Keiner fällt durchs Netz

„Keiner fällt durchs Netz“ – von der frühzeitigen Unterstützung profitieren Kinder in belasteten Familien. Foto: Keiner fällt durchs Netz / Universitätsklinikum Heidelberg

Die Unterstützung durch eine Familienhebamme hilft Eltern in schwierigen Lebenssituationen, eine tragfähige Beziehung zu ihrem Kind aufzubauen. Das konnten Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg mit einer Studie belegen, an der 302 Mutter-Kind-Paare teilnahmen, die alle als psychosozial belastet eingestuft wurden. Im Rahmen des Präventionsprogramms „Keiner fällt durchs Netz“ wurde die Hälfte der Teilnehmerinnen durch eine Familienhebamme unterstützt, die zweite Hälfte fungierte als eine Kontrollgruppe. Nach einem Jahr zeigte sich, dass die Familienhebammen depressive Symptome bei jungen Müttern lindern und zu einer tragfähigen Beziehung zwischen Mutter und Kind beitragen können. Den deutlichsten Effekt konnten die Forscher bei der sozialen Entwicklung der Kinder feststellen – sie konnten ihre sozialen Fähigkeiten dem Alter entsprechend entfalten und interagierten stärker mit ihrer Umwelt. Die Ergebnisse sind im „Infant Mental Health Journal“ erschienen.

„Die Studienergebnisse bestätigen, dass die regelmäßigen Hausbesuche durch eine Familienhebamme die Entwicklungsperspektiven der Kinder verbessern. Die Strukturen von „Keiner fällt durchs Netz“ sind inzwischen in den beteiligten Landkreisen in Baden-Württemberg, Hessen und dem Saarland fest etabliert“, sagt Studienleiter Prof. Dr. Manfred Cierpka, Ärztlicher Direktor des Instituts für Psychosomatische Kooperationsforschung und Familientherapie.

Unterstützung in wichtiger Lebensphase für besonders belastete Familien

Die frühe Kindheit beeinflusst das Leben nachhaltig; sie bildet die Basis für die emotionale, soziale und kognitive Entwicklung. Um Eltern und Kindern in dieser wichtigen Lebensphase zu helfen, haben Mitarbeiter des Instituts für psychosomatische Kooperationsforschung und Familientherapie 2007 das Präventionsprogramm „Keiner fällt durchs Netz“ ins Leben gerufen, bei dem die erste Kontaktaufnahme bereits im Rahmen von Schwangerschafts- und Geburtsbegleitung erfolgt. Ein besonderer Fokus des Präventionsprogramms liegt auf Familien in schwierigen Lebenssituationen; bei Bedarf begleitet eine Familienhebamme die jungen Eltern während des gesamten ersten Lebensjahres ihres Kindes.

„Bekannte Belastungsfaktoren für junge Familien sind u.a. Armut, ein Mangel an sozialer Unterstützung, sowie Überforderung oder Minderjährigkeit der Mutter“, erklärt Dr. Anna Sidor, Psychologin am Institut für psychosomatische Kooperationsforschung und Familientherapie des Universitätsklinikums Heidelberg. Familien, die mit Hilfe der Risikocheckliste als nicht oder nur leicht belastet eingestuft wurden, erhalten ebenfalls Unterstützung: Sie können im Rahmen von „Keiner fällt durchs Netz“ an einer Elternschule teilnehmen.

In den nächsten Jahren wollen die Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg das erfolgreiche Konzept erweitern: „Unsere Ziele sind, das Programm auf das zweite und dritte Lebensjahr des Kindes auszuweiten und eine Zusammenarbeit mit Kitas zu starten. Außerdem möchten wir den Familienhebammen, die durch die schwierigen Situationen in den Familien stark belastet sind, psychologische Unterstützung anbieten“, sagt Manfred Cierpka.