Als Reaktion auf ein Schreiben des umweltpolitischen Sprechers und Kreisvorsitzenden des FDP-Kreisverbandes Bergstraße, Frank Sürmann, an Greenpeace Mannheim-Heidelberg und Darmstadt, wird am Mittwoch, 21. August 2013, eine Greenpeace-Protestaktion bei der Kreisvorstandsitzung der FDP in Heppenheim stattfinden (19.00 Uhr, beim Restaurant „Zum Halben Mond“, Ludwigstraße 5). Greenpeace Mannheim-Heidelberg wird dabei die anwesenden FDP-Mitglieder und Passanten auf das Versagen der FDP beim Schutz des Viernheimer und Lampertheimer Waldes und auf den geplanten Waldumbau zu naturfernen Kiefernkulturen aufmerksam machen.

Die beiden Greenpeace-Gruppen arbeiten nun schon seit mehreren Monaten zu den Umweltproblemen im Viernheimer und Lampertheimer Wald. Das Gebiet, das zwischen Mannheim, Lampertheim, Viernheim und Bürstadt liegt, besitzt aufgrund seiner Geschichte und seiner einzigartigen Artenausstattung eine überregionale Bedeutung für die Erhaltung der Biodiversität in Hessen und bundesweit. Das Waldgebiet an diesem Standort geht auf Urwald-Bestände des rheinischen Urstromtals zurück und besteht wahrscheinlich ununterbrochen seit mindestens 1.200 Jahren. Die Bedeutung dieses Waldes für den Schutz der Artenvielfalt wurde bereits 2007 vom Land Hessen und der EU anerkannt. Etwa 844 Hektar wurden als Flora-Fauna-Habitat (FFH) Schutzgebiet nach Brüssel gemeldet. Der laut EU-Richtlinie zwingend vorgeschriebene Pflege- und Managementplan für das Gebiet steht immer noch aus. Ein genauer Termin für die Fertigstellung wurde Greenpeace trotz Nachfrage noch nicht genannt.

Als größte Bedrohung für die in vielen Bereichen noch naturnahen Wälder im Gebiet sieht Greenpeace den vom zuständigen Forstamt in Lampertheim geplanten Waldumbau, weg von Buchen-Eichen-Waldgesellschaften hin zu Kiefern-Douglasie-Roteiche-Wäldern. Der Waldumbau hätte sowohl ökologisch als auch für den Naherholungswert des Gebiets katastrophale Folgen. Die seltenen und teilweise geschützten Arten im Gebiet sind auf Buche und Eiche als Lebensraum angewiesen. Die vom Forstamt geplanten Wälder würden unweigerlich zum Aussterben dieser Arten führen. Des Weiteren bieten naturferne, in Reihe gepflanzte Kiefern-Wälder aufgrund des unattraktiven Erscheinungsbildes und des ungünstigeren Mikroklimas keinen ansprechenden Erholungsraum für die Bürger der umliegenden Gemeinden.

In einem Schreiben an Greenpeace bestätigte Frank Sürmann den beabsichtigten Waldumbau und sagte dem Forstamt auch im Namen der kommunalen FDP-Verbände seine volle Unterstützung zu diesem Handeln zu. In dem Schreiben, das laut Greenpeace teilweise gravierende fachliche Mängel beinhaltet, werden die ökologischen Bedenken und der Schutzgebietscharakter des FFH-Bereiches komplett ignoriert. Stattdessen betone Sürmann den monetären Aspekt der Forstbewirtschaftung, so die Umweltschutzorganisation. „Die Reaktion Herrn Sürmanns zeigt eine völlige Unkenntnis der Funktionen öffentlicher Waldgebiete. Laut einem höchstrichterlichen Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1990 dienen die Waldgebiete der Umwelt- und Erholungsfunktion, und nicht der Sicherung von Absatz und Verwertung forstwirtschaftlicher Erzeugnisse”, empört sich Martin Burster, Wald-Ansprechpartner von Greenpeace Mannheim-Heidelberg.

Greenpeace Mannheim-Heidelberg und Darmstadt fordern deshalb die Landes-FDP als auch die FDP-Verbände der vom Waldumbau betroffenen Gemeinden auf, die einseitige Ausrichtung der Bewirtschaftung des Viernheimer und Lampertheimer Waldes zu beenden. Als Waldgebiet in öffentlicher Hand müsse der Wald primär nach ökologischen und sozialen (Naherholung) Kriterien bewirtschaftet werden. Die einseitig ökonomische Ausrichtung der Waldbewirtschaftung müsse beendet und die naturschutzfachlichen Anforderungen bei der Bewirtschaftung dieses Gebietes müssten konsequent umgesetzt werden.