Dr. Cem Bulut (links), Universitäts-HNO-Klinik Heidelberg, führt eine Endoskopie der Speicheldrüsen durch. Foto: Universitätsklinikum Heidelberg

Dr. Cem Bulut (links), Universitäts-HNO-Klinik Heidelberg, führt eine Endoskopie der Speicheldrüsen durch.
Foto: Universitätsklinikum Heidelberg

Steine in den Speicheldrüsen können starke Schmerzen und Entzündungen verursachen. Lassen sie sich nicht ausspülen oder ausmassieren, bleibt häufig nur die operative Entfernung der gesamten Drüse. Als Alternative zum chirurgischen Eingriff bietet die Universitäts-Hals-, Nasen-, Ohrenklinik Heidelberg nun ein minimal-invasives Behandlungsverfahren an: Mittels eines millimeterdünnen Endoskops, das über die Drüsengänge im Mundraum bis in eine der großen Speicheldrüsen geschoben wird, können Steine entfernt, Verengungen der Ausführgänge aufgeweitet und somit der schmerzhafte Rückstau des Speichels aufgehoben werden. Die Speicheldrüse bleibt erhalten und funktionsfähig. Anders als bei der Operation besteht kein Risiko, dass Gesichtsnerven beschädigt werden. Die Behandlung wird bisher nur an wenigen Kliniken in Deutschland angeboten.

Schmerzhafte Entzündungen durch angestauten Speichel

Bestimmte Bestandteile des Speichels dienen der körpereigenen Zahnpflege: So enthält er Kalzium und Fluorid, die den Zahnschmelz regenerieren und härten. Doch vor allem Kalzium kann in der Speicheldrüse mit anderen Substanzen – z.B. bei Flüssigkeitsmangel – zu sogenannten Speichelsteinen kristallisieren, die je nach Größe den Ausführgang blockieren. Die prall gefüllte Drüse macht sich dann besonders beim Essen mit unangenehmem Druck bemerkbar. Vermehren sich zudem noch Keime im angestauten Speichel, kommt es zu schmerzhaften und hartnäckigen Entzündungen. Auch Engstellen in den Drüsengängen können einen Sekretstau und in Folge häufig wiederkehrende Entzündungen verursachen.

Standardtherapie bei großen Steinen mit mehr als acht Millimeter Durchmesser oder zu engen Drüsengängen ist bisher oft die operative Entfernung der Speicheldrüse. Einen trockenen Mund müssen die Patienten trotzdem nicht befürchten: Die verbliebenen fünf großen Drüsen unter der Zunge, am Unterkiefer und im Bereich der Ohren erzeugen ausreichend Speichel. Allerdings besteht die Gefahr, dass bei der Operation ein Gesichtsnerv oder Nerven im Bereich des Zungenbodens verletzt werden. Die Folge, wenn auch sehr selten, können Lähmungen der Muskulatur bestimmter Gesichtsbereiche und ein beeinträchtigtes Geschmackempfinden sein.

Funktion der Speicheldrüse bleibt erhalten

“Abgesehen von den Nervenverletzungen können – wie bei jeder anderen Operation auch – in seltenen Fällen Infektionen auftreten oder Narben zurückbleiben”, erklärt Professor Dr. Peter K. Plinkert, Ärztlicher Direktor der Universitäts-HNO-Klinik Heidelberg. “Ziel sollte es daher immer sein, möglichst schonende Verfahren – wie eine Spiegelung – auszuwählen und die Speicheldrüse zu erhalten.” Ein weiteres alternatives Verfahren zur Operation ist die Ultraschall-Stoßwellentherapie (Lithotrypsie), die ebenfalls bisher nur an wenigen großen Zentren angeboten wird.

Für eine Endoskopie der Speicheldrüsen sind eine spezielle Ausrüstung und Erfahrung nötig. Der dünne und bewegliche Schlauch, der vom Mundraum aus über den Ausführgang in die Speicheldrüse vorgeschoben wird, misst gerade einmal 0,7 bis 1,8 Millimeter. Am vorderen Ende befindet sich eine Kamera, über die der Arzt den Zustand der Speicheldrüse teilweise besser als mit Ultraschall oder anderen bildgebenden Verfahren erkennen kann. Der Schlauch enthält zudem einen Kanal für Spülungen sowie einen Arbeitskanal, über den kleinste Instrumente in die Speicheldrüse eingeführt werden. So können Verengungen mit einem Ballon aufgedehnt und mittels Mini-Stent stabilisiert, Steine mit einem Fangkörbchen herausgezogen werden. Für die Zeit des Eingriffs erhalten die Patienten eine lokale Betäubung.

“Unsere Erfahrungen mit der Speicheldrüsen-Endoskopie sind sehr gut und auch das Feedback unserer Patienten ist positiv”, sagt Dr. Cem Bulut, der die Speicheldrüsen-Endoskopie zusammen mit Professor Plinkert an der Heidelberger Universitäts-HNO-Klinik vornimmt. Er erlernte das Verfahren während einer sechsmonatigen Hospitation in der Schweiz. “Wir freuen uns, dass wir unseren Patienten aus Heidelberg und Umgebung nun dieses innovative und schonende Verfahren zum Erhalt der Speicheldrüse anbieten können.” Patienten können sich in der HNO Ambulanz des Universitätsklinikums Heidelberg in der speziellen Sprechstunde für Speicheldrüsen-Erkrankungen von Dr. Cem Bulut vorstellen.

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HNO Klinik