Drei DKTK-Standorte

An der Studie waren drei DKTK-Standorte beteiligt. Bild: DKTK

Neuroblastome zählen zu den häufigsten Krebsarten bei Kindern. Während die Ersterkrankung heute oft gut behandelt werden kann, gibt es bei wiederkehrenden Tumoren, den Rezidiven, nur wenig Therapiemöglichkeiten. Ein Team aus Wissenschaftlern von drei Standorten des Deutschen Konsortiums für Translationale Krebsforschung (DKTK) und ihren Kollegen konnte nun in einer Studie molekulare Kennzeichen der Tumoren, sogenannte Signaturen, herausfinden, die den Tumor gegenüber den angewandten Therapien resistent werden lassen. Die Ergebnisse veröffentlichten sie gemeinsam in der Fachzeitschrift „Nature Genetics“.

Ein Grund für die Therapieresistenz der Rezidive sind oft die neuen Veränderungen der Erbinformation in diesen Tumoren im Vergleich zu den Primärtumoren – die zunächst erfolgreichen Therapien werden wirkungslos. Große Hoffnung legen Ärzte und Wissenschaftler deshalb in die Entwicklung von zielgerichteten Therapien, die genau auf die Veränderungen im Erbgut des Tumors abgestimmt sind. Dafür müssen sie wissen, welche Veränderungen in den Rezidiven neu aufgetreten sind. „Tumorgenome sind nicht stabil. Sie unterliegen dynamischen Veränderungen. Deshalb unterscheiden sich Ersterkrankungen genetisch von wiederkehrenden Tumoren“, erklärt Studienleiter PD Dr. Alexander Schramm vom DKTK-Partnerstandort Essen / Düsseldorf.

Rezidive weisen wesentlich mehr Veränderungen in der Erbinformation auf als Primärtumoren

In ihrer Studie haben die Wissenschaftler deshalb mithilfe von Next Generation Sequencing die Erbinformation der Krebszellen von 16 Patienten analysiert und auf unterschiedliche genetische Veränderungen zwischen Primärtumor und Rezidiv untersucht. Dabei fanden sie heraus, dass Rezidive wesentlich mehr Veränderungen in der Erbinformation aufweisen als Primärtumoren. „Der Tumor hat gewissermaßen gelernt, sich gegen die Behandlung zur Wehr zu setzen. Vergleichbar mit der bekannten Antibiotika-Resistenz werden dann die resistenten Tumorzellen herausselektiert, die nun ohne Konkurrenz stark wachsen können“, sagt Prof. Johannes Schulte von der Charité-Universitätsmedizin Berlin am DKTK-Partnerstandort Berlin.

„Nun haben wir erstmalig Anhaltspunkte, an welchen Stellen wir die Widerstandskraft der aggressiven Rückfalltumoren mit neuen Medikamenten angreifen können und gegen welche Strukturen auf der Oberfläche der Neuroblastome Medikamente entwickelt werden müssen“, sagt Prof. Angelika Eggert von der Charité am DKTK-Partnerstandort Berlin. An der Studie und deren Finanzierung beteiligten sich die DKTK-Standorte Berlin, Essen / Düsseldorf und Heidelberg. Förderung kam auch von der Deutschen Forschungsgemeinschaft.