Tenholt und Kennel

Chefarzt Dr. Matthias Heinrich Tenholt (li.) und Oberarzt Dr. Stefan Kennel. Foto: Theresienkrankenhaus

Häufig sind Frauen im mittleren Alter davon betroffen: Krampfadern und Besenreiser an den Beinen. Die meisten Menschen wünschen sich, diese unschönen Adern wieder loszuwerden. Am Mannheimer Theresienkrankenhaus haben Oberarzt Dr. Stefan Kennel, sein Chefarzt Dr. Matthias Heinrich Tenholt und Kollegen aus der Gefäßchirurgie damit begonnen, Krampfadern mit Absicht herbeizuführen. Denn was nach außen vielleicht unattraktiv wirkt, kann als Heilmittel gegen einen arteriellen Verschluss dienen.

Die Idee, die dahinter steckt, ist einfach: „Wenn ein Patient an der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit, umgangssprachlich Schaufensterkrankheit genannt, leidet, setzen wir oft einen Bypass, also eine Überbrückung der Engstelle. Diese kann aus Kunststoff oder aber ein Blutgefäß sein, das dem Patienten an anderer Stelle entnommen wird – zum Beispiel eine bestimmte Beinvene“, erklärt Dr. Kennel. Die Venen sind jedoch häufig zu schmal, so dass zu wenig Blut durch den Bypass fließen würde. Am Theresienkrankenhaus haben die Gefäßchirurgen nun eine Technik entwickelt, eine Vene zu vergrößern, indem man die Venenklappen schonend beseitigt. „Krampfadern entstehen durch Defekte an den Venenklappen. Dadurch fließt das Blut zurück in einen bereits passierten Gefäßabschnitt und sammelt sich dort an. Die Ader weitet sich und wird nach außen hin sichtbar“, so der Gefäßchirurg. Deshalb kamen Dr. Tenholt und sein Team auf die Idee, die Entstehung der verpönten Varizen zu forcieren, denn so entstehen Gefäße, die perfekt als Implantat für eine Bypass-Operation geeignet sind.

Um Varizen herzustellen, haben Dr. Kennel und Dr. Tenholt ein Gerät entwickelt, mit dem man Venenklappen auf einer bestimmten Länge durchstoßen kann. Durch den Einsatz dieses Klappen-Dissektors entstehen für den Patienten schmerzfrei in der Folge erweiterte Venen, die in der Operation an der Beinarterie als Bypass eingesetzt werden. „Dieses Verfahren eignet sich für Patienten, die an der Schaufensterkrankheit leiden, deren Zustand aber nicht kritisch und eine Operation nicht dringlich ist. Wenn sie dann keine geeignete Vene haben, können wir mit diesem Verfahren ein annähernd perfektes Implantat herstellen“, so der Mediziner, der für diese Methode noch weitere Einsatzmöglichkeiten sieht: „Diese erweiterten Venen können wir künftig sicherlich auch am Herzen verwenden, wenn Stenosen die Herzkranzgefäße geschädigt haben.“

Seit 2006 hat die gefäßchirurgische Abteilung des TKH mehr als 30 Patienten mit diesem Verfahren erfolgreich behandelt. Mittlerweile haben die Gefäßspezialisten ihr System weiter verfeinert und den Dissektor international patentieren lassen. Derzeit wird zusätzlich eine amerikanische Patentierung angestrebt.