Der Landesverband “Menschen für Tierrechte – Tierversuchsgegner Baden-Württemberg e.V.” befürwortet den Vorschlag von Bündnis ’90/Die Grünen, einen vegetarischen Tag in Kantinen und Mensen einzuführen. Ein fleischfreier Tag pro Woche würde nicht nur vielen Tieren viel Leid ersparen, sondern auch das gesellschaftliche Bewusstsein für die negativen klimaschädlichen, unsozialen und gesundheitsgefährdenden Folgen der Fleischproduktion schärfen. Der Verband appelliert daher an die Wähler, nicht nur zu hinterfragen, was ihnen als Konsumenten von der Nahrungmittelindustrie aufgetischt wird, sondern auch genau zu prüfen, was die Parteien in puncto Tierschutz, Verbraucherschutz und Agrarwirtschaft versprechen.

Die von den Grünen aufgegriffene Idee eines Veggie-Tags spaltet die Bevölkerung in zwei Lager: Nach einer aktuellen Umfrage des Forsa-Institutes im Auftrag des „Stern“, befinden 50 Prozent der Deutschen den Veggie-Tag für gut, insbesondere Frauen und grüne Wähler. 48 Prozent der Befragten lehnen diesen jedoch ab und zwar vornehmlich Männer sowie Anhänger der Union und der FDP.

Die „Freiheit“ des Konsumenten

Viele Gegner des Veggie-Tags verstehen diesen als eine Bevormundung oder als einen Eingriff in ihre persönliche Freiheit, essen zu können, was sie wollen. Wer mit der eigenen Freiheit argumentiert, der vergisst jedoch leider allzu oft auch die Kehrseite der Medaille, nämlich die negative Dimension der Fleischproduktion; der vergisst die Unfreiheit fühlender Lebewesen, die in Massentierhaltungen dahinvegetieren müssen und zu Waren unter dem Diktat von maximalem Profit degradiert werden; der vergisst, dass (Fleisch-)Konsumenten jeden Tag mittels Werbung manipuliert werden; und der vergisst auch – oder will nicht wissen –, was er wirklich isst: Wer hartnäckig sein vermeintliches Recht aufs tägliche Schnitzel verteidigt, ignoriert BSE, Antibiotika in der Mast, Pestizideinsatz und Gentechnik bei der Futterherstellung, Nitratbelastung des Grundwassers, Regenwaldrodung, Gammelfleisch-Skandale, Tierquälerei im Schlachthof, Tierquälerei in der Mast u.v.m. Wer Fleischverzicht aus Prinzip ablehnt, der weiß nicht, welche kulinarischen Genüsse eine rein oder vorwiegend pflanzliche Ernährungsweise bietet. Dabei ist inzwischen nicht nur bei Ernährungswissenschaftlern, sondern auch bei Ärzten angekommen, dass eine vorwiegend pflanzliche Ernährung die Gesundheit fördert, nachdem jahrzehntelang das falsche Eiweißtheorem aufrechterhalten wurde, wonach pflanzliches Eiweiß minderwertiger sei als tierisches. So wuchsen Generationen mit dem Slogan „Fleisch ist ein Stück Lebenskraft“ auf.

„Freiheit degeneriert zur Willkür, wenn sie nicht in persönliche Verantwortung umgesetzt wird.“ (Viktor Frankl)

Es kann nicht das Ziel einer zivilisierten Gesellschaft sein, ein Nahrungsmittel im Übermaß zu produzieren und anzubieten, das mit solch negativen Attributen behaftet ist wie Fleisch, nur damit man sich „freiheitlich“ dafür oder dagegen entscheiden kann – nach Meinung der Vorsitzenden Marie-Luise Strewe eine geradezu zynische Interpretation des Freiheitsgedankens. Der gesellschaftliche Wandel muss daher von mehreren Säulen getragen werden.

Die Politik ist gefordert, die ausufernden Exzesse einer industrialisierten Landwirtschaft mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln einzudämmen und letztlich abzuschaffen. Das bedeutet, dem Tierschutz endlich den Rang im gesellschaftlichen Vollzug zu geben, den dieser in der Verfassung hat. Das bedeutet auch, dass es die Aufgabe der Politik ist, den Verbraucher zu schützen und aufzuklären. Die Veggie-Tag-Kampagne ist eine Aufklärungskampagne, nämlich immer mehr Menschen wachzurütteln, dass dringend eine Abkehr von dem heutigen hohen Fleischkonsum notwendig ist.

Die andere Säule wird durch den Konsumenten getragen, der in seinem privaten Umfeld mit seiner Entscheidung weg vom Fleisch und tierischen Produkten aus diesem Wahnsinn aussteigt. Dieser Prozess hat schon lange begonnen, dafür sprechen die inzwischen schon sieben Millionen Vegetarier in Deutschland und die zunehmend größere Menge an Veganern, insbesondere bei jungen Menschen. Eine Anzahl von Menschen, von der so manche Partei bezüglich ihrer Mitgliederzahl nur träumen kann.

Einen Überblick über die tierschutzpolitischen Positionen der Partien finden Interessierte unter:

www.tierrechte-bw.de/index.php?option=com_content&view=article&id=819