Maschinenspuren Wald

Foto: Greenpeace Mannheim-Heidelberg

Um auf die Bedrohung des Viernheimer-Lampertheimer Waldes als Naherholungsgebiet und als europäisches Schutzgebiet aufmerksam zu machen, wird am Freitag, 20. September 2013, eine Protestaktion von Greenpeace Mannheim-Heidelberg und Darmstadt bei der Stadtverordnetenversammlung in Lampertheim stattfinden. Die Aktion wird ab 18.00 Uhr vor dem Rathaus in Lampertheim durchgeführt. Greenpeace wird dabei die anwesenden Kommunalpolitiker und Passanten auf die passive Haltung der Stadt beim Schutz des Viernheimer und Lampertheimer Waldes und auf den von der FDP Lampertheim unterstützten Waldumbau zu naturfernen Kiefernkulturen aufmerksam machen.

Greenpeace arbeitet bereits seit mehreren Monaten zu den Umweltproblemen im Viernheimer und Lampertheimer Wald und hat die Bedrohung des Gebiets mehrfach öffentlich thematisiert (ecoGuide berichtete). Passiert ist zum Schutz dieses bedeutsamen Naherholungsgebiets und Naturjuwels allerdings wenig. Dies ist umso erstaunlicher, als dass ein Teil des Waldgebiets bereits nach der europäischen FFH-Naturschutz-Leitlinie als Schutzgebiet ausgewiesen ist. Der für den Erhalt des Gebiets zwingend vorgeschriebene Pflege- und Managementplan liegt immer noch nicht vor, obwohl das zuständige Regierungspräsidium in Darmstadt bereits im April eine mündliche Zusage zu einer zügigen Fertigstellung dieses Plans gegeben hat. Währenddessen schafft das Forstamt Tatsachen und betreibt weiterhin den Waldumbau – weg von lebendigen Laubwäldern, hin zu naturfernen Kiefernkulturen.

„Lampertheim hat bei diesem Prozess als Anliegerin des Waldgebiets und Eigentümerin von immerhin 1.100 ha eine besondere Verantwortung, der die Stadt aber nicht gerecht wird“, findet Martin Burster, Wald-Ansprechpartner von Greenpeace Mannheim-Heidelberg. Obwohl alle Gemeinderatsfraktionen und der Bürgermeister über die Problematik aufgeklärt wurden, wurde bis heute von der Kommune kein Gesprächsangebot unterbreitet. Lediglich mit den Grünen in Lampertheim gab es konstruktive Gespräche. Auch eine E-Mail von April diesen Jahres an das Rathaus mit der Bitte für einen gemeinsamen Exkursionstermin blieb unbeantwortet. „Eine Kommune sollte sich unabhängig und nicht nur über das zuständige Forstamt informieren. Der wirtschaftliche Ertrag eines Waldes sollte gerade für Lampertheim nicht entscheidend sein, nimmt der Wald für die Bürger der Stadt doch vielfältige weitere Aufgaben wahr“, zeigt sich Martin Burster von der bisherigen Haltung Lampertheims zur Problematik enttäuscht.

Eine besonders negative Rolle spielt hier auch der örtliche FDP-Verband. Im Schreiben des FDP-Landtagsabgeordneten Frank Sürmann an Greenpeace wird die Unterstützung der FDP Lampertheim für den Waldumbau ausdrücklich erwähnt. Bisher gab es von Seiten der FDP noch keine klare Distanzierung von dieser Position. „Dass ein Kreisverband einer Partei in Regierungsverantwortung betonen muss, dass er die Ansichten seines Kreisvorsitzenden nicht teilt, finden wir höchst ungewöhnlich. Auch die jetzt erhobene Forderung der FDP, den Schutz des Waldgebiets mit der Windkraftnutzung entlang der Bergstraße und des Odenwalds zu verknüpfen, entbehrt jeder fachlichen Grundlage“, wundert sich Martin Burster über die Haltung der FDP zum Thema. „Angesichts des nach wie vor stattfindenden Waldumbaus erwartet Greenpeace hier eine klare Positionierung der Partei und keine taktischen Spielchen“, stellt er abschließend fest.