Gerne vergleichen die Neustadter ihre Stadt mit Landau, Speyer oder Bad Dürkheim. Dabei wird häufig beklagt, Neustadt sei hinsichtlich der Stadtentwicklung abgehängt. Einer der Gründe dafür ist, dass diese Städte ihre Probleme mit Bundesstraßen in der Innenstadt schon vor Jahrzehnten in den Griff bekommen und damit Möglichkeiten zur Verbesserung der Lebensqualität eröffnet haben. Erinnern Sie sich daran, als die B 37 in Bad Dürkheim noch über den Römerplatz führte? Oder der Verkehr in Speyer vom Altpörtel zum Dom über die Maximilianstraße brauste? Früher war vor dem Dom in Speyer ein Parkplatz. Heute hat man mit einem so genannten „Shared Space“ eine Lösung gefunden, den Bereich zum einen zu beruhigen und trotzdem allen Verkehrsteilnehmern eine gleichberechtigte Nutzung zu erlauben. Gemütliches Flanieren, in Ruhe Bummeln oder Kaffee trinken sind dort nun möglich.

Die Vergleiche lassen erahnen, welche Chancen sich für Neustadt eröffnen könnten. Die Verlagerung des Durchgangsverkehrs würde einen stufenfreien Übergang vom Hauptbahnhof in die Fußgängerzonen ermöglichen. Die jetzige Unterführung am Saalbau entfiele. Im gleichen Zug könnte der ganze Bereich wesentlich attraktiver gestaltet werden. Denn ein solcher „Shared Space“ ist auch zwischen Hetzelplatz und oberer Hauptstraße realisierbar. Der Verkehr würde dort um rund 70 Prozent sinken. Eine Voraussetzung dafür, den bisher von Autos und LKWs dominierten Raum lebens- und liebenswerter zu gestalten. Typisch für einen „gemeinsam genutzten Raum“ ist der Verzicht auf Verkehrszeichen oder Ampeln. Orientierung geben z.B. verschiedene Pflasterungen. Die Verkehrsteilnehmer sind zur Interaktion aufgefordert. Autofahrer sollen nicht „durchrauschen“, sondern den Ort und seinen Charakter aufnehmen. Planer sprechen auch von einem neuen Raumgefühl. Es entstehen Plätze für Cafés und eine attraktive Umgebung für Einzelhandelsgeschäfte. Lärm und Abgase gehören der Vergangenheit an.