Greenpeace Mannheim – Heidelberg begrüßt die mit der Viernheimer Forsteinrichtung erfolgte Festlegung auf eine naturnahe Waldbewirtschaftung ausdrücklich. „Der Verzicht auf die nicht heimische Douglasie und Roteiche bei der Aufforstung sichert die Artenvielfalt im Stadtwald auch für die Zukunft. Mit der Einbeziehung des Arten- und Biotopschutzes in den Zielkatalog für das Waldgebiet setzt auch Viernheim die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts für öffentliche Waldgebiete um. Das Konzept wird allerdings nur dann erfolgreich sein, wenn endlich auch der Schutz der älteren naturnahen Waldbereiche deutlich verbessert wird“, so Greenpeace.

Greenpeace-Forderungen nach Ende des Waldumbaus umgesetzt

„Wir freuen uns, dass die Viernheimer Kommunalpolitik endlich erkannt hat, dass der von Hessen-Forst favorisierte Waldumbau zu naturfernen Nadelforsten nicht im Sinne der Bürger ist“, kommentiert Samira Lambertz, Wald-Ansprechpartnerin bei Greenpeace. „Wie Greenpeace aus Zeitungsberichten erfuhr, soll im Viernheimer Stadtwald hauptsächlich mit heimischen Laubhölzern aufgeforstet werden. Auch die sonst vom zuständigen Forstamt favorisierte Kiefer soll lediglich mit 1,1 Hektar Fläche beteiligt sein. Die Aufforstung mit der fremdländischen Douglasie und Roteiche ist nicht mehr vorgesehen“, teilt Greenpeace Mannheim – Heidelberg mit.

„Das ist eindeutig ein erster Schritt in die richtige Richtung und zeigt, dass es bessere Alternativen zu den Kiefer-Roteiche-Douglasie-Forsten des Forstamtes gibt“, kommentiert Lambertz. Greenpeace lehnt dabei die Aufforstung mit der heimischen Kiefer nicht grundsätzlich ab, diese sollte aus ökologischen Gründen allerdings keinesfalls die dominierende Baumart bei Aufforstungen sein. „Greenpeace gratuliert den politischen Vertretern Viernheims zu ihrem Mut und ihrer politischen Weitsicht bei der Weichenstellung für den Kommunalwald“, schließt Lambertz.

Erhalt der Artenvielfalt nur mit besserem Schutz der Altbestände möglich

„Ohne einen sofortigen, besseren Schutz der naturnahen, älteren Waldbestände wird die Erhaltung der Artenvielfalt allerdings nicht erfolgreich sein“, schränkt Martin Burster, Wald-Aktivist bei Greenpeace, ein. Bis die neu gepflanzten Bäume groß genug sind, damit sie ausreichend Lebensraum für die seltenen und teils geschützten Tierarten im Viernheimer Wald bieten können, müssen ausreichend ältere naturnahe Waldbereiche vorhanden sein. „Diese sind allerdings durch die derzeitige Bewirtschaftung der Altbestände und die mangelhafte Aufsicht über das Forstamt gefährdet“, warnt Burster.

„So bleibt das zuständige Forstamt sogar bei den gern zitierten ‚Habitatbäumen’ hinter selbst gemachten Zusagen zurück. Laut Unterlagen der Unteren Naturschutzbehörde sagte das Forstamt bereits 2005 gegenüber Behördenmitarbeitern zu, 10 – 15 Habitatbäume pro Hektar für den Naturschutz stehen zu lassen. Aktuell werden laut Angaben des Forstamtes lediglich sechs Habitatbäume pro Hektar ausgewiesen“, so Greenpeace.

„Allerdings weiß nur das Forstamt, wo diese Habitatbäume liegen, denn die Daten werden den Naturschutzverbänden nach wie vor verheimlicht“, macht Burster noch auf ein Defizit aufmerksam. Im Nachbarland Baden-Württemberg sei man dazu übergegangen, nicht nur einzelne Bäume, sondern Habitatbaumgruppen auszuweisen, was den Vorteil habe, dass der Lebensraum selbst beim Verlust einzelner Habitatbäume für die Arten erhalten bleibe.