Nachdem das Landschaftsschutzgebiet Bergstraße / Odenwald vor nunmehr bald 10 Jahren aufgehoben wurde, ist die freie Landschaft mit ihren besonders schützenswerten Bachauen, Grünflächen und Streuobstwiesen stärker denn je bedroht. Der Kreisverband Bergstraße im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) hat sich deshalb an Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid gewandt und die Ausweisung von zwei Landschaftsschutzgebieten im Bereich der besonders gefährdeten Landschaftsstrukturen beantragt.

Vorbild: Auenverbund Wetterau

„Vorbild für unseren Antrag ist der ‚Auenverbund Wetterau‘, das erste Landschaftsschutzgebiet für Uferlandschaften von Bächen und Seen in Hessen“, erläutert Herwig Winter, Sprecher des BUND Bergstraße. Der mehrfach prämierte Auenverbund Wetterau besteht seit 25 Jahren und ist eine naturschutzpolitische Erfolgsgeschichte, die auch seitens der Landwirte eine hohe Akzeptanz erfährt. Diese Erfolgsgeschichte wurde mit dem „Auenverbund Kinzig“, den „Grund- und Bergwiesen von Jossa und Sinn“ und den Auenschutzgebieten entlang von Rhein und Main und im Einzugsbereich der unteren Gersprenz fortgeschrieben.

Leider klafft hinsichtlich des Auenschutzes im Süden des Regierungsbezirks Darmstadt immer noch eine große Lücke. Im Odenwald mit seinen reich gegliederten Auen ist nach dem Wegfall des zonierten Landschaftsschutzgebietes “Bergstraße / Odenwald” gar kein Landschaftsschutz mehr gegeben.

Schutz für „Auen des hessischen Rieds” und „Täler des Odenwalds”

Der BUND beantragt deshalb die Ausweisung von zwei Landschaftsschutzgebieten, die sich an der unterschiedlichen Topographie des Kreises Bergstraße orientieren: „Auen des Hessischen Rieds” und „Täler des Odenwalds”. Im Ried sind die typischen flussgebundenen Auen weniger ausgeprägt. Es fehlt jedoch ein Netz eines Auenverbund-Landschaftsschutzgebiets, das die in Ost-West-Richtung verlaufenden Rheinzuflüsse und die in Süd-Nord-Richtung verlaufenden Altneckarschlingen in einem Schutzgebiet zusammenfasst. Dieses böte die Möglichkeit, auch Zielsetzungen der Natura 2000-Richtlinie einzubeziehen. Im Bereich des Odenwalds sollte nach Ansicht des BUND ein Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen werden, das nicht nur die eigentlichen Auen umfasst, sondern auch die strukturreichen, vielmals noch durch Streuobstbestände und Grünland geprägten Tal- und angrenzenden Hangbereiche.

„Naturschutzfachlich ist ein Schutz der Auen im Süden des Regierungsbezirks Darmstadt derzeit geboten. Die hohe Schutzwürdigkeit und insbesondere die Schutzbedürftigkeit dieser Areale sind eindeutig gegeben. Die Einrichtung von Landschaftsschutzgebieten mit dem Schwerpunkt auf Auenschutz würde zudem die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie in diesen Bereichen unterstützen. Auch für Landwirte bietet ein Landschaftsschutzgebiet Chancen, nämlich neue Förderschwerpunkte, z.B. im Bereich Landschaftspflege und den Schutz vor Flächenkonkurrenz durch Siedlung und Verkehr“, so der BUND Bergstraße.

„Wir hoffen auf einen raschen Einstieg in die erforderlichen Gespräche, damit die schönsten Landschaftsbereiche endlich wieder den gebührenden Schutz erhalten“, bekräftigt Guido Carl, Vorsitzender des BUND Bergstraße, die Absicht des Umweltverbands, die freie Landschaft im Kreis Bergstraße zu erhalten.