Indonesische Delegation

Die indonesische Delegation zum Wissensaustausch bei H-O-T und AWN in Buchen. Foto: Bioenergie-Region H-O-T

Eine zentrale Aufgabe der Bioenergie-Region Hohenlohe-Odenwald-Tauber (H-O-T) ist der Wissenstransfer und der fachliche Austausch mit anderen Regionen und Ländern. So empfing H-O-T letzte Woche eine Delegation aus Indonesien, die auf Einladung der Förderbank KfW nach Deutschland gekommen war. Die Abordnung bestand aus Vertretern der indonesischen Zentralregierung und Kommunalpolitikern, die sich in Deutschland intensiv über die Themen „Energieerzeugung und Ressourcenmanagement“ informieren wollten. Die H-O-T-Region und die Abfallwirtschaftsgesellschaft des Neckar-Odenwald-Kreises (AWN) mit Sitz in Buchen waren hierfür eine der ersten Adressen.

Indonesiens Abfallwirtschaftssystem stecke immer noch in den Kinderschuhen

H-O-T-Geschäftsführer Sebastian Damm begrüßte die Gäste und stellte einleitend die Ziele der Bioenergie-Region H-O-T vor. Dazu gehören insbesondere der Ausbau der regionalen Energie- und Wirtschaftskreisläufe, sowie der Aufbau eines regionalen Stoffstrommanagements. Schnell kam man dann auf die Situation in Indonesien zu sprechen. Indonesiens Abfallwirtschaftssystem stecke immer noch in den Kinderschuhen und solle schnellstmöglich modernisiert werden, erläuterte der indonesische Delegationsleiter Dwityo Soeranto. „Abfallvermeidung, -trennung und -verwertung (Recycling) sind Themen, um die man sich in Indonesien bislang nur wenig gekümmert hat.“ Durch die stark wachsende indonesische Bevölkerung (derzeit rund 255 Millionen Menschen) und das damit einhergehende steigende Konsumniveau nehme aber die anfallende Menge an Abfall, insbesondere in städtischen Gebieten, stark zu. „Dies entwickelt sich zunehmend zu einem echten Umwelt- und Klimaproblem“, so Dwityo Soeranto weiter.

Klimaschutz mittlerweile eine zentrale Aufgabe der Abfallwirtschaft

Dass Klimaschutz mittlerweile eine zentrale Aufgabe der Abfallwirtschaft ist, unterstrich AWN-Geschäftsführer Dr. Mathias Ginter bei seinem anschließenden Vortrag. „Kein anderer Wirtschaftszweig hat in den letzten 20 Jahren so viel CO2 eingespart wie die Abfallwirtschaft“, so Dr. Ginter. Innovatives Denken und die Nutzung neuer Technologien seien unerlässlich. Dies zeigen zahlreiche Projekte der AWN.

Er stellte der indonesischen Delegation u.a. das Pilotprojekt „Restmüllfreie Abfallwirtschaft“ vor, das seit 2010 in Rosenberg und seit 2013 in Hardheim (Kernstadt) erfolgreich und bei hoher Akzeptanz der Bevölkerung läuft. Dabei gibt es keine klassische Restmülltonne mehr, stattdessen werden eine „Bioenergietonne“ und eine „Trockene Wertstofftonne“ eingesetzt. Die bisherigen Untersuchungen zeigten, dass in diesem innovativen Abfallsystem große Potenziale stecken, die es weiterzuentwickeln gelte. Danach erläuterte Dr. Ginter die Idee, aus organischen Abfällen über verschiedene Prozesse Biobrennstoffe, Pflanzenkohle und verschiedene Substrate, wie z.B. Kompost und Terra Preta herzustellen.

Abfallwirtschaftskonzept des Neckar-Odenwald-Kreises als anschauliches Beispiel

Dr. Ginter ermunterte die Delegation, diese Möglichkeiten der Abfallverwertung in Zukunft auch in Indonesien zu nutzen. Dafür übergab Dr. Ginter der Delegation das Abfallwirtschaftskonzept des Neckar-Odenwald-Kreises als anschauliches Beispiel mit auf den Weg. Delegationsleiter Dwityo Soeranto bedankte sich für die sehr informativen Vorträge und betonte, dass man den Wissenstransfer benötige und sich über eine Kooperation sehr freuen würde. Es ginge darum, in Indonesien im Bereich der Abfallverwertung einige Schritte voran zu kommen. „We want to learn from your Know-how“, mit diesen Worten verabschiedete sich der Delegationsleiter bei seinen Gastgebern in Buchen.

Nach einer kurzen Besichtigung der Deponie Sansenhecken ging es dann weiter ins Bioenergiedorf Großeichholzheim. Dort stand Ortsvorsteher Reinhold Rapp den interessierten Gästen Rede und Antwort. Für besondere Aufmerksamkeit sorgten die Biogasanlage und die Heizzentrale, die die Ortschaft ganzjährig mit Wärme versorgt. Mit vielen neuen Eindrücken machten sich die Gäste so auf die Heimreise.