Prof. Dr. Dr. Hans Jörg Staehle

Prof. Dr. Dr. Hans Jörg Staehle. Foto: Universitätsklinikum Heidelberg

Was moderne Zahnmedizin und jeder selbst dazu beitragen können, Zähne und Gebiss möglichst lange funktionsfähig zu erhalten, erklärt Prof. Dr. Dr. Hans Jörg Staehle, Fachvertreter für Zahnerhaltungskunde am Universitätsklinikum Heidelberg, bei „Medizin am Abend“ am 20. Januar 2016.

Prof. Dr. Dr. Hans Jörg Staehle forscht und arbeitet als Ärztlicher Direktor der Poliklinik für Zahnerhaltungskunde am Universitätsklinikum Heidelberg daran, Zähne möglichst lange gesund zu erhalten sowie invasive Behandlungen zu vermeiden. „Fortschritte auf diesem Gebiet können den Patienten nicht nur Zahnschmerzen oder Probleme beim Kauen ersparen, sondern auch Krankheiten wie etwa Herz- und Gefäßerkrankungen günstig beeinflussen”, so Staehle. In seinem Vortrag bei Medizin am Abend am Mittwoch, 20. Januar 2016, wird er aufzeigen, was heute im Bereich der Zahnerhaltung alles möglich ist, wie Zahn- und Allgemeingesundheit zusammenhängen und was jeder selbst für seine Mundgesundheit tun kann. Der Vortrag beginnt um 19.00 Uhr im Hörsaal der Heidelberger Kopfklinik, Im Neuenheimer Feld 400.

Zahnmedizinische Eingriffe sind traditionell oft invasiv, verbunden mit substanzopfernden Maßnahmen, Zahnextraktionen und nachfolgendem Einsatz von Prothesen oder Implantaten. Anders dagegen in der Zahnerhaltungskunde. „In meinem Fach geht es vor allem um Prävention und zahnsubstanzschonende Behandlungsalternativen. So lassen sich z.B. schon seit längerer Zeit durch spezielle Klebe- und Restaurationstechniken beschädigte Zähne ästhetisch ansprechend und funktionell stabil wieder aufbauen. Inzwischen können wir durch die Verbreiterung von Zähnen auch Lücken schließen – ohne Brücke oder Implantat”, erklärt der Experte. „Die bisher etablierten invasiven Behandlungsmöglichkeiten sind für viele Patienten zweifellos ein Segen. Aber wir dürfen auf diesem Stand nicht stehen bleiben.”

Auch vermeintlich gesunder Lebensstil kann Zähne schädigen

Es ist heute bei immer mehr Menschen möglich, eigene Zähne bis ins hohe Alter zu erhalten. Ob dies gelingt, ist nicht nur von der zahnärztlichen Versorgung abhängig. Während die Beschaffenheit der Zahnsubstanz Veranlagung ist, hängt ihre Gesundheit zum großen Teil von äußeren Faktoren wie Mundhygiene, Fluoridangebot, Ernährung und dem Umgang mit Genussmitteln ab. Ein Beispiel: Zahnärzte haben es heute vor allem bei jüngeren Bevölkerungsgruppen häufiger mit Säureschäden, so genannten Erosionen, an Zähnen zu tun. „Die Gründe hierfür sind neben Erkrankungen wie dem chronischen Aufsteigen von Magensäure in die Mundhöhle dem Konsum von Energy Drinks und Softgetränken zuzuschreiben. Auch reiner Orangensaft kann den Zahnschmelz angreifen”, sagt Prof. Staehle. „Von Säureschäden sind paradoxerweise häufig die Gesundheitsbewussten betroffen, die in kurzen Abständen gleichmäßig über den Tag verteilt z.B. fruchtsafthaltige und daher saure Getränke zu sich nehmen. Diese haben dann viel Zeit, einzuwirken. Dem kann man gegensteuern, indem man häufiger zu klarem Wasser oder ungesüßtem Tee greift.”

Jedes Lebensalter kann mit bestimmten Gebisserkrankungen aufwarten. Das beginnt schon bei den ganz Kleinen mit der sogenannten Saugerflaschenkaries, die gehäuft seit den 1980er Jahren auftritt. Erst seit dieser Zeit gibt es Fläschchen aus Plastik, die kleine Kinder schon bald selbst halten können und daher auch häufig in die Hand gedrückt bekommen. Der Inhalt ist meist gesüßt und der erste Zahnschaden nicht weit. Bei Kindern und Jugendlichen spielen unfallbedingte Verletzungen eine große Rolle, bei jungen Erwachsenen neben Karies zunehmend die erwähnten Säureschäden. Ab der Lebensmitte tritt vermehrt Parodontitis und bei Implantatträgern die gefürchtete Periimplantitis auf. Später macht eine spezielle Form von Karies an den Zahnwurzeln den Zähnen zu schaffen. „Auch wenn die Zähne mit zunehmenden Alter manchen Schaden abbekommen, ist es dennoch unser Ziel, sie mit geeigneten Methoden wieder aufzubauen, anstatt zu ziehen”, sagt Staehle.

Chronische Entzündung im Mund kann der Gesundheit schaden

In seinem Vortrag wird er schwerpunktmäßig aktuelle und neue Methoden der restaurativen Zahnheilkunde vorstellen, auch Möglichkeiten der Endodontologie, der dentalen Traumatologie sowie die Behandlung der Parodontitis und Periimplantitis kommen zur Sprache. Dabei wird er auch auf geeignete Vorsorgemaßnahmen eingehen. Diese reichen von Ernährungsempfehlungen über die Verwendung von Fluorid-Präparaten bis hin zur sorgfältigen Zahnreinigung z.B. mit speziellen Bürstchen für die Zahnzwischenräume. „Gerade die Behandlung einer Parodontitis und Periimplantitis, bei der sich der Knochen um die Zähne bzw. die Implantate herum auflöst, ist sehr langwierig. Hier zahlt sich die Investition in präventive und substanzschonende Maßnahmen aus”, betont Staehle.

Die Mundgesundheit hat zudem einen nicht zu vernachlässigenden Einfluss auch auf die Allgemeingesundheit. Bei Parodontitis z.B. kann die chronische Entzündung, je nach Ausmaß, zusammengenommen eine Wundfläche von der Größe einer Hand ausmachen. Diese massive Entzündung kann auf den Verlauf anderer Erkrankungen wie Herz- und Gefäßerkrankungen ungünstig einwirken. Auch Zusammenhänge mit Diabetes mellitus Typ II sind bekannt: Wird eine bestehende Parodontitis erfolgreich behandelt, lässt sich der Blutzucker häufig leichter einstellen.