Streuobstwiese Mannheim

Führung über die Streuobstwiese der Reißinsel. Foto: Stadt Mannheim

Alte regionale Apfelsorten, Birnen, Kirschen und Zwetschgen – Mannheims ältestes Naturschutzgebiet, die Reißinsel im Waldpark, ist die größte zusammenhängende Streuobstwiese der Oberrheinebene. Doch nur wenige Mannheimer kennen die regionalen Bioprodukte, die auf der Streuobstwiese geerntet werden. Deshalb nutzten am Samstag erneut rund 20 interessierte Bürger die Chance, bei der jährlichen Führung über die Streuobstwiese auf der Reißinsel die Vielfalt alter Apfelsorten zu entdecken und zu verköstigen. Gemeinsam mit dem Naturschutzteam der Stadt Mannheim erkundeten sie das idyllische Stück Grün mitten in Mannheim und erfuhren dabei allerlei Wissenswertes über die Geschichte sowie Flora und Fauna des Naturschutzgebiets.

Die Reißinsel ist zugleich Naturschutzgebiet, Vogelschutzgebiet und eben ein Refugium heimischer Obstsorten. Diese werden hier gehegt und gepflegt – obwohl: Genau das eben nicht: „Wir haben ein Bio-Zertifikat, das wir am besten erfüllen, weil wir nichts machen“, erklärte Biologe Thomas Kilian vom Fachbereich Grünflächen und Umwelt. „Die Bäume dürfen hier auch alt werden und absterben. Ersetzt werden sie erst, wenn sie umgefallen sind.“ Und das nicht immer Sorte für Sorte: „Es gibt hier auch einige sogenannte Supermarktsorten. Wenn die abgestorben sind, werden sie durch regionale Sorten ersetzt.“ Er rückte außerdem die Geschichte der Wiese gerade, die im Jahr 1949 auf Geheiß des damaligen Oberbürgermeisters Fritz Cahn-Garnier angelegt worden sein soll: „Ich habe hier ein Luftbild der Amerikaner aus dem Jahr 1958, aber Bäume stehen da auf der Insel kaum.“ Die Obstbäume müssen also später gepflanzt worden sein, was auch erkläre, warum Sorten wie Golden Delicious oder Boskoop vertreten sind.

Im besonderen Teil des Waldparks sind bis zu 3.000 Tierarten zuhause

Das Obst werde geerntet und die Bäume geschnitten – ansonsten bleibt die Wiese das Jahr über sich selbst überlassen. Die Apfelernte der rund 40 verschiedenen Sorten werde an eine Bio-Kelterei verkauft. Birnen, Zwetschgen und Kirschen werden nicht wirtschaftlich genutzt. Mit dem Erlös werde der Baumschnitt durch eine Fachfirma finanziert. Nur in sehr guten Jahren mit einer Ernte von rund zehn Tonnen werden die Kosten gedeckt, informierte der Biologe an der Schautafel direkt an der Kuckucksinsel, wo gleichermaßen die Geschichte der Wiese, aber auch ihre Bedeutung als Vorratskammer und Lebensraum dargestellt werden. Immerhin sind hier im besonderen Teil des Waldparks bis zu 3.000 Tierarten (Kleinsäuger, Vögel, Spinnen und Insekten) unweit von Innenstadt und Industrie zuhause. Zudem ist die Reißinsel Kinderstube für Fledermäuse, Hornissen und viele Schmetterlingsarten. Diese sind im Herbst längst ausgeflogen. Dafür warten Mitte Oktober noch die letzten Apfelsorten auf die Ernte. Leckere Sorten, wie die Gäste bei der abschließenden Verkostung erfuhren.