St. Josefskrankenhaus

Foto: St. Josefskrankenhaus Heidelberg

Mehr als 100 Mitarbeiter des Heidelberger St. Josefskrankenhauses versammelten sich am 24. Juni 2015 im Innenhof der Heidelberger Klinik, um für mehr Krankenhauspersonal zu demonstrieren und auf die ungenügende Finanzierung der Krankenhäuser im deutschen Gesundheitssystem aufmerksam zu machen.

Die von ver.di bundesweit ausgerufene Aktion war mit „162.000″ überschrieben. Diese Zahl ergab sich aus einer ver.di-Umfrage aus 2013, bei der an Krankenhäusern ermittelt wurde, wie viele Beschäftigte nötig sind, um die anfallende Arbeit mit der notwendigen Qualität bewältigen zu können. Dabei wurden alle Tätigkeitsbereiche (Medizin und Pflege ebenso wie Verwaltung, Hauswirtschaft und Technik) berücksichtigt. Demnach fehlen an deutschen Kliniken 162.000 Stellen. Um diese Zahl zu veranschaulichen, hielten alle Aktionsteilnehmer ein Schild mit Zahlen zwischen 1 und 162.000 über den Kopf. Jedes dieser Schilder repräsentierte einen der fehlenden Arbeitsplätze.

Auch an vielen anderen Krankenhäusern in der Region kam es zu Demonstrationen. So machten z.B. auch die Beschäftigten des Psychiatrischen Zentrums Nordbaden (PZN) in Wiesloch am Mittwoch auf den drohenden Personalmangel aufmerksam: Vor dem Zentralgebäude versammelten sich über 300 Beschäftigte. Sie demonstrierten gemeinsam mit der Geschäftsleitung und dem Personalrat.

Krankenhausstrukturgesetz

zfp Wiesloch

Über 300 Beschäftigte des Psychiatrischen Zentrums Nordbaden in Wiesloch beteiligten sich an der bundesweiten Demonstrationen. Foto: Psychiatrisches Zentrum Nordbaden

Das Bundeskabinett hat am 10. Juni 2015 das Krankenhausstrukturgesetz beschlossen. Laut Bundesgesundheitsminister Gröhe soll dadurch eine Qualitätsoffensive in den Krankenhäusern gestartet und 660 Millionen Euro für die Neueinstellung von Pflegekräften zur Verfügung gestellt werden.

Doch dies sei nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein und bei weitem nicht genug, um dem sich abzeichnenden Pflegenotstand entgegen zu treten. Experten berechneten, dass höchstens 4.400 Pflegestellen finanziert werden könnten. Für das PZN Wiesloch z.B. würde die Zuweisung bedeuten, dass lediglich drei Stellen mehr besetzt werden könnten.

„Bad Dürkheimer Appell“ überreicht

Ziel der bundesweiten Aktion waren die in Bad Dürkheim tagenden Gesundheitsminister der Länder. Auch eine Delegation aus Wiesloch nahm an der Großveranstaltung in Bad Dürkheim teil. Den Sozialministern und Bundessozialminister Gröhe wurde der „Bad Dürkheimer Appell“ überreicht. Dieser bündelt die Forderungen der Beschäftigten. Der Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Reform der Strukturen der Krankenhausversorgung geht allen weit am Ziel vorbei.

„Wir leisten eine hervorragende Patientenversorgung, indem die Beschäftigten bis an ihre Belastungsgrenze arbeiten. Um die Qualität unserer Arbeit und die Gesundheit unserer Beschäftigten dauerhaft zu halten, brauchen wir mehr Personal, wir sind mit unserer Geduld am Ende, wir brauchen Taten und keine Versprechen“, so der Personalratsvorsitzende des PZN Wiesloch, Peter Weckesser. Und Isolde Schuller, Personaldirektorin, ergänzte: „Wir sind ein attraktiver Arbeitgeber und wir tun viel für unsere Belegschaft, von der Personalentwicklung über den Gesundheitsschutz bis hin zu Gemeinschaftsveranstaltungen und Festen. Grundvoraussetzung für eine professionelle Patientenversorgung und für eine hohe Mitarbeiterzufriedenheit sind jedoch gute Rahmenbedingungen. Im Krankenhaus und insbesondere in der Psychiatrie sind dies eine ausreichende Personalausstattung und eine verlässliche Refinanzierung der Personalkosten.“