„Jeder von uns kann über die Ernährung zum Klimaschutz beitragen. Kein Wunder also, dass im Klimaschutzkonzept der Stadt Neckargemünd vorgesehen ist, einmal jährlich einen ‘städtischen Veggie-Day’ durchzuführen“, so Horst Althoff, Bürgermeister der Stadt Neckargemünd. Das Max-Born-Gymnasium und das Hörsprachzentrum Neckargemünd machen hierzu einen Vorstoß und werden am 7. Juli 2016 einen „vegetarischen Tag“ einlegen. Hierzu sind die Eltern nach vorheriger Anmeldung sowohl zu den Expertenvorträgen gegen 11.00 Uhr sowie zum anschließenden kostenpflichtigen Veggie-Day-Mittagessen eingeladen. In der Stadtverwaltung wird es einen klimafreundlichen Brunch geben, mit Informationen rund um die Ernährung. Die Kindertagesstätte „Feuertor“ folgt einen Tag später.

Bringt klimafreundliche Ernährung denn auch vor Ort spürbare Effekte – etwa dem Hochwasserschutz? In den vergangenen Wochen hat sich auch bei uns gezeigt, was die globale Erwärmung mit sich bringen kann: Starkregenereignisse. „Überschwemmungen gab es doch schon immer“, werden viele sagen „und die sind doch in den letzten Jahren nicht mehr so hoch!“

„Das ist schon richtig“, sagt Nicola Lender, Klimaschutzbeauftragte der Stadt Neckargemünd, „dennoch waren die Auswirkungen mancher Orts verheerend, denn es waren eben diese Starkregenereignisse, die die Überschwemmungen ausgelöst haben. Das Wasser ist oberflächlich abgelaufen, weil der Boden so viel Wasser nicht aufnehmen konnte und hat Straßen in Flüsse verwandelt. Vor allem die kleineren Flüsse konnten diese Menge an Wasser nicht fassen und sind über die Ufer getreten.“

Unsere Ernährung hat einen großen Anteil an der globalen Erwärmung

Da unsere Ernährung einen großen Anteil an der globalen Erwärmung hat, kann jeder dazu beitragen, die Erwärmung zu reduzieren. In Deutschland steht der Energieeinsatz für die Ernährung auf Platz 2, gleich nach dem Energiebedarf fürs Wohnen. Zudem ist bei uns die Ernährung für etwa 20 Prozent der Treibhausgase verantwortlich. Wer also bewusst isst und trinkt, kann einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Ganz genau lässt es sich nicht rekonstruieren, wie viele Treibhausgase in einem Kilogramm Lebensmittel stecken, aber man hat festgestellt, dass manche Lebensmittel klimaschädlicher sind als andere: Fleisch z.B. verursacht mehr Emissionen als Gemüse. Und Gemüse aus kontrolliert-biologischem Anbau ist klimafreundlicher als konventionell angebautes Gemüse. Um herauszufinden, wie gut oder schlecht die Ökobilanz eines Lebensmittels ist, verwendet man die CO2-Äquivalente (CO2e), an denen die Höhe der Belastung ablesbar ist.

Unser Ernährungsstil verbraucht Landschaft

Ein Mensch isst durchschnittlich 500 kg Lebensmittel im Jahr und produziert dadurch etwa 1,5 Tonnen CO2. Etwa 45 Prozent davon entstehen bei der Erzeugung vom Acker bis zum Supermarkt, der Rest bei Einkauf, Lagerung und Verarbeitung. 72 Prozent der CO2-Äquivalente, die sich auf unsere Ernährung zurückführen lassen, entfallen auf tierische Produkte wie Fleisch, Eier und Milchprodukte. Fleisch frisst außerdem Fläche, d.h. unser Ernährungsstil verbraucht Landschaft. Nahezu 70 Prozent der für Ernährungszwecke kultivierten Fläche dient zur Herstellung von Futter für die Tiere, die nachher in unseren Mägen landen. Diese Fläche steht für den Wald, einen wichtigen CO2-Killer, nicht mehr zur Verfügung.

Was heißt klimafreundliche Ernährung?

Es muss nicht immer vegetarisch sein, aber …

  • weniger Fleisch und Wurst – Klasse statt Masse! Denn: Jeder Deutsche isst im Jahr rund 60 kg Fleisch und Wurst. 1 kg Rindfleisch heizt die Atmosphäre umgerechnet so stark auf wie 24,9 kg CO2. Gleichzeitig ist weniger Fleischkonsum gut für die Gesundheit!
  • Lebensmittel aus der Region – statt weit gereister Produkte! Denn: Mehr als 95 Prozent der Lebensmittel haben heute mehr als 100 km Transportweg hinter sich.
  • Genuss à la Saison – besser als Treibhaus- oder Tiefkühlware! Denn: Flug-Transporte aus Übersee belasten das Klima etwa 80-mal mehr als Schiffstransporte und bis zu 300-mal mehr als Erzeugnisse aus der Region.
  • Bio-Lebensmittel – immer öfter! Jedoch: Auch Bio-Gemüse, das außerhalb der Saison in beheizten Gewächshäusern angebaut wird, kann nicht wirklich ökologisch sein.

Nach dem Motto „global denken, lokal handeln“ wünscht sich die Neckargemünder Klimaschutzbeauftragte Nicola Lender, dass sich möglichst viele am „Veggie Day“ beteiligen. Vielleicht bieten auch Sie an diesem Tag in Ihrem Restaurant oder Ihrer Kantine als Tagesessen ein vegetarisches oder sogar veganes Gericht an? Jeder, der sich an diesem Tag in Neckargemünd beteiligt – sei es zu Hause, mit seinem Geschäft oder Institution – kann für diesen Tag das Klimaschutzlogo Neckargemünds anfordern.

Für Ideen, Anregungen oder Info-Material:
Telefon 0 62 23/8 04-6 17 (Frau Lender) oder
lender@neckargemuend.de