Streuobstwiese

Die Streuobstwiese auf der Reißinsel. Foto: Stadt Mannheim

Die Mannheimer Reißinsel ist wieder geöffnet für alle, die dort Erholung suchen. Sie ist das älteste, bekannteste und wohl auch optisch attraktivste Naturschutzgebiet der Stadt und wurde bereits 1950 unter Schutz gestellt. Der Name „Reißinsel“ geht zurück auf den früheren Eigentümer Carl Reiß, der die Insel testamentarisch der Stadt 1914 vermacht hat. In dem Testament wurde festgelegt, dass „… die Insel möglichst in dem jetzigen Zustand zu belassen und der öffentlichen, allgemeinen Benützung zu übergeben“ ist.

Seit einem Gemeinderatsbeschluss von 1990 ist die Reißinsel jährlich im Zeitraum von März bis einschließlich Juni gesperrt, um der Natur, insbesondere der Vogelwelt, die Möglichkeit zu geben, ungestört die Jungen aufzuziehen. Die natürliche Auenlandschaft der Insel wird wie in Urzeiten durch den Rhein regelmäßig überflutet und kann dadurch eine einzigartige Artenfülle entfalten. Sie steht auf der Liste der Flora-Fauna-Habitat-Gebiete (FFH-Gebiet) und besitzt damit einen hohen europaweiten Schutzstatus. 21 Hektar der Reißinsel sind als Bannwald ausgewiesen, hier unterbleibt jede Art der Nutzung. Die Forstliche Forschungs- und Versuchsanstalt Freiburg untersucht derzeit, wie sich der Auenwald ohne menschliche Einflüsse mit der Zeit urwaldähnlich entwickelt.

„Die Reißinsel ermöglicht ein außergewöhnliches Naturerlebnis und bietet eine einzigartige Vielfalt an Tieren und Pflanzen, die es unbedingt zu erhalten gilt. Die jährliche Schließung ist ein wichtiger Bestandteil unserer Strategie, um diese Vielfalt zu sichern – aber wir setzen auch darauf, dass Besucherinnen und Besucher die Regeln für dieses Schutzgebiet beachten und damit ihren Beitrag zum Erhalt der Reißinsel leisten“, betonte Mannheims Umweltbürgermeisterin Felicitas Kubala bei der offiziellen Öffnung. Zu diesen Regeln zählen u.a. das Verbot zum Verlassen der Wege und der Mitnahme von Fahrrädern oder Hunden.

Auf der Reißinsel wurden bis zu 60 verschiedene Vogelarten gezählt, darunter der Eisvogel, der Rohrsänger, der Steinkauz oder der Pirol. Auch die Pflanzenwelt kann sich in der Zeit der Schließung regenerieren und ihren einzigartigen Charakter als Auenwald entfalten. Der Wilde Wein, die Urform der heutigen Kulturrebe, war vor 200 Jahren noch in vielen naturnahen Auenwäldern entlang des Rheins heimisch. Heute findet man den Wilden Wein nur auf der Ketscher Rheininsel und auf der Reißinsel – der größten zusammenhängenden Streuobstwiese in der Oberrheinebene.