In über der Hälfte aller Lebensmittelbetriebe in Mannheim war die städtische Lebensmittelüberwachung in 2013 mindestens einmal zu Besuch. Obwohl wieder in rund 55 Prozent der besuchten Betriebe zumindest geringfügige Beanstandungen festgestellt wurden, begingen nur wenige ‚schwarze Schafe‘ schwere Verstöße.

Nur wenige schwere Hygiene-Verstöße

„In weiten Teilen der Gastronomie und des Lebensmittelhandels ist der Wettbewerb vom Preiskampf bestimmt. Mit unserer Lebensmittel-Überwachung schützen wir die Verbraucher und sichern faire Mindeststandards für alle Wettbewerber“, betonte Mannheims Erster Bürgermeister und Sicherheitsdezernent Christian Specht bei der Vorstellung der Zahlen für 2013 und ergänzte: „Unser hoher Überwachungsdruck mit wiederkehrenden Routinekontrollen trägt dazu bei, dass wir nur wenige schwere Hygiene-Verstöße verzeichnen mussten: 2013 hat die Lebensmittelüberwachung nur 12 von knapp 3.900 besuchten Betrieben zeitweise geschlossen.“

„Betriebe, die von uns wegen Hygienemängeln geschlossen werden, können nach einer intensiven Generalreinigung, die wir selbstverständlich kontrollieren, wieder öffnen“, erläuterte Peer-Kai Schellenberger, Abteilungsleiter Verbraucherschutz. „Sie werden dann aber in besonders kurzen Abständen immer wieder besucht, um zu verhindern, dass sich die alten Missstände wieder einschleichen.“

Bußgeldverfahren verharren auf hohem Niveau der Vorjahre

In 2013 wurden außerdem 16 Strafverfahren und 151 Bußgeldverfahren eingeleitet sowie 115 gebührenpflichtige Verwarnungen ausgesprochen. „Bußgeldverfahren werden bei gravierenden Mängeln und Strafverfahren bei ‚Wiederholungstätern‘ eingeleitet, wenn vorherige Hinweise und gebührenpflichtige Verwarnungen nicht fruchten“, so Specht. „Leider verharren die Bußgeldverfahren auf dem hohen Niveau der Vorjahre. Das zeigt, dass manche Betreiber unsere Mängelhinweise nicht ernst nehmen. So mussten wir leider immer häufiger Nachkontrollen durchführen und in 23 Fällen sogar Zwangsgelder verhängen, damit Missstände beseitigt wurden.“ 2012 war das nur in 17 Fällen nötig.

Grund zu Beanstandungen gab es 2013 – wie schon 2012 – wieder bei mehr als der Hälfte der Betriebskontrollen. „Die Verstöße waren zum größten Teil eher geringfügig, z.B. fehlten häufiger Hinweise auf Zusatzstoffe oder die Seifenspender waren leer“, berichtete Schellenberger. „Bei den 1.725 von uns erhobenen Proben wurden nach Analyse der Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter (CVUA) wie bereits im Vorjahr wieder 19 Prozent beanstandet.“ Auch die als ‚gesundheitsgefährdend‘ eingestuften Proben blieben auf einem niedrigen Niveau: Acht Mal kamen die Fachleute zu diesem Ergebnis – das entspricht knapp fünf Promille der genommenen Proben.

Auch in 2013 gezielt Schwerpunkte

Die Lebensmittelkontrolleure mussten auch 2013 gezielt Schwerpunkte setzen: Zwei Tage nach dem Großbrand auf der Ludwigshafener Parkinsel entnahmen sie gezielt Proben von im Ausbreitungsbereich der Rauchwolke angebautem Obst und Gemüse. Dabei wurden vom CVUA Stuttgart keine erhöhten Schadstoffkonzentrationen festgestellt. Auch der ‚Pferdefleischskandal‘ schlug sich in der Arbeit der Mannheimer Kontrolleure nieder: Wegen der Rückrufaktionen mehrerer Unternehmen führten sie 20 Betriebskontrollen durch und entnahmen 14 Proben, u.a. Lasagne, Frikadellen, Ravioli und Kohlrouladen. Pferdefleisch wurde dabei und bei weiteren Stichproben, die auch noch laufend fortgeführt werden, in Mannheim nicht gefunden.

Im Juli diesen Jahres befassten sich die Kontrolleure besonders intensiv mit der Hygiene von Bier-Zapfanlagen, wie die Leiterin des Teams mit derzeit 10 Lebensmittelkontrolleuren, Sissi Denefleh, berichtete. Bei einer Schwerpunktkontrolle wurden 21 Gastronomiebetriebe besucht. Dabei mussten in 12 Betrieben die Zapfanlagen beanstandet werden – etwa weil die Schläuche nicht ausreichend gereinigt waren oder sich Ablagerungen in Zapfhähnen oder Bierfass-Anschlüssen gebildet hatten. In zwei Fällen fanden sich sogar Keime im Bier – allerdings nicht in gesundheitsgefährdenden Konzentrationen. Wegen unzureichender Reinigung der Schankanlagen müssen nun sieben Gastwirte mit einem Bußgeldverfahren rechnen.

Weiterer Schwerpunkt: korrekte Preisangaben

Um die Wettbewerbsgleichheit in Mannheim zu sichern, legten die städtischen Kontrolleure einen weiteren Schwerpunkt auf korrekte Preisangaben: Von 27 überprüften Betrieben in der Innenstadt hatten 23 ihre Waren im Schaufenster oder im Verkaufsraum nicht ordnungsgemäß mit Preisen ausgezeichnet. Daher mussten 13 Betriebe gebührenpflichtig verwarnt werden, außerdem wurden zwei Händler angezeigt. „Wegen der hohen Verstoßquote werden wir zukünftig ein besonderes Augenmerk auf die Preisauszeichnung haben“, so Specht.