Speyer Bohrwiderstandsmessung

Mit modernster Technik wie diesem Bohrwiderstandsmessgerät untersuchen Steffen Schwendy und seine Kollegen die Gesundheit der Speyerer Bäume. Foto: Stadt Speyer

Eigentlich ist der Zunderschwamm ein sehr nützliches Gewächs. Schon seit alters her nutzen die Menschen den weißlichen Pilz zur Produktion von brennbarem Zunder. Doch Volker Claus von der Speyerer Grünflächenabteilung flucht jedes Mal, wenn er bei einem seiner 20.000 Kontrollgänge im Jahr den Zunderschwamm an einem städtischen Baum findet. Der Zunderschwamm ist nämlich ein gefährlicher Schädling, der den Baum angreift und zu seinem Absterben führen kann.

Während sich viele Hobbygärtner dieser Tage wieder an die Gartenarbeit machen, sind Claus und seine Kollegen das ganze Jahr in und um Speyer aktiv und kümmern sich um die Grünflächen der Stadt. Den 15.000 Bäumen auf städtischer Gemarkung ein artgerechtes Umfeld zu schaffen, ist keine leichte Aufgabe. Nicht nur Schädlinge wie der Zunderschwamm, sondern auch Hundeurin, Streusalz und Abgase machen den Bäumen das Leben schwer. „Besonders schädigend sind Autos, die auf der Baumwurzel parken“, warnt Claus. Die schweren Autos quetschen die empfindlichen Wurzeln und nehmen dem Baum die Luft.

Doch auch die wachsenden Anforderungen der Bürger an die Infrastruktur gefährden den städtischen Baumbestand. Wenn ein neues Breitbandkabel gezogen oder eine Wasserleitung verlegt wird, geht das oft nicht ohne Eingriffe in die Baumwurzeln. Auch der Straßenbau schädigt die Bäume. In Zeiten des globalen Klimawandels sind zudem neue Schädlinge und Krankheiten auf dem Vormarsch und greifen die geschwächten Bäume an. Manchmal bleibt der Stadt nichts anderes übrig, als einen kranken Baum zu fällen. „Das ist aber immer nur das allerletzte Mittel“, betont Steffen Schwendy als verantwortlicher Planer für die städtischen Grünflächen. „Wir prüfen jedes Mal sehr sorgfältig, ob die Fällung wirklich nötig ist. Da wir aber auch die Verkehrssicherheit in Speyer gewährleisten müssen, bleibt uns mitunter keine andere Wahl.“

Für Oberbürgermeister Hansjörg Eger haben Speyers Bäume und Grünflächen höchste Priorität. „Wir pflanzen wesentlich mehr Bäume neu an, als gefällt werden müssen“, beruhigt Eger besorgte Bürger. Den 681 Fällungen zwischen 2011 und 2014 stehen 885 Nachpflanzungen gegenüber. Somit wurden in diesem Zeitraum 204 Bäume mehr gepflanzt als gefällt. Dazu kommen noch 575 Neupflanzungen an 14 Standorten im ganzen Stadtgebiet seit 2009. „Durch das Bundesnaturschutzgesetz sind die gesamten Fällarbeiten des Jahres zwischen November und Februar durchzuführen“, erklärt der Oberbürgermeister. „Daher fallen die Fällungen in dieser Zeit besonders stark auf, während unsere zahlreichen Neupflanzungen kaum Beachtung finden.“

Auch in 2014 ergreift die Stadt wieder vielfältige Maßnahmen, um die Bäume zu schützen. So wird bei frischgepflanzten Bäumen die Rinde verpackt, und statt der Monokulturen der 1970er Jahre setzt man schon seit langem auf einen Mix aus amerikanischen Eichen, rotblühenden Judasbäumen, Ginkgo und anderen Gewächsen wie der Zierkirsche. Die Stadtgärtner freuen sich übrigens über jeden Bürger, der sie bei der Pflege der städtischen Bäume und Grünanlagen durch eine Patenschaft unterstützt.

Weitere Informationen:
www.speyer.de/sv_speyer/de/Standort/Stadtentwicklung/Gr%C3%BCnpatenschaften/