Das Saatgutmonitoring der Bundesländer belegt: Die gentechnische Verunreinigung von Mais-Saatgut nimmt seit Jahren ab. Zu diesem Ergebnis kommen Greenpeace und Bioland, die die staatlichen Untersuchungen ausgewertet haben. Von 521 Proben waren in 2016 nur noch drei verunreinigt. Das entspricht einem Anteil von 0,6 Prozent. In 2015 waren 1,3 Prozent verunreinigt, 2011 sogar fast sieben Prozent.

Bioland und Greenpeace: „Neue Gentechnikverfahren gefährden positive Entwicklung“

Die Verbände begrüßen diese Entwicklung, warnen aber vor der Gefahr durch neue Gentechnikverfahren wie CRISPR/Cas. Über die Regulierung neuer gentechnischer Verfahren, die das Erbgut präziser verändern sollen als die klassischen gentechnischen Methoden, werde in der EU derzeit diskutiert. Veränderungen des Genoms durch CRISPR/Cas ließen sich in der Pflanze nicht immer als Gentechnik nachweisen. „Züchtungsunternehmen wollen damit Gesetze umgehen, nach denen gentechnisch veränderte Produkte gekennzeichnet, auf ihre Sicherheit geprüft und ihre Rückverfolgbarkeit in der Produktionskette garantiert werden müssen“, so Bioland. „Die Verbraucher wollen gentechnikfreie Lebensmittel. CRISPR/Cas ist eindeutig als Gentechnik einzustufen und gemäß dem Vorsorgeprinzip auch als solche zu kennzeichnen und zu behandeln. Nur die konsequente Risikoprüfung und Kennzeichnung bietet Landwirten und Verbrauchern echte Wahlfreiheit“, sagt Jan Plagge, Präsident von Bioland.

„Auch die neuen Verfahren der Gentechnik bergen unkalkulierbare Risiken“, sagt Dirk Zimmermann, Gentechnikexperte von Greenpeace. Studien belegten, dass die neuen Methoden keineswegs so gezielt wirkten, wie behauptet. Bei ihnen würden ebenfalls ungewollte Effekte und nicht vorhergesehene Veränderungen im Erbgut auftreten. „Wir fordern die EU auf, auch das Saatgut der Gentechnik-Regulierung zu unterwerfen, das durch CRISPR/Cas und andere neue gentechnische Methoden verändert wird. Sonst stehen die Erfolge beim Saatgut auf dem Spiel, das weitgehend frei ist von Verunreinigungen mit Gentechnik“, so Zimmermann. Zudem könnten auch diese auf neuem Weg manipulierten Organismen nicht wieder aus der Umwelt zurückgeholt werden. „Sie landen unweigerlich auf unseren Tellern. Bisher werden in der EU weder mit neuen Gentechnikverfahren entwickelte Pflanzen angebaut, noch finden sich entsprechende Produkte im Handel”, teilt Bioland mit.

Gentechnisch verunreinigtes Saatgut in drei Bundesländern

Die mit gentechnisch verändertem Mais-Saatgut verunreinigten Chargen wurden in Baden-Württemberg, Niedersachsen und Brandenburg gefunden. Eine Übersicht mit Angaben zu Herstellern, Sorten, Herkunftsländern und den gefundenen gentechnischen Verunreinigungen veröffentlichen Bioland und Greenpeace seit 2008 auf ihren Internetseiten.

Weitere Informationen:
www.greenpeace.de/Maissaatgut2016