An der GRN-Klinik Schwetzingen ist Mitte Mai 2014 erstmals einem Patienten mit lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen ein so genannter MRT-fähiger Defibrillator implantiert worden: Anders als herkömmliche Geräte dieser Art übersteht das neuartige System, das mittels Elektroschock einen Herzstillstand verhindert und gleichzeitig die Funktion eines Herzschrittmachers erfüllt, Untersuchungen im Magnetresonanztomographen (MRT) ohne Probleme. „In Zukunft müssen unsere Patienten nach der Neuimplantation eines solchen Defibrillators nicht mehr auf dieses strahlenfreie und gleichzeitig äußerst aufschlussreiche Diagnoseverfahren verzichten“, äußert sich Prof. Dr. Bernd Waldecker, Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin I, erfreut zu diesem neuen Angebot. „Das ist ein bedeutender Fortschritt in der Versorgung unserer Patienten.“

MRT-Untersuchungen, auch Kernspintomographien genannt, kommen z.B. in der Diagnose von Tumoren, Erkrankungen der Wirbelsäule, Gelenkverschleiß oder Organstörungen zum Einsatz. Die GRN-Klinik Schwetzingen ist eines der ersten Krankenhäuser in Deutschland, das die neuen Defibrillatoren einsetzt. Die Implantationen werden in enger Zusammenarbeit der Kardiologen mit der Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie unter der Leitung von Dr. Johannes Weiß durchgeführt. In Handhabung und Implantationstechnik unterscheidet sich der MRT-fähige „Implantierbare Kardioverter-Defibrillator“ (ICD) kaum von seinen Vorgängermodellen. „Wir werden daher in Zukunft hauptsächlich derartige ICD-Systeme implantieren“, so Prof. Waldecker.

ICD sind unverzichtbar in der Behandlung schwerer Herzrhythmusstörungen wie dem Kammerflimmern. Unerkannt und unbehandelt kann Kammerflimmern, bei dem das Herz kaum noch in der Lage ist, Blut in den Körper zu pumpen, innerhalb weniger Minuten zum Tod führen. Die kleinen Geräte, die im Bereich des linken Schlüsselbeins implantiert werden und über Elektroden mit dem Herzen verbunden sind, registrieren mit nahezu hundertprozentiger Sicherheit solche lebensbedrohlichen Aussetzer und starten das Herz mittels Elektroschocks neu. Zudem helfen sie – wie ein Herzschrittmacher – dem Herzen, durch elektrische Impulse den Takt zu halten.

Mehrere Tausend Menschen müssen in Deutschland jährlich mit implantierbaren Defibrillatoren versorgt werden. Bei Patienten mit herkömmlichen Geräten dürfen aus Sicherheitsgründen keine Magnetresonanztomographien des Brust- oder Bauchraumes durchgeführt werden, selbst Untersuchungen des Schädels und der Beine sind nur eingeschränkt möglich. Die MRT, die ohne Röntgenstrahlung auskommt, erzeugt mit Hilfe starker Magnetfelder sehr detailreiche Schnittbilder des Körpers. Diese Magnetfelder wirken auf die Metallteile des Schrittmachers: Das Gerät kann davon beschädigt werden, die Elektronik ausfallen. Außerdem erhitzen sich die bis in den Herzmuskel reichenden Elektrodenspitzen und können dadurch das umliegende Gewebe verletzen.

„MRT-Untersuchungen gehören heute bei vielen Erkrankungen zur Standarddiagnostik“, erklärt Dr. Axel Werner von der Radiologie Schwetzingen, der seit Jahren eng mit den Kardiologen der Klinik zusammenarbeitet. „Kommt eine MRT nicht in Frage, kann das die Therapie erschweren. Das war bisher ein Nachteil für Patienten mit Defibrillatoren und auch Herzschrittmachern“, ergänzt Herzspezialist Waldecker. Die neuen, MRT-fähigen ICD enthalten keine Metallteile oder Schaltungen, die durch starke Magnetfelder beschädigt werden könnten. Zudem enthalten sie spezielle Elektroden, die sich nicht erhitzen. Von der neuen Technik profitieren ausschließlich Patienten, die neu einen Defibrillator erhalten. Wer bereits mit einem herkömmlichen Gerät versorgt ist, muss weiterhin ohne MRT-Untersuchungen auskommen, da die Elektroden im Laufe der Jahre mit dem Herzgewebe verwachsen und nicht ausgetauscht werden können.

Die Implantierbaren Kardioverter-Defibrillatoren sind nicht die erste Innovation dieser Art, die an der GRN-Klinik Schwetzingen zum Einsatz kommt: Bereits seit Anfang 2013 erhalten hier Herzpatienten, die Zwei-Kammer-Schrittmacher benötigen, ausschließlich MRT-fähige Modelle. Bis heute wurden in Schwetzingen 75 Patienten mit den neuen Schrittmachern versorgt.