Der Weinheimer Waidsee besitzt als Badesee eine Top-Wasserqualität. Aber das würde nicht so bleiben, wenn man den See vor sich hin dümpeln ließe. Er braucht Pflege und ab und zu eine kräftige Verjüngungskur, einen Jungbrunnen. Diesen gönnt die Stadt ihrem See in diesen Tagen: Eine Behandlung mit dem Stoff „Bentophos“; das Mittel bindet den Algennährstoff Phosphat.

Denn: Das Sediment des Waidsees hat sich kontinuierlich über 45 Jahre intensiver Nutzung mit Nährstoffen angereichert – einer davon ist das Phosphat. Der Algennährstoff wird zum einen beispielsweise durch Bade- und Angelbetrieb, zum anderen über natürliche Quellen wie Niederschläge und Wasservögel in den See eingetragen. Die Untersuchungen der letzten Jahre zeigen, dass sich ein Teil des Phosphats leicht zurücklöst, so dass hohe Phosphat-Konzentrationen im Tiefenwasser gemessen wurden. In den Herbst- und Wintermonaten können die Nährstoffe nach der Durchmischung des Wasserkörpers in die oberen Wasserschichten gelangen. Das würde im darauffolgenden Sommer, während der Badesaison, das Algenwachstum antreiben.

Dass die Badewasserqualität des Waidsees bislang trotzdem noch sehr gut ist, das ist das Resultat des Einsatzes von „PELIKANen“ (= auf dem See dauerhaft installierte Phosphat-Eliminations-Kompakt-Anlagen). Diese entziehen dem Waidsee jährlich etwa 50 Kilogramm Phosphat. Diese „PELIKANe“ werden auch in Zukunft für einen Erhalt der Wasserqualität sorgen. Aber sie können nicht die immensen Nährstoffreserven im Sediment des Sees abbauen.

Hauptnährstoff Phosphat muss stark reduziert werden

Um den Nährstoffkreislauf zu unterbrechen und die bisherige Nutzung des Waidsees weiterhin zu sichern, ist es nötig, den Hauptnährstoff Phosphat stark zu reduzieren, erklärt Weinheims Umweltberater Roland Robra. Die aktuelle „Waidseekur“ entzieht dem See-Boden genau jenen Hauptnährstoff, der ansonsten die Algen zum Blühen bringen würde.

Das Institut Dr. Nowak (Ottersberg bei Bremen) begann am 22. Februar 2016, den Weinheimer Waidsee mit dem „Phosphatbinder“ Bentophos zu behandeln. Bentophos ist ein natürliches Tonmineral, das zu fünf Prozent mit Lanthan-Ionen angereichert ist. Vorherige Untersuchungen haben ergeben, dass 94 Tonnen des Tonminerals benötigt werden. Es wird auf einer mobilen Arbeitsplattform mit Seewasser zu einer feinen Suspension vermischt und GPS-gesteuert, gleichmäßig über die Seeoberfläche verteilt. Das wissenschaftlich anerkannte Verfahren ist bereits in vielen nationalen und internationalen Projekten eingesetzt worden.

Während der Einbringung wird sich der Waidsee durch die fein verteilten Tonpartikel kurzfristig eintrüben. Diese sinken aber bald nach der Behandlung auf den Grund des Sees ab und das Wasser wird schnell wieder klar. Das Verfahren hat keine negativen Auswirkungen auf das Leben im Waidsee, beruhigt Weinheims Umweltberater Roland Robra, der den Waidsee seit vielen Jahren betreut. Es verändere weder den pH-Wert noch die Leitfähigkeit des Wassers.