Auwald

Alteichen im Auwald. Foto: Ernst-Christian Driedger

Die wertvollen Auwälder am Rhein sollen für die Zukunft gesichert werden. Die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken hat am 9. März 2015 angekündigt, dass Landesforsten zwischen Worms und Neuburg (Höhe Karlsruhe) schrittweise rund 940 Hektar landeseigenen Wald aus der forstwirtschaftlichen Nutzung nehmen werde. „Mit Tullas Rhein-Begradigung vor über 100 Jahren ist ein Großteil des natürlichen Auwalds verloren gegangen. Die Relikte dieses Naturschatzes wollen wir für kommende Generationen bewahren und weiter entwickeln“, so Höfken. Sie wies darauf hin, dass die Auwälder die größte Dichte von Tier- und Pflanzenarten in ganz Rheinland-Pfalz aufweisen.

Auwälder am Rhein: „Hotspots der Biodiversität”

Der Schwarzspecht, der Kammmolch, die Bechsteinfledermaus und der Hirschkäfer seien hier zu Hause. Das Bundesamt für Naturschutz zähle die Auwälder am Rhein zu den „Hotspots der Biodiversität“ in Deutschland und damit zu den besonders bedrohten natürlichen Lebensräumen. „Neben dem Nationalpark Hunsrück-Hochwald leisten wir damit einen weiteren Beitrag zur Umsetzung der nationalen Biodiversitätsstrategie“, erklärte die Ministerin.

Nach zweijähriger Vorarbeit unterzeichnete Höfken gemeinsam mit dem stellvertretenden Vorsitzenden des BUND Rheinland-Pfalz, Holger Schindler, eine Vereinbarung zur Umsetzung der eigendynamischen Entwicklung des Auwaldes. Dieses Konzept habe Landesforsten gemeinsam mit der Naturschutzverwaltung und dem BUND erarbeitet.

„Aktive Auwälder eignen sich besonders gut als Wildnisgebiete”

Schindler betonte: „In Rheinland-Pfalz tragen wir eine besondere Verantwortung, da sich die letzten größeren Auwaldrelikte im Süden unseres Bundeslandes befinden. Deshalb freut es uns sehr, dass die Landesregierung unser Anliegen aufgenommen hat und große Teile der aktiven Rheinaue einer natürlichen Dynamik überlassen will. Aktive Auwälder eignen sich besonders gut als Wildnisgebiete, da hier der Rhein die Landschaft mitgestaltet und zu einem Mosaik verschiedener Lebensräume und damit zu einer hohen Biodiversität führt.“

Vertragsunterzeichnung Auwald

Nach der Unterzeichnung: Die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken und Holger Schindler, stellvertretender Vorsitzender des BUND Rheinland-Pfalz. Foto: Umweltministerium Rheinland-Pfalz

Höfken wies darauf hin, dass ein Großteil des Auwaldes am Rhein bereits unter Naturschutz stehe und dem europäischen Schutzgebietsnetz Natura 2000 angehöre. „Diesen Schutz wollen wir ausbauen und damit die Lebensräume der Arten im Auwald vergrößern“, so die Ministerin. Schritt für Schritt werde das Forstamt Pfälzer Rheinauen bis 2044 den Auwald wasserseits des Rheinhauptdeichs aus der Nutzung nehmen. Bereits von diesem Jahr an werden rund 260 Hektar Wald nicht mehr bewirtschaftet. „Damit sich die Wildnis weiter entwickeln kann, werden Hybridpappeln entnommen, frei werdende Flächen sich selbst überlassen oder standortgerechte Baumarten wie die Schwarzpappel oder die Eiche gepflanzt“, erklärte Höfken.

Auen-Foren werden fortgesetzt

Um den Dialog mit den verschiedenen Nutzern des Auwaldes weiter zu führen, werden die vom Forstamt organisierten Auen-Foren fortgesetzt. Neben Erholungssuchenden werde das Gebiet von Binnenschiffern, Anglern und Sportbootfahrern genutzt, so Höfken: „Wir werden uns dafür einsetzen, dass alle Seiten in den bevorstehenden Prozess einbezogen werden. Nur so erreichen wir die Akzeptanz aller Beteiligten.“