bioresorbierbare Stents

Klein aber fein: Bioresorbierbare Scaffolds (Durchmesser: max. 3,5 mm) helfen dabei, Gefäße zu stabiliseren – nach spätestens drei Jahren sind sie verschwunden. Foto: Abbott

Manchmal reicht es aus, wenn Ärzte dem menschlichen Körper etwas Hilfestellung geben: Auch dann, wenn lebenswichtige Herzkranzgefäße verengt sind. Deshalb wurden in der Abteilung Kardiologie am Mannheimer Theresienkrankenhaus (TKH) unter Leitung von Prof. Dr. Markus Haass nun erstmals Patienten bioresorbierbare Stents (Gefäßstützen) eingesetzt. Diese so genannten Scaffolds lösen sich innerhalb von drei Jahren in der Arterie des Menschen wieder vollständig auf. Bis dahin hat der Körper genügend Zeit, selbst das Gefäß von außen zu stabilisieren und damit die Durchblutung des Herzens zu gewährleisten.

Oberarzt Dr. Simon Walter erklärt die Funktionsweise der bioresorbierbaren Gefäßstütze: „Dabei handelt es sich um kleine Drahtgeflechte auf Milchsäurebasis. Diese werden bei einer Herzkatheteruntersuchung in ein beschädigtes Gefäß gebracht, dort aufgedehnt und platziert. Anschließend beginnen die Selbstheilungskräfte des Körpers das Gefäßgewebe in dieser neuen Position wieder zu kräftigen. Ein Jahr gewährt das Implantat volle Stabilität, danach beginnt der Auflösungsprozess. Nach drei Jahren ist der Scaffold vollständig verschwunden und das Gefäß wieder in Takt“. Dabei helfen auch Medikamente, welche die Scaffolds nach der Implantation freigeben.

Nicht alle Patienten können einen Scaffold erhalten

Vor der Behandlung mit einer bioresorbierbaren Gefäßstütze sind wichtige Voruntersuchungen notwendig. Nicht alle Patienten können einen Scaffold erhalten. „Gute Erfahrungen haben wir bei Lipid-Plaques in Herzkranzgefäßen gemacht, die wir damit behandelt haben. Idealerweise ist der Patient jünger, da hier meist weniger Vorerkrankungen vorhanden und die Selbstheilungskräfte noch stärker ausgeprägt sind“, weiß Dr. Walter: „Deshalb müssen wir die Patienten für dieses Verfahren sehr genau auswählen“. Patienten mit stark verkalkten Gefäßverengungen oder Stenosen an Stellen mit Gefäßabzweigungen sind dafür nicht geeignet.

Der Eingriff im Herzkatheterlabor dauert zwischen 30 und 45 Minuten und wird mittels optischer Kohärenztomografie (OCT) überwacht. Die OCT ist ein sehr modernes, computergestütztes, bildgebendes Verfahren, bei dem in Echtzeit mikrometergenaue Einblicke in das Gefäß und die Gefäßwand möglich sind. So ist eine punktgenaue Platzierung der Stents möglich, verbunden mit einem sehr hohen Maß an Patientensicherheit. Das Verfahren wurde 2007 erstmals angewendet und bislang wurden weltweit etwa 100.000 Scaffolds eingesetzt. Nun ist dies auch am Theresienkrankenhaus möglich. Dr. Simon Walter und Dr. Michael Wurz haben sich dazu in der Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim von den Spezialisten Prof. Dr. Holger Nef und Prof. Dr. Christian Hamm weiterbilden lassen.