Radiologie Weinheim

Magnetresonanztomographie. Foto: Radiologie Weinheim

Seit kurzem versorgt die GRN-Klinik Weinheim Herzpatienten, die einen implantierbaren Kardioverter-Defibrillator (ICD) benötigen, ausschließlich mit sogenannten MRT-fähigen Modellen. Bereits seit einem halben Jahr erhalten Patienten, die einen Zwei-Kammer-Herzschrittmacher benötigen, ausschließlich MRT-fähige Geräte. Anders als herkömmliche Herzschrittmacher und ICD überstehen diese neuartigen Geräte Untersuchungen im Magnetresonanztomographen (MRT) bis zu einer Stärke von 1,5 Tesla ohne Probleme. „In Zukunft müssen unsere Patienten nach der Neuimplantation solcher Herzschrittmacher oder Defibrillatoren nicht mehr auf diese strahlenfreie und bei bestimmten Erkrankungen äußerst hilfreiche Untersuchungsmethode verzichten“, äußert sich Dr. Frank Höltermann, Leitender Arzt der Sektion Angiologie, Kardiologie und Pneumologie, erfreut über diese Neuerung.

In naher Zukunft auch für Patienten, die einen Ein-Kammer-Schrittmacher benötigen?

Jährlich werden davon in der GRN-Klinik Weinheim rund 70 Patienten profitieren. „Die Implantation erfolgt in enger Zusammenarbeit mit unserer Chirurgie unter der Leitung des Chefarztes Dr. med. Werner Schaupp“, betont Dr. Höltermann. Darüber hinaus hofft er, diese Behandlung in naher Zukunft auch Patienten zugute kommen lassen zu können, die einen Ein-Kammer-Schrittmacher benötigen.

Herzschrittmacher sind die Standardtherapie, wenn das Herz zu langsam schlägt oder kurz stehenbleibt und daher nicht ausreichend sauerstoffreiches Blut in den Körper pumpt. Die Folge sind kurze Ohnmachtsanfälle, starker Schwindel oder vermehrte Luftnot bei Belastung. ICD werden zur Behandlung lebensbedrohlicher, schneller Herzrhythmusstörungen (z.B. Herzkammerflimmern) implantiert. Jährlich sterben in Deutschland 200.000 Menschen an einem plötzlichen Herztod. Ursache hierfür ist in über 75 Prozent der Fälle Kammerflimmern. ICD können dies durch eine schmerzlose Stimulationstherapie oder, wenn erforderlich, durch einen elektrischen Schock zuverlässig verhindern.

Bei herkömmlichen Herzschrittmachern und ICD keine MRT des Brust-/Bauchraumes

Die Magnetresonanztomographie (auch Kernspintomographie genannt) kommt ohne Röntgenstrahlung aus und erzeugt mit Hilfe starker Magnetfelder sehr detailreiche Bilder der inneren Organe, Gefäße oder Gelenke. Bei Patienten mit herkömmlichen Herzschrittmachern und ICD darf aus Sicherheitsgründen keine MRT des Brust- oder Bauchraumes durchgeführt werden, da die Energie der Magnetfelder die Elektronik der Geräte zerstören kann. Außerdem erhitzen sich die Elektrodenspitzen, die bis in den Herzmuskel reichen, und können das umliegende Gewebe verletzen.

„MRT-Untersuchungen gehören heute zur Standarddiagnostik – beispielsweise bei Schlaganfällen, bestimmten Tumoren oder Gelenkverschleiß – und werden immer häufiger genutzt“, erklärt Dr. Höltermann. „Kommt eine MRT nicht in Frage, kann das die Diagnostik und Therapie erschweren. Das war bisher ein Nachteil für Patienten mit Herzschrittmachern.“ Bei Patienten mit herkömmlichen Schrittmachern und ICD stützt sich die bildgebende Diagnostik neben dem Röntgen auf Computertomographien (CT). Diese Untersuchungen liefern zwar ebenfalls hervorragende Bilder, bringen allerdings eine Strahlenbelastung mit sich und können bei bestimmten Fragestellungen die MRT-Untersuchung nicht ersetzen. In den neuen Herzschrittmachern und ICD wurde der ferromagnetische Anteil weitestgehend reduziert, um so Krafteinwirkung und Drehmomente, die durch die starken Magnetfelder erzeugt werden, zu minimieren. Im MRT nehmen diese Geräte daher weder selbst Schaden noch führen sie zu Komplikationen bei ihren Trägern.

Von der neuen Technik profitieren zur Zeit ausschließlich Patienten, die neue Herzschrittmacher oder ICD erhalten. Wer bereits mit einem herkömmlichen Schrittmacher versorgt ist, muss weiterhin ohne MRT-Untersuchungen auskommen, da die Elektroden im Laufe der Jahre mit dem Herzgewebe verwachsen und, anders als der Herzschrittmacher selbst, nicht ausgetauscht werden können. Auch sind die herkömmlichen Elektroden in der Regel nicht mit neuen MRT-fähigen Geräten kombinierbar. Allerdings werden sie derzeit von verschiedenen Herstellern auf ihre MRT-Tauglichkeit getestet.