„Wir wollen eine der modernsten Stadtverwaltungen Deutschlands werden“ – mit diesem Anspruch startete die Mannheimer Stadtverwaltung 2008 ihren Verwaltungsmodernisierungsprozess „Change2“. Mit dem Abschlussbericht und der Evaluation durch das Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung Speyer (FÖV), die am 21. Januar 2014 dem Hauptausschuss vorgestellt wurden, wirft die Verwaltung einen prüfenden Blick auf die vergangenen sechs Jahre. „An vielen Stellen zeigt sich bereits die positive Wirkung, sowohl in der Verwaltung als auch in der Stadt“, ist Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz überzeugt. „Change hat einen Paradigmenwechsel eingeleitet. Durch die Arbeit mit Zielen und die Messung von Wirkung ist unser Handeln deutlich effektiver geworden.“ Das merken die Bürger ganz konkret. Und so ist laut Urban Audit 2013, dem europäischen Städtevergleich der EU, die Zufriedenheit der Bürger um 3 Prozent gestiegen, 94 Prozent leben gerne in Mannheim.

Und das bestätigt auch die wirtschaftliche Entwicklung: In Folge der wirtschaftspolitischen Strategie, die im Rahmen des Reformprozesses erarbeitet wurde, ist die Zahl der Unternehmen auf derzeit 8.400 gestiegen. Jüngstes Beispiel für die erfolgreiche Neuausrichtung und bessere Vernetzung der Wirtschaftsunternehmen ist der geplante Bau des Gründungs- und Entwicklungszentrums für Medizintechnologie. Eine weitere positive Wirkung, von der die Bürger direkt profitieren: die bürgerschaftliche Beteiligung wurde gestärkt, und die Transparenz des Verwaltungshandelns erhöht. Als Beispiel seien hier die bürgerschaftlichen Planungsgruppen zur Bundesgartenschau (BUGA) oder der Beteiligungsprozess zur Stadtbahn Nord genannt. „Noch nie haben wir die Bürger in einer so frühen Planungsphase eingebunden, und die Vorschläge der Bürgerschaft fließen ganz konkret in die Planungen der Projekte“, erläutert der Oberbürgermeister.

Der Change2-Prozess hat insgesamt einen tiefgreifenden Organisations- und Kulturwandel eingeleitet: nachhaltige Stadtentwicklung ist in den Fokus des Handelns gerückt und die Wirkung des Handelns wird ständig überprüft. Das gilt auch und vor allem für die Bewirtschaftung des städtischen Haushalts. 1,2 Milliarden Euro sind jährlich nachhaltig und wirkungsvoll zu verwalten. „Die 10,5 Millionen, die der Verwaltungsumbau in den sechs Jahren insgesamt gekostet hat, sind dafür gut investiertes Geld“ so Kurz.

Dem Ziel, eine der modernsten Stadtverwaltungen Deutschlands zu werden, ist Mannheim einen großen Schritt näher gekommen. Diese Einschätzung wird auch von außen geteilt: 2013 erhielt die Stadtverwaltung den „Deutschen Nachhaltigkeitspreis“ in der Kategorie „Governance und Verwaltung“ und wurde vom European Institute of Public Management (EIPA) neben Bilbao, Trondheim u.a. Städten als exemplarisch für die Verwaltungsmodernisierung ausgewählt. Bereits 2011 war man im europäischen Vergleich beim „European Public Service Award“ ausgezeichnet worden. „Die nationale und internationale Anerkennung bestärkt uns darin, mit dem Change2-Prozess viel erreicht zu haben“, so der Oberbürgermeister.

In den nächsten Jahren soll der Reformprozess unter dem Motto „Gemeinsam mehr bewirken“ noch tiefer in der Stadtverwaltung verankert, Kommunikation und Zusammenarbeit verbessert werden. „Während man Prozesse relativ zügig umstellen kann, ist eine Kulturveränderung schwerer zu erreichen“, stellt Kurz klar. „Mehr als ein guter Anfang ist gemacht. Der Evaluationsbericht bestätigt, dass wir unsere selbstgestellten Ziele bisher nahezu alle erreicht haben. Wir sind unserem selbst gestellten Anspruch, eine der modernsten Stadtverwaltungen Deutschlands zu werden, gerecht geworden.“ Keine andere Verwaltung Deutschlands handle derart stringent nach Zielen, und überprüfe ständig deren Wirkung. Nun gelte es, das Erreichte dauerhaft in der Stadtverwaltung zu verankern. Deshalb liege der Schwerpunkt der nächsten Jahre im Organisations- und Kulturwandel.