Rodungen

Foto: Gerhard Röhner

In Ilvesheim wurden im Zuge des Freischnitts einer Anliegerstraße an der L 597 die anliegenden Büsche und Bäume radikal zurückgeschnitten. Nach Ansicht des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND), Regionalverband Rhein-Neckar-Odenwald, ist diese Maßnahme unverhältnismäßig und beeinträchtigt die ökologische Funktion nachhaltig. Trotz Protest und Beratungsangebot des BUND an den Ilvesheimer Bürgermeister wurde der Eingriff durchgeführt. „Der Sinn dieser Maßnahme erschließt sich uns nicht und aus naturschutzfachlicher Sicht ist es schlicht und einfach abzulehnen“, sagt Gerhard Röhner, Naturschutzbeauftragter des BUND- Regionalverbands. „Wir haben dem Bürgermeister Mitte September unsere Sorge per Brief mitgeteilt und Beratung angeboten. Es gab keine Reaktion und die Rodungen wurden einfach fortgesetzt.“

Die Straße an der Brücke Heinrich-Lanz-Weg / L 597 auf Ilvesheimer Gemarkung ist nur für Anlieger freigegeben, die Geschwindigkeit auf 30 km/h begrenzt. Aus Sicht des BUND ist ein Rückschnitt im Straßenbereich zur Sicherung des Verkehrs gut und richtig. Nicht nachvollziehbar ist jedoch, warum die Bäume derart radikal gestutzt oder ganz entfernt wurden und weshalb die darunterliegenden Büsche ebenfalls entfernt wurden. Dieser radikale Freischnitt zerstört die ökologische Funktion der Gehölze als Nahrungsspender und Unterschlupf für zahlreiche Tierarten (Säugetiere, Insekten, Vögel) und als Bruthabitat von Vögeln.

Das bundesweite Artensterben auf landwirtschaftlich genutzten Flächen schreitet derart ungebremst fort, dass bereits Allerweltsarten wie Feldhasen und Goldammer in Bedrängnis gekommen sind. Eine wichtige Maßnahme gegen diese Entwicklung ist die seit Jahren von Gemeinden (auch des Rhein-Neckar-Kreises) betriebene Biotopvernetzung. Hierbei werden z.B. kleine Gehölze mit Feldhecken verbunden und stellen so Verbundelemente für die Arten dar. Diese können sich so in der Landschaft bewegen und sie als Rückzugsgebiete nutzen. Ohne eine erfolgreiche Wiedervernetzung wird es für Arten, die beispielsweise durch die Intensivierung der Landwirtschaft und die zunehmende Versiegelung von Flächen vertrieben wurden, schwer bis unmöglich, sich wieder anzusiedeln.

Auch die landwirtschaftliche Fläche der Gemeinde Ilvesheim ist fast völlig ausgeräumt. Einziger Lichtblick sind wenige kleine Gehölze längs der Feldwege. Diese müssen nach Auffassung des BUND unbedingt erhalten und weiter ausgebaut werden.

 

Kommentar/Leserbrief

Ich habe den Bericht “Ilvesheim: Kahlschlag am Straßenrand” gelesen. Diesen Kahlschlag kann man überall in großem Ausmaß im Rhein-Neckar- und Neckar-Odenwald-Kreis, aber auch sonst überall in Deutschland, beobachten. Ganz besonders brutal ging man in Reichartshausen an einer hohlwegähnlichen Straße zwischen Industriestraße und der Gaststätte “Zum Hirsch” vor. Fast der gesamte Baum- und Strauchbestand links und rechts der Straße wurde komplett vernichtet. Ich vermute, dass das an Ort und Stelle geschredderte Holz mit großem Gewinn zu Heizpellets verarbeitet wird. Auch in unseren Wäldern sieht es nicht besser aus.
(Name und Anschrift sind der Redaktion bekannt)