Baum

Foto: Greenpeace Mannheim-Heidelberg

In einem Schreiben hat Greenpeace Mannheim-Heidelberg die Obere (ONB) und Untere Naturschutzbehörde (UNB) des Kreises Bergstraße aufgefordert, die von einem Blitzeinschlag gezeichnete Eiche am Waldrand bei Lampertheim-Hüttenfeld als Naturdenkmal auszuweisen. Gemäß Paragraph 26 des Hessischen Naturschutzrechtes können Eigenschöpfungen der Natur aufgrund ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit als Naturdenkmal ausgewiesen und damit geschützt werden.

„Das Forstamt in Lampertheim wollte den Baum ursprünglich fällen. Nachdem Greenpeace im Januar dieses Jahres dagegen protestierte und ein unabhängiger Gutachter bestätigte, dass die Verkehrssicherungspflicht eine Fällung des Baums nicht rechtfertigt, wurde die Fällung nicht durchgeführt. Die über 100-jährige Eiche ist aufgrund ihres langen Risses im Stamm und der besonnten Lage ein bedeutender Lebensraum für zahlreiche, teils gefährdete Arten im Gebiet. So ist eine Nutzung durch die auch nach europäischem Naturschutzrecht streng geschützte Bechsteinfledermaus wahrscheinlich. Eine Ausweisung als Naturdenkmal würde diesen einzigartigen Baum dauerhaft erhalten“, so Greenpeace Mannheim-Heidelberg.

Mangel an geeigneten Habitatbäumen im Gebiet

„Wir sehen die nicht durchgeführte Fällung des Baums als ermutigendes Zeichen an, dass bei den Behörden und dem Forstamt ein Umdenken stattgefunden hat und endlich die Notwendigkeit der Einhaltung bestehender Naturschutzgesetze und Richtlinien anerkannt wird“, sagt Martin Bösel, Wald-Aktivist bei Greenpeace. „Ein Schutz dieses einzigartigen Baums ist aus vielen Gründen notwendig“, führt er weiter aus. Der Baum sei durch den langen Riss im Stamm, der aber sichtbar überwachsen wurde, nicht nur eine einzigartige Erscheinung im Gebiet, er eigne sich durch seine Lage am Waldrand auch als Anschauungsobjekt für die Bevölkerung.

„Untersuchungen lokaler Naturschutzexperten im Januar haben ebenfalls einen eklatanten Mangel an weiteren alten Bäumen, die als Lebensraum in Frage kommen, im Gebiet aufgezeigt. Bei einer Begehung von ca. zwei Hektar rund um die Eiche konnten lediglich acht weitere Habitatbäume gezählt werden, von denen einer in der Zwischenzeit bereits gefällt sein dürfte. Dabei hat sich das Forstamt selbst zu 10 bis 15 Bäumen pro Hektar verpflichtet und es müssen im mittlerweile FSC-zertifizierten Staatswald zehn Bäume pro Hektar langfristig erhalten bleiben“, teilt Greenpeace Mannheim-Heidelberg weiter mit.

Politische Vertreter um Unterstützung gebeten

„Wir haben ebenfalls die politischen Parteien in Viernheim und Lampertheim und die Landtagsabgeordneten über unser Anliegen informiert und um Unterstützung gebeten“, sagt Bösel. „Die Bürger wünschen sich lebendige Wälder und einen Erhalt der Artenvielfalt, deshalb sollten sich auch die politischen Vertreter für die Erhaltung des Baums einsetzen“, macht er klar. Der Wunsch der Bürger nach naturnahen Wäldern mit Baumveteranen sei in vielen Studien in den letzten Jahren belegt worden. Darüber hinaus würden alle politischen Parteien in ihren Programmen den Schutz der biologischen Vielfalt betonen und die aktuelle schwarz-grüne Landesregierung habe den Naturschutz im Wald zu einem ihrer Schwerpunkte erklärt. „Wir hoffen, die politischen Vertreter lassen bei der Eiche den Worten endlich Taten folgen und wirken auf die Behörden ein, damit der Baum für die Erholungssuchenden im Wald und die Tierwelt auch langfristig bestehen bleibt“, schließt Bösel.