Fair macht Schule

Aktionstage thematisierten Nachhaltigkeit im Unterricht. Foto: Stadt Mannheim

„Wie fair kauft unsere Stadt?“ Diese Frage haben Schüler der Friedrich-List-Schule Mannheim mit Bildungsbürgermeisterin Dr. Ulrike Freundlieb diskutiert. Das Gespräch war Teil der Aktionstage „Fair macht Schule!“, die der Dachverband Entwicklungspolitik Baden-Württemberg (DEAB) landesweit für Schulen anbietet.

Welche Produkte kauft eine Stadt überhaupt ein? Und wie kann eine Kommune dabei auf Nachhaltigkeit achten? Mit großem Interesse begegneten die Oberstufen-Schülerinnen und -Schüler der Bürgermeisterin, die gerne der Hauptzielgruppe ihres Wirkens Rede und Antwort stand. „In Mannheim haben wir bereits seit 2008 einen Gemeinderatsbeschluss, der die Beschaffung von Waren an die Kernarbeitsnormen der International Labour Organisation (ILO) bindet“, erklärte Dr. Freundlieb, „diese wurden auch in die städtische Vergabeordnung aufgenommen“. Die ILO-Kernarbeitsnormen gewährleisten soziale Standards zum Schutz der Arbeitnehmer wie etwa Vereinigungsfreiheit und Recht auf Kollektivverhandlungen oder Verbot von Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf. Zugleich leisten sie einen Beitrag zur Beseitigung von Zwangsarbeit und der Abschaffung von ausbeuterischer Kinderarbeit.

Globale Zusammenhänge und persönliche Verantwortung

Globale Zusammenhänge unseres Konsumverhaltens erkennen, Ideen zu Handlungsmöglichkeiten für weltweite Fairness entwickeln, aktiv werden für Fairen Handel und gegen Kinderarbeit: Immer mehr Schulen engagieren sich im Globalen Lernen, um ihrer Schülerschaft Kompetenzen für eine zukunftsfähige Weltgesellschaft zu vermitteln. So auch die Friedrich-List-Schule Mannheim: An den beiden Aktionstagen „Fair macht Schule!“ beschäftigten sich die Schüler der 12. Klasse intensiv mit Themen rund um nachhaltigen Konsum und Fairen Handel.

„Die Stadt hat sich selbst dazu verpflichtet, bei der Beschaffung von Materialien oder Dienstleistungen etwa bei Bauleistungen, auf Nachhaltigkeit, Umweltverträglichkeit wie auch die Arbeitsbedingungen im Produktionsland zu achten, und hat dies auch in ihrer Vergabeordnung als Kriterium aufgenommen“, ging die Dezernentin auf die zahlreichen Fragen der Schüler ein. Sei es nun bei Arbeitskleidung, Baumaterial oder Holzartikel, der Zentrale Einkauf überprüft dabei stichprobenweise selbst die Herstellungs- und Produktionswege.

Begleitet von einer geschulten Referentin des DEAB, wurden die Schüler im Rahmen der Aktionstage auch selbst aktiv und befassten sich u.a. mit der Beschaffungspraxis ihrer Stadt. Denn gerade Kommunen können hinsichtlich eines nachhaltigen Einkaufsverhaltens eine Vorbildrolle einnehmen und von ihren Lieferanten menschenwürdige Arbeitsbedingungen entlang der globalen Lieferkette einfordern. Sie beschaffen jedes Jahr eine Vielzahl von Produkten wie Kaffee, Textilien, Natursteine oder IT-Geräte. „Unsere Auftragnehmer müssen sich vertraglich verpflichten, soziale und ökologische Standards einzuhalten“, erläuterte Dr. Freundlieb. „So wurde etwa beim Umbau des Herschelbades vereinbart, dass die verwendeten Natursteine ausschließlich aus einem Steinbruch kommen, in dem soziale Mindestbedingungen herrschen“, nannte die Bürgermeisterin konkrete Beispiele.

Vieles konnten die Schüler aus der lebhaften Diskussion mitnehmen. Von globalen Zusammenhängen wurde die Brücke zu den Möglichkeiten einer Kommune, der Vergabepraxis ihrer Heimatstadt und nicht zuletzt auch zur Verantwortung jedes einzelnen geschlagen.

Weitere Informationen zu den Aktionstagen:
www.fair-macht-schule.de