Schwetzingen

Der neue Schlossplatz in Schwetzingen. Foto: Schwerdt

Gute Nachrichten kamen in diesen Tagen aus dem baden-württembergischen Verkehrsministerium: Was als zweijähriger „Modellversuch Schlossplatz“ in Schwetzingen mit der Ausweisung des Platzes zum verkehrsberuhigten Bereich 2011 begann, ist jetzt auch offiziell und dauerhaft vom Ministerium genehmigt worden. Die neue Verkehrsführung wurde gut angenommen und stößt auf große Akzeptanz.

Gutachten als Beleg für erfolgreichen Modellversuch

Dass der Modellversuch erfolgreich war, wird inzwischen auch durch ein Gutachten belegt. Im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, hat das Büro BSV für Stadt- und Verkehrsplanung aus Aachen neben dem Schwetzinger Schlossplatz in 16 weiteren Kommunen Einsatzbereiche von Straßenraumgestaltungen nach dem so genannten „shared space“-Prinzip untersucht. Ausgewertet wurden u.a. die Einhaltung der Geschwindigkeitsgrenzen, die Anzahl der Fahrzeuge pro Tag, die gegenseitige Rücksichtnahme der unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer sowie die Verkehrssicherheit bzw. die Unfallzahlen in diesen Straßenräumen.

Besonders erfreuliches Ergebnis für Schwetzingen: Mit durchschnittlich gefahrenen 15 km/h landet Schwetzingen beim Punkt Einhaltung der vorgeschriebenen Geschwindigkeit auf Platz 1. Auch beim Thema Verkehrssicherheit ist Schwetzingen ganz vorne, da während des Modellversuchs und darüber hinaus kein einziger Unfall verzeichnet wurde. Das liegt vermutlich auch daran, dass sich in Zweidrittel der Fälle die Autofahrer zu Gunsten der Fußgänger zurück nehmen und diesen Vorrang im Straßenraum einräumen. Das gute Abschneiden des Schlossplatzes im Gutachten gemeinsam mit dem erfolgreichen Antrag der Stadt Schwetzingen hat jetzt auch das Verkehrsministerium überzeugt, aus dem Modellversuch eine dauerhafte Verkehrsregelung zu machen.

Entschleunigung brachte ganz neues Platzgefühl

Das ist keine Überraschung für Schwetzingens Oberbürgermeister Dr. René Pöltl, der von Anfang an zuversichtlich war, dass die „Entschleunigung“ rund um den Schlossplatz funktioniert: „Durch die Ausweisung des Platzes als Schrittgeschwindigkeitszone haben wir ein ganz neues und verträgliches Miteinander erreichen können. Alle Verkehrsteilnehmer sind gleichberechtigt und verhalten sich untereinander rücksichtsvoll. Schön ist dabei, dass auf Fußgänger besondere Rücksicht genommen wird und diese gefahrlos an jeder Stelle des Platzes den Fahrbereich queren können. Die Aufenthaltsqualität gerade in den Sommermonaten ist deutlich gestiegen, Luft- und Lärm-Emissionen konnten merklich reduziert werden. Durch die Platzgestaltung ohne Bordsteine und Kanten wird der Fahrbereich auch nicht mehr als trennendes Element wahrgenommen – was auch der Barrierefreiheit zu Gute kommt – und der Platz hat dadurch eine unglaubliche Großzügigkeit und Leichtigkeit erhalten. Alles in allem ist die neue Verkehrsregelung in Verbindung mit dem optisch neu gestalteten Platz ein großer Gewinn für Schwetzingen.“

Neugestaltung des Platzes war nur im städtebaulichen Gesamtkontext möglich

Dass diese neue Platzgestaltung ein Erfolg werden wird, davon war Schwetzingens Stadtbaumeister Mathias Welle schon bei den ersten Planungen überzeugt. Bereits 2001 hatte er die Vision, den Platz als Gesamteinheit, d.h. ohne trennende Straße, ohne Ampel und ohne Zebrastreifen zu gestalten und war somit auch treibende Kraft des heutigen Verkehrskonzeptes. Der in mediterranem beige gehaltene Belag des Platzes spiegelt sich zudem im Schlossgarten wider und betont so, gemeinsam mit der bereits zuvor umgestalteten Carl-Theodor-Straße und Bahnhofanlage, die durch die Stadt verlaufende Barockachse (auch Palatina-Achse), die vom Heidelberger Königstuhl aus bis zur Kalmit in der Pfalz verläuft.

Neben der städtebaulichen Idee waren die Fertigstellung der B 535 und die Herausnahme der Bundesstraße 36 eine wesentliche Voraussetzung für die Umwidmung des Platzes zum verkehrsberuhigten Bereich. Somit konnte der innerstädtische Durchgangsverkehr über den Platz in erheblichem Ausmaß reduziert werden: von täglich ca. 12.000 auf nun rund 7.200 Fahrzeuge. Der Schlüssel zum Erfolg – so Stadtbaumeister Welle – liegt eindeutig in der neuen Wahrnehmung des Schlossplatzes und der vollzogenen städtebaulichen Umgestaltung, sowie der Ausweisung als verkehrsberuhigten Bereich begründet, die eine in sich geschlossene und inhaltlich stimmige Einheit darstellen. Der Schlossplatz – als Herz und urbanes Zentrum der Stadt – erhält somit wieder seine ursprünglich angedachte Stadtplatzfunktion mit deutlich erhöhter Aufenthaltsqualität für die Menschen zurück.