Auf einer Strecke von vier Kilometern wurden laut polizeilicher Unfallstatistik fünf Unfallpunkte (Streckenabschnitt von maximal 300 Metern Länge mit mindestens fünf Unfällen eines Unfalltyps) mit insgesamt 37 Zusammenstößen mit Wild ausgewiesen. Jahre zuvor wurde regelmäßig nur ein Unfallpunkt festgestellt. – Mit diesem Thema befasste sich der Viernheimer Magistrat in seiner letzten Sitzung. Nach Mitteilung von 1. Stadtrat Martin Ringhof hat zur Klärung der Ursache und ggfs. zur Einleitung geeigneter Maßnahmen ein Gespräch mit Vertretern des Forstamtes Lampertheim, des Verkehrsdienstes der Polizeidirektion Heppenheim, der übergeordneten Straßenverkehrsbehörde des Kreises, Hessenmobil, des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) sowie den zuständigen Jagdpächtern stattgefunden.

Viernheim Wildunfälle Pixelio

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Als mögliche Ursachen für die Zunahme von Wildunfällen wurden genannt: Störungen durch immer mehr Geocacher, die insbesondere auch während der Dunkelheit im Viernheimer Forst angetroffen werden. Zusammen mit den vielen freilaufenden Hunden würde das Wild kaum noch Rückzugsflächen finden und verstärkt zwischen den Waldgebieten beidseits der L 3111 hin und her getrieben, beklagen die Vertreter des Forstamtes. Der BUND sieht auch einen Zusammenhang im sogenannten Kirren (Auslegen von Wildfutter zum Anlocken des jagdbaren Wildes) im Bereich der östlichen Seite der Landstraße. Dies würde das Wild verstärkt anlocken und zu ganzen Rottenbewegungen insbesondere bei den Wildschweinen führen.

Die Jagdpächter beklagen die Fußgängerströme im Bereich des Kletterwaldes und die massive Nutzung des Waldes durch Jogger, insbesondere in den frühen Morgenstunden – und auch zu schnelles Fahren auf der L 3111. Eine weitere Ursache, so das Forstamt: die starke Zunahme der Wildpopulation in den letzten zwei Jahren, insbesondere beim Schwarzwild. Dies belege die Verdoppelung der Abschüsse von 600 Stück Wildschweinen und 300 Stück Rehwild gegenüber 2010/11.

Unterschiedlicher Meinung ist man in der Frage des Baus eines Wildschutzzaunes. Der BUND hält das für eine gute Lösung, während das Forstamt vor der Entstehung von zwei Populationen warnt und gleichzeitig auf hohe Kosten verweist. Als Verbesserung der momentanen Situation sieht man die von einem Jagdpächter vorgeschlagene Montage von neu entwickelten blauen Wildschutzreflektoren. Folgende Maßnahmen sollen kurzfristig geprüft bzw. eingeleitet werden: Das Ordnungsamt Viernheim wird in Absprache mit Hessenmobil sowie dem Regierungspräsidium Darmstadt zusätzliche Warnhinweise auf den Wildwechsel in beiden Fahrtrichtungen aufstellen. Gleichzeitig will man rund 160 blaue Wildreflektoren lückenlos beidseitig auf einer Länge von vier Kilometern an den Leitpfosten anbringen. Die Viernheimer Stadtverwaltung soll nochmals die Voraussetzungen des Leinenzwangs im Feld und Forstbereich prüfen, was insbesondere durch den BUND und Hessen Forst gefordert wird.

Von einer weiteren Beschränkung der Geschwindigkeit wird abgesehen. Nach Ansicht der Polizei ist die vorgegebene Geschwindigkeit für die Strecke und Situation adäquat. Messungen zeigen keine eklatanten Verstöße.