Mit einem Umsatzplus von 6,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr und einem Gewinn von 2,3 Millionen Euro haben die Stadtwerke Weinheim das Geschäftsjahr 2013 abgeschlossen. Das gab Peter Krämer, Geschäftsführer der Stadtwerke Weinheim GmbH am 30. Juli 2014 bei der Bilanzpressekonferenz bekannt. Vor dem Hintergrund der Herausforderungen für Stadtwerke, die sich aus Energiewende, staatlicher Regulierung und schärferem Wettbewerb ergeben, ist das ein bundesweit beachtliches Ergebnis. Denn nach einer aktuellen Studie von Roland Berger steht jedes fünfte Stadtwerk vor der Insolvenz, das erste – Gera – hat sie schon angemeldet. Die Anteilseigner der Stadtwerke Weinheim dagegen haben Grund zur Freude, obwohl – wie Peter Krämer betonte – auch das Ergebnis der Stadtwerke Weinheim unter dem des Vorjahres liege (knapp 11 Prozent). Vom Jahresüberschuss erhielten die Gesellschafter zwei Millionen Euro, davon gingen an die Stadt Weinheim 823.189 Euro. 300.000 Euro wurden in die Rücklagen eingestellt.

Den Erfolg der Stadtwerke Weinheim schreibt Peter Krämer vor allem dem konsequenten Engagement für die Lebensqualität in der Region und ihrer Bürger zu. Dazu zählen für ihn: maßgeschneiderte regionale Energiewende-Projekte mit hoher Akzeptanz bei Verbrauchern / im Umfeld und teilweise auch mit Bürgerbeteiligung, transparente Produkte zu fairen Konditionen, umfassende Beratungs- und Serviceleistungen sowie das kontinuierliche Optimieren der internen Prozesse. Im Fokus aller Entscheidungen stehen bei den Stadtwerken Weinheim stets die Effektivität und Effizienz der Maßnahmen.

Solide Basis

Die Stadtwerke Weinheim stehen mit einer Eigenkapitalquote von 42,5 Prozent und liquiden Mitteln von 7,1 Millionen Euro zum 31. Dezember 2013 solide da. „Die Arbeitsplätze unserer 131 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind sicher; sie sind unser wichtigstes Kapital“, betonte Peter Krämer. Erfahrene und gut ausgebildete Mitarbeiter seien Voraussetzung, um den gewaltigen Umbau der Energieversorgung stemmen zu können. Zudem gelte es, Kunden zu binden sowie neue zu gewinnen, sagte er. Rund 63.000 Euro haben die Stadtwerke im Berichtsjahr in Fort- und Weiterbildung investiert. Acht junge Menschen befinden sich in der Ausbildung.

Die Zahl der Energiekunden blieb im Kerngebiet nahezu konstant und in Vertriebsgebieten außerhalb konnten ca. 1.000 Kunden hinzugewonnen werden. Außerhalb der eigenen Netzgebiete bieten die Stadtwerke Strom und Gas über ihre Vertriebstochter „Meine StadtEnergie“ an.

Wachstum erfordert Ideen

Den höchsten Zuwachs verzeichneten die Stadtwerke in der Sparte Wärme: Die Abgabe stieg um 16,2 Prozent, der Umsatz um 16,5 Prozent. Zurück gegangen ist der Umsatz lediglich beim Hallenbad um 1,1 Prozent und beim Trinkwasser um 0,9 Prozent. Die Zunahmen beim Wärmeabsatz resultieren vor allem aus dem sukzessiven Bezug von Gebäuden im Neubaugebiet Lützelsachsen Ebene. Es wird mit Wärme aus lokal erzeugtem Biogas versorgt. Auch die Beteiligung der Stadtwerke an der Wärmeversorgung Rippenweier GmbH & Co. KG, die Wärme aus Holzhackschnitzeln anbietet, ist ein erfolgreich umgesetztes Projekt zur Energiewende: Das für 2018 gesetzte Ziel – die Versorgung von 44 Gebäuden – war bereits im Mai 2014 erreicht.

Peter Krämer will in Weinheim den Ausbau von Wärmenetzen vorantreiben, ebenso das Wärmecontracting. Beides sind für ihn Maßnahmen, die effizient zur Ressourcenschonung und zum Klimaschutz beitragen. Er sieht darin ein weiter wachsendes Geschäftsfeld für die Stadtwerke. Für Strom und Gas dagegen dämpft er die Erwartungen für das Geschäftsjahr 2014: Die milde Witterung wird zu Einbußen beim Gas- und Stromabsatz führen; ebenso Effizienzsteigerungen bei Geschäfts- wie Privatkunden und der vom Erneuerbare-Energien-Gesetz geförderte Eigenverbrauch von selbst erzeugtem Strom.

Für Stadt und Lebensqualität

Die Stadtwerke Weinheim investieren kontinuierlich in den Umbau der Energieerzeugung und -versorgung sowie in den Ausbau der Netze. Im Berichtsjahr haben sie dafür 3,9 Millionen Euro ausgegeben, einen Großteil davon für die Infrastruktur des Neubaugebiets Lützelsachsen Ebene und den Aufbau der Wärmeversorgung Rippenweier. Um die Elektromobilität voranzubringen, haben sie in Weinheim eine Ladesäule für Elektrofahrräder installiert und erproben selbst ein Elektroauto im Alltag. In 2014 setzen die Stadtwerke Weinheim die regionale Energiewende fort: Sie sind im Juli über eine Beteiligung an der KomKo Wind GmbH in die Windstrom-Erzeugung eingestiegen (ecoGuide berichtete). Erfolgversprechend ist auch die Einführung von klimaneutralem Gas: Bereits drei Kommunen (Weinheim, Laudenbach und Hemsbach) sowie Kukident beziehen Gas, dessen Kohlendioxidemissionen durch CO2-Minderungsprojekte an anderer Stelle ausgeglichen werden.

Aber die Stadtwerke engagieren sich nicht nur durch zukunftsweisende Versorgungskonzepte und klimaschonende Produkte für die Region: Von den 62,1 Millionen Euro Umsatz flossen rund 12,4 Millionen über Steuern, Abgaben, Löhne sowie durch Aufträge an heimische Firmen wieder zurück in den regionalen Wirtschaftskreislauf. „Wir tragen damit zur Stabilisierung der Wirtschaft in der Region bei“, betonte der Stadtwerke-Chef.