Über die Ursache des Großbrands am vergangenen Wochenende in Ludwigshafen gibt es bislang keine neuen Erkenntnisse. Bundes- und Landeskriminalamt werden heute, 25. Juni 2013, mit ihren Ermittlungen vor Ort beginnen. Nähere Untersuchungen des Rußes ergaben keine gesundheitsgefährdenden Werte. Dennoch soll der Kontakt mit Rußpartikeln möglichst vermieden werden.

Die Feuerwehr Mannheim hat beim aktuellen Großbrand ihre enge Zusammenarbeit mit den Ludwigshafener Kollegen fortgesetzt: „Die Zusammenarbeit in der Metropolregion hat bei dem aktuellen Großbrand gut funktioniert. Mit vereinten Kräften konnten wir eine Ausdehnung des Feuers vermeiden und die notwendigen Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung treffen“, berichtet der Mannheimer Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz, der sich während des Feuers ständig über die aktuelle Lage informieren ließ. Der Koordinierungsstab der Stadt Mannheim hat unter Leitung des Ersten Bürgermeisters Christian Specht die Maßnahmen von Feuerwehr, Polizei, Rettungsdiensten und der städtischen Fachbereiche Sicherheit und Ordnung sowie Gesundheit aufeinander abgestimmt. Der Verwaltungsstab musste nicht einberufen werden. Sowohl Kurz als auch Specht bedankten sich bei allen Rettungskräften für ihre hervorragende Leistung.

„Der Brand in Ludwigshafen war für uns ein Ländergrenzen überschreitender Einsatz“, sagte Specht am 24. Juni in Ludwigshafen: „Wir haben ihn aber dank des engen Schulterschlusses der Rettungsorganisationen in der Metropolregion bekämpft, als ob er in einem gemeinsamen Stadtgebiet ausgebrochen wäre.“ Die Mannheimer Feuerwehren unterstützten die Löscharbeiten mit Einsatzkräften und Spezialmaterial. Dabei rückte das Feuerlöschboot ‚Metropolregion‘ zu seinem ersten ländergrenzüberschreitenden Großeinsatz aus. Hinzu kamen aus Mannheim u.a. ein Einsatzleitwagen mit dem B-Dienst der Berufsfeuerwehr Mannheim, der Abrollbehälter ‚Großbrand‘, ein Kranwagen, das Mehrzweckboot sowie das ‚Holland Fire System‘, das rund 8.000 Liter Wasser pro Minute fördern kann. Die Freiwilligen Feuerwehren im Mannheimer Stadtgebiet waren im Dauereinsatz: Über 70 Einsatzkräfte aus der Innenstadt sowie aus Neckarau, Wallstadt, Feudenheim, Friedrichsfeld und Mannheim-Nord waren am Brandort, führten Messungen im Mannheimer Stadtgebiet durch, organisierten die Dekontamination der Einsatzkräfte und besetzten Feuerwachen. Darüber hinaus wurde die Landes-Schaumreserve in Pforzheim mobilisiert, die jedoch nicht zum Einsatz kommen musste.

Die Feuerwehren Mannheim und Ludwigshafen hatten während des Brandes die Luftqualität mit insgesamt sechs ABC-Erkundungsfahrzeugen sowie einem Messfahrzeug der Feuerwehr Neustadt und einem Gaschromatographie-System überwacht. Darüber hinaus kam ein Fernerkundungsgerät der Feuerwehr Mannheim zum Einsatz, das Luft-Schadstoffe bereits aus größeren Distanzen messen kann. Dabei lagen die Messwerte unter den Grenzwerten für Arbeitsplätze.

Detaillierte Analysen der BASF bestätigten die ersten Untersuchungen der über Mannheim und Ludwigshafen gefundenen Rußflocken durch die Feuerwehren: Nur in unmittelbarer Nähe des Brandherds waren polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) nachzuweisen, die bei jedem Verbrennungsvorgang entstehen. Die gemessenen Werte lagen unter den für Lebensmitteln geltenden Grenzwerten. In Proben aus Bereichen, in denen es Rußniederschlag gegeben hat, blieben die PAK sogar unter der Nachweisgrenze. Das ist nach Auskunft der Feuerwehr vor allem auf den sehr heißen Verbrennungsprozess in diesem Brandfall zurückzuführen.

Dennoch nehmen derzeit Lebensmittelkontrolleure vom städtischen Fachbereich Sicherheit und Ordnung Proben von in Mannheim angebautem Obst und Gemüse. So sollen Gesundheitsgefährdungen ausgeschlossen werden. Die Proben werden beim Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart untersucht. Bis die Ergebnisse vorliegen gilt die Empfehlung, Obst und Gemüse, das mit Ruß in Kontakt gekommen ist, gründlich zu waschen oder zu schälen. Noch am späten Sonntagabend hatte die Mannheimer Feuerwehr der Lebensmittelüberwachung Daten zur Ausbreitung der Rauchwolke übermittelt, so dass sich die Kontrollmaßnahmen zielgerichtet auf diese Bereiche konzentrieren.

Da Ruß ein Stoffgemisch aus zahlreichen Bestandteilen ist, die auch gesundheitsschädlich sein können, soll Kontakt mit den Rußflocken – wie auch mit üblichem Haushaltsruß aus Grills oder Öfen – vermieden werden. Der Ruß kann von der Haut mit Wasser und Seife abgewaschen werden, für Kleidung oder andere Gegenstände genügt das übliche Wasch- bzw. Reinigungsmittel. Autos können in einer normalen Autowaschanlage gereinigt werden. Die Stadt Mannheim prüft alle Spielplätze, die unter der Rauchwolke gelegen haben, auf Rußablagerungen und säubert diese gegebenenfalls.

Die staatlichen Hafenbetriebe Ludwigshafen, die Eigentümer der abgebrannten Lagerhalle sind, haben seit heute, 25. Juni (8.00 Uhr), eine Info-Hotline eingerichtet. Unter:

Telefon 06 21/5 98 41 34 oder
franz.reindl@hafen-rlp.de

können Fragen zu Schäden und Reinigung geklärt werden.