„Die Kunst, gesund zu sein” ist das jährliche Motto, unter dem die Städte Ludwigshafen, Speyer, Frankenthal und der Rhein-Pfalz-Kreis seit über 15 Jahren rund um das Thema Seelische Gesundheit informieren. Am Samstag, 9. April 2016, stellt ein Fachtag in der Kreisverwaltung des Rhein-Pfalz-Kreises (Europaplatz 5) in Ludwigshafen das Recovery-Konzept thematisch in den Mittelpunkt.

Recovery-Reise

Während Psychiatrie früher traditionell eher darauf ausgerichtet war, Probleme, Krankheiten und Defizite zu erfassen und zu behandeln, werden in der heutigen Psychiatrie die persönlichen Erfahrungen psychisch kranker Menschen zunehmend stärker in den Blick genommen. Hierbei geht es um die Erfahrungen, die Erkrankte auf ihrem Genesungsweg, ihrer „Recovery-Reise”, machen und die ihren Behandlungs- und Genesungsprozess positiv beeinflussen. Das Konzept steht für das Gesundheitspotenzial, das jeder Mensch in sich trägt und das individuell dabei helfen kann, eine psychische Erkrankung erfolgreich zu bewältigen, um trotz der Erkrankung wieder ein zufriedenes Leben führen zu können.

Es zeigt außerdem auf, dass die betroffenen Menschen, die ihre psychische Erkrankung zunächst als sehr einschneidende Phase erlebt haben, wieder Hoffnung und Zuversicht zurückgewinnen können. Ein wesentliches Ziel von Recovery ist es, diese Hoffnung und Zuversicht in den Mittelpunkt des Genesungsprozesses zu bringen. Prof. Dr. Michael Schulz, Studiengangsleiter für den Studiengang Psychiatrische Pflege an der FH der Diakonie in Bielefeld wird in einem Vortrag auf das Recovery-Konzept als konzeptueller Rahmen für psychosoziale Hilfe eingehen.

Fachtag greift auch das EX-IN-Programm auf

Des Weiteren greift der Fachtag das EX-IN-Programm auf, bei dem die Leitlinien des Recovery-Konzeptes einen besonderen Stellenwert einnehmen. Kornelia Birkemeyer, Genesungsbegleiterin und Trainerin im Rahmen der EX-IN-Ausbildung stellt in einem Vortrag die EX-IN-Prinzipien und mögliche Tätigkeitsfelder vor. Stephan Lincks, Pflegerischer Fachbereichsleiter beim Pfalzklinikum für Psychiatrie und Neurologie (Klingenmünster), und Thomas Dech, Regionalleiter des Psychiatrieverbunds Nordwestpfalz, stellen in einem Vortrag die Erfahrungen aus dem operativen Geschäft des Pfalzklinikums vor. Im Anschluss hält Karin Römer, die erfolgreich die EX-IN-Ausbildung absolviert hat und bereits am Pfalzklinikum als Genesungsbegleiterin arbeitet, einen Recovery-Vortrag mit dem Titel: „Hörst Du was? – Was, Du hörst was?” Dabei berichtet Römer eindrucksvoll von ihren eigenen Erlebnissen mit ihrer Erkrankung und wie sie gelernt hat, damit umzugehen.

Ziel des Fachtages ist es, Menschen zu Wort kommen zu lassen, die in unterschiedlichen Kontexten mit diesem Konzept befasst sind: Profis und Psychiatrieerfahrene als Experten in eigener Sache. Darüber hinaus werden in einem vielfältigen und abwechslungsreichen Tagesprogramm die Angebote und Leistungen für psychisch kranke Menschen in der Region vorgestellt. Unterschiedliche Einrichtungen und Dienste der psychiatrischen Versorgung sowie Selbsthilfeorganisationen präsentieren mit Vorträgen und Infoständen ihr Leistungsspektrum im Rahmen der gemeindenahen Psychiatrie.

Der Eintritt zum Fachtag ist frei

Als besonderen Höhepunkt unterhält die Theatergruppe des parodistischen Habba-Theaters Heidelberg die Besucher, indem sie in ihrem aktuellen Theaterstück mit dem Titel „Wer gesund sein will, muss leiden” das Thema Psychiatrie von der humorvollen Seite aufgreift. Der Eintritt zum Fachtag ist frei.

Weitere Informationen:
www.woche-der-seelischen-gesundheit.de