte seien, und nahm die Anregungen gerne mit.