Der Leiter der Sektion Endokrinologie an der V. Medizinischen Klinik der Universitätsmedizin Mannheim, Prof. Dr. Hans-Peter Hammes, hat von der Europäischen Stiftung zum Studium des Diabetes eine Förderung in Höhe von 100.000 Euro eingeworben. Die Mittel dienen dazu, ein Projekt der Grundlagenforschung zur diabetischen Augenkrankheit (Retinopathie), einer der häufigsten Folgeerkrankungen des Diabetes mellitus, über einen Zeitraum von zwei Jahren zu unterstützen. Der eingeworbene Preis ist Teil eines europäischen Forschungsprogramms, das sich mit den schädlichen Auswirkungen der Zuckerkrankheit auf die kleinsten Blutgefäße befasst, welches die Europäische Stiftung zum Studium des Diabetes gemeinsam mit dem Pharmaunternehmen Novartis fördert.

Pathologische Veränderungen der Gefäße in der Netzhaut (Retina), also dem Nervengewebe, das das Innere des Auges auskleidet, sind Folge des chronisch erhöhten Blutzuckers beim Diabetes mellitus. Etwa ein Drittel der Diabetes-Patienten in Deutschland leidet an einer diabetischen Retinopathie, viele sind von Erblindung bedroht. Das Mannheimer Projekt widmet sich konkret der Fragestellung, inwieweit Zellen, die eine Rolle bei der Immunüberwachung spielen – so genannte Mikroglia – an der Schädigung der kleinsten Blutgefäße der Netzhaut beteiligt sind.

Das fein abgestimmte Zusammenspiel von Blutgefäßen und Nervenzellen in Gehirn und Netzhaut ist für die Aufrechterhaltung der Funktion des Auges von grundlegender Bedeutung. Dass dabei auch Zellen im Fokus stehen, die an der Immunüberwachung teilnehmen, ist eine neue Entwicklung. Lange Zeit hatte man die Mikroglia in diesem Zusammenhang wenig beachtet. Die Sehschicht des Auges ist normalerweise vor dem Zugriff von Immunzellen geschützt. Unter bestimmten Bedingungen greifen aber diese Immunzellen ein, beispielsweise um übermäßigen Zellmüll wegzuräumen. Es scheint, dass es bei diesen Aufräumarbeiten „versehentlich“ zu einer Schädigung der Umgebung kommen kann. In geeigneten Modellsystemen soll nun untersucht werden, inwieweit diese Immunzellen an Krankheitsprozessen wie der diabetischen Retinopathie teilhaben und welche Moleküle dabei eine Rolle spielen.

Von einem besseren Verständnis der Abläufe, die durch diese Immunzellen beeinflusst werden, verspricht man sich auch einen Schritt hin zu neuen Therapieansätzen, die über die üblichen Maßnahmen bei einer Zuckerkrankheit hinausgehen. Die diabetische Retinopathie ist ein wichtiger Forschungsschwerpunkt der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg. Davon kündet z.B. ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördertes Graduiertenkolleg, DIAMICOM (Diabetic Microvascular Complications), das im November 2012 von der DFG genehmigt und im Januar 2013 hier eingerichtet wurde. Dieses widmet sich speziell der Forschung zu den Schädigungen und deren Entstehungsmechanismen, die der Diabetes in den kleinen Blutgefäßen anrichtet, und sorgt gleichzeitig für wissenschaftlichen Nachwuchs, dessen ganzer Ehrgeiz dieser speziellen Thematik gilt.

European Foundation for the Study of Diabetes

Die European Foundation for the Study of Diabetes (EFDS) ist 1999 von der European Association for the Study of Diabetes (EASD) gegründet worden, um die Diabetesforschung in Europa zu fördern. Die EFDS unterstützt die Diabetesforschung durch eine Vielfalt von Förderinitiativen, z.T. gemeinsam mit Partnern.

European Research Programme in Microvascular Complications of Diabetes

Das European Research Programme in Microvascular Complications of Diabetes ist ein gemeinsames Förderprogramm von EFDS und dem Pharmaunternehmen Novartis. Ziel ist es, durch eine bessere Kenntnis der Zusammenhänge dieser Erkrankung wirkungsvolle Medikamente für Diabetes-Patienten entwickeln zu können.