Am Universitätsklinikum Heidelberg startet eine Studie zur Therapie mit Stammzellen bei aggressiven Tumoren der Bauchspeicheldrüse (Pankreaskarzinom). Die Mediziner hoffen, die Überlebenszeit der Patienten ohne Rückfall verlängern zu können. Dazu erhalten die Patienten nach Entfernung des Tumors und anschließender Chemotherapie Blutstammzellen aus dem Knochenmark gesunder Geschwister, deren Gewebemerkmale mit denen des Patienten übereinstimmen. Die transplantierten Zellen bilden neue Immunzellen, die die im Körper verbliebenen Tumorzellen effektiver bekämpfen als es zuvor das Immunsystem des Patienten vermochte.

Weltweit wurde die Stammzell-Transplantation bei Pankreaskrebs bisher nur als individueller Heilversuch bei wenigen Patienten mit sehr schlechter Prognose durchgeführt. „Die Ergebnisse lassen hoffen“, sagt Studienleiter PD Dr. Hubertus Schmitz-Winnenthal, Leiter der Sektion für Endokrine Chirurgie an der Chirurgischen Universitätsklinik. „Wir überprüfen nun im Rahmen einer kontrollierten klinischen Studie, ob sich das Behandlungskonzept bewährt.“ Die Stammzell-Transplantation in der Behandlung von Blut- und Knochenmarkkrebs ist eine fest etablierte Therapie und wird am Universitätsklinikum Heidelberg von einem spezialisierten und erfahrenen Ärzteteam um Prof. Dr. Peter Dreger aus der Abteilung Hämatologie, Onkologie und Rheumatologie mehr als 300 Mal im Jahr durchgeführt.

Fast 13.000 Menschen erkranken jährlich in Deutschland an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Die Entfernung des Tumors mit anschließender Chemotherapie bringt häufig keine Heilung, da die aggressiven Tumoren früh wieder nachwachsen und in andere Organe absiedeln (Metastasierung). Nur etwa die Hälfte der operierten Patienten überlebt länger als zwei Jahre.

Schwachstelle des patienteneigenen Immunsystems ausgleichen

Der neue Therapieansatz zielt darauf ab, die körpereigene Krebsabwehr zu unterstützen. Bei gesunden Menschen erkennt und bekämpft das Immunsystem automatisch Krebszellen, die in jedem Menschen täglich aus defekten Körperzellen entstehen. Ein Tumor wächst nur dann heran, wenn das Immunsystem dieser Aufgabe nicht gewachsen ist. „Bei Patienten mit Pankreaskarzinom reagiert die körpereigene Krebsabwehr nicht ausreichend auf diese speziellen Krebszellen, das Immunsystem hat quasi einen blinden Fleck“, so Schmitz-Winnenthal. Diese Schwachstelle wollen die Heidelberger Mediziner beheben, indem sie Teile des patienteneigenen Immunsystems gegen ein neues, besser funktionierendes austauschen. Ist der Tumor entfernt, soll das neue Immunsystem verbliebene Krebszellen abtöten.

Dazu übertragen die Mediziner blutbildende Stammzellen aus dem Knochenmark eines passenden Spenders (allogene Stammzell-Transplantation), in diesem Fall eines Geschwisters. Zuvor erhält der Patient sechs Tage lang eine milde Chemotherapie, um das alte Immunsystem zu schwächen und damit Abstoßungsreaktionen zu vermeiden. Es bleibt das Risiko, dass das neue Immunsystem neben Krankheitserregern und Krebszellen auch das gesunde Körpergewebe des Patienten angreift. Diese „Transplantat-gegen-Empfänger“-Reaktion lässt sich bei rund 80 Prozent der Patienten mit modernen Medikamenten und ausreichend Erfahrung gut unterdrücken, ohne dass die Schlagkraft des neuen Immunsystems gegen die Tumorzellen verloren geht.

Ab sofort können Patienten mit fortgeschrittenem Pankreaskrebs, der operiert werden kann bzw. bereits operiert wurde und noch keine Absiedlungen gebildet hat, in die Studie aufgenommen werden. Es müssen gesunde Geschwister vorhanden sein, die zu einer Stammzellspende bereit sind. „Wir hoffen besonders, damit Patienten mit sehr schlechter Prognose helfen zu können“, so Schmitz-Winnenthal.

Interessenten für eine Teilnahme an der Studie können sich wenden an:
Klinisches Studienzentrum Chirurgie, Universitätsklinikum Heidelberg, Chirurgische Klinik
Im Neuenheimer Feld 110, 69120 Heidelberg
Telefon 0 62 21/56-3 51 54 (Mo – Fr 8.00 – 12.00 Uhr)