Natürlich freut man sich im Zoo Landau über jedes gesunde Jungtier. Besonders erfreulich ist ein Zuchterfolg aber zudem, wenn es sich um eine in der Wildbahn bedrohte Tierart handelt, deren langfristiges Überleben unter Umständen in den Händen moderner zoologischer Gärten liegt. So könnte es im Fall des jüngsten Nachwuchses im Zoo Landau, bei einem südamerikanischen Braunkopf-Klammeraffen, der am 24. Juli 2014 zur Welt gekommen ist, der Fall sein. Diese Art ist in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet in Kolumbien und Panama massiv durch die Vernichtung ihres Lebensraums, des Regenwaldes, und durch Bejagung durch den Menschen bedroht. Die Weltnaturschutzunion (IUCN) hat einen Rückgang des natürlichen Lebensraums um über 30 Prozent allein in den letzten 10 Jahren festgestellt, die Populationszahlen haben in den letzten 45 Jahren um 80 Prozent abgenommen.

Diese Zahlen sind alarmierend, was die Einstufung auf der Roten Liste in der höchsten Gefährdungskategorie „Critically Endangered“ (vom Aussterben bedroht) rechtfertigt. Seit 1995 besteht ein Europäisches Erhaltungszuchtprogramm (EEP) für den Braunkopf-Klammeraffen. In solchen Zuchtprogrammen, die die Europäische Zoo- und Aquarienvereinigung (EAZA) ins Leben gerufen hat, werden die Zuchtbemühungen in den europäischen Zoos koordiniert, um Inzucht zu vermeiden und langfristig eine gesunde und genetisch vielfältige Zoopopulation zu erhalten. „Denn wenn der Raubbau an unserer Natur so weitergeht, werden Zoos für viele Tierarten, zumindest vorübergehend, die letzten sicheren Lebensräume sein“, sagt Landaus Zoodirektor Dr. Jens-Ove Heckel. Das weibliche Jungtier des Zoo Landau, das fest an Mutters Bauch geklammert die Zoobesucher mit großen Augen anschaut, trägt, wie alle Zootiere, auch die Botschaft über die Bedrohung seiner Artgenossen in der Wildbahn an uns Menschen heran.