Wildkatze

Betreuer und Projekt-Koordinatorin trafen sich zum Abschluss der ersten Lockstock-Saison (v.l.): Christine Engesser (BUND Wald-Michelbach), Stefan Aßmann (Hessen-Forst), Sarah Friedrichsdorf (BUND Hessen), Jens-Uwe Eder (Hessen-Forst) und Herwig Winter (BUND Mörlenbach-Rimbach). Foto: BUND KV Kreis Bergstraße

Mitglieder des Kreisverbands Bergstraße im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) und die Förster Stefan Aßmann und Jens-Uwe Eder vom Landesbetrieb Hessen-Forst suchten in diesem Winter erstmals nach der Wildkatze. Dazu hatten sie bei Wald-Michelbach, Mörlenbach und Fürth Lockstöcke aufgestellt, die sie von Januar bis Ende April alle ein bis zwei Wochen nach Katzenhaaren absuchten. Die mit Baldriantinktur besprühten Dachlatten ziehen Wildkatzen vor allem während der Paarungszeit sehr stark an. Die scheuen Waldtiere reiben sich am rauen Holz und hinterlassen Haare. An zehn der 14 Lockstöcke sammelten die Naturschützer 21 Haarproben ein. Diese werden von Sarah Friedrichsdorf, die das Projekt beim hessischen Landesverband des BUND koordiniert, an das Labor des Senckenberg-Instituts geschickt. Denn erst nach einer genetischen Untersuchung steht fest, ob die feinen Haare von einer Hauskatze oder tatsächlich von einer Wildkatze stammen.

Die Lockstock-Aktionen gehören zu dem vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) geförderten Projekt „Wildkatzensprung“, in dem der BUND bundesweit die Bestände und Wanderungen der Wildkatze erfasst und eine Gendatenbank aufbaut. Nachdem in 2012 im Odenwaldkreis eine Wildkatze nachgewiesen werden konnte, sind die Bergsträßer Aktiven von Hessen-Forst und BUND nun sehr gespannt. Auf die Ergebnisse müssen sie aber noch mehrere Wochen warten.

Bei einem Treffen zum Abschluss der Lockstock-Saison tauschten die Kontrolleure Erfahrungen und Tipps aus. Sie stellten fest, dass auch andere Waldtiere wie Wildschweine und Rehe von den präparierten Hölzern angezogen werden. Nach jeder Untersuchung mussten die Dachlatten mit einer Stahlbürste neu angeraut und mit Baldrian besprüht werden. Um zu verhindern, dass übersehene Haare eine spätere Kontrolle verfälschen, flammten die Helfer die Lockstöcke oder Stahlbürsten ab. Christine Engesser vom BUND Wald-Michelbach wurde bei den Waldtouren von bis zu fünf Helfern begleitet. Der Fürther Förster Jens-Uwe Eder konnte bei seiner Kinder- und Jugendgruppe „Naturagendten“ Interesse für das Wildkatzen-Projekt wecken. Er möchte im Bergtierpark Fürth-Erlenbach einen Infostand über die Wildkatze einrichten.

Hintergrund: Wildkatze breitet sich langsam wieder aus

Wildkatzen sind keine verwilderten Hauskatzen. Sie leben seit Jahrtausenden in den Wäldern Europas, lange bevor die Römer die ersten Hauskatzen über die Alpen brachten. Durch gezielte Bejagung wurden sie in vielen Gegenden ausgerottet. Langsam breitet sich die scheue Waldbewohnerin nun wieder aus, was aber durch den Verlust strukturreicher Wälder und die Zerschneidung der Landschaft erschwert wird. Der BUND setzt sich dafür ein, Waldgebiete durch die Pflanzung grüner Korridore aus Bäumen und Büschen miteinander zu verbinden. Diese Biotopvernetzung hilft neben der Wildkatze auch vielen anderen Waldtieren.

Wildkatzen wirken meist kräftiger als Hauskatzen. Ihre Fellzeichnung ist verwaschen, ihr dunkel geringelter Schwanz endet in einer stumpfen, schwarzen Spitze. Spaziergänger, die im Wald Katzen entdecken, sollten diese nicht mitnehmen. Beobachtungen können dem BUND Hessen gemeldet werden unter:

www.bund-hessen.de/wildkatze