Hockenheim Herrenteich

Das brachliegende Betriebsgelände Herrenteich beim Hochwasser am 4. Juni 2013, als der Wasserstand des Rheins seinen Höchststand erreicht hatte (8,34 m am Pegel Speyer). Weite Bereiche des Geländes sind überflutet. Foto: Uwe Heidenreich, BUND

Seit Abschluss der Asbestsanierung in 2009 liegt der Gewerbestandort Herrenteich im Hockenheimer Rheinbogen brach. Die Diskussion darüber, wie es dort weiter gehen soll, wurde bisher in erster Linie bestimmt durch die vertragliche Verpflichtung der Stadt Hockenheim, dem Land Baden-Württemberg einen Sanierungskostenbeitrag in Höhe von 1,9 Millionen Euro zu zahlen. Inzwischen hat die Stadt den Betrag an das Land überwiesen. Dennoch ist die Zukunft des Herrenteichs weiterhin offen. Derzeit stellt die Stadt einen Bebauungsplan für das Gelände auf, das ihr seit August 2012 gehört. Sie hat die Absicht, die planungsrechtlichen Voraussetzungen für die weitere Nutzung als Gewerbegebiet zu schaffen und die Zahlung an das Land durch Vermarktung des Geländes zu refinanzieren.

Der BUND-Ortsverband Hockenheimer Rheinebene und die NABU-Gruppe Hockenheim lehnen die gewerbliche Weiternutzung des Geländes ab. „Der Herrenteich liegt mitten im Überschwemmungsgebiet des Rheins. Für uns ist nicht nachvollziehbar, dass in einem derart überflutungsgefährdeten Bereich ein Bebauungsplan aufgestellt werden soll. Noch dazu für ein Gelände, das seit Jahren brach liegt“, macht Andreas Diebold vom NABU deutlich. Thomas Kuppinger vom BUND ergänzt: „Der Gewerbestandort wurde am Ende des 19. Jahrhunderts begründet, also zu einer Zeit, in der nur selten mit Überflutungen zu rechnen war. Durch den Ausbau des südlichen Oberrheins gingen im 20. Jahrhundert jedoch riesige Überschwemmungsflächen verloren. Daher kommt es bei uns am nördlichen Oberrhein immer öfter zu Hochwasser über acht Meter. Und dann wird der Herrenteich überflutet.“

Erst Anfang Juni 2013 stand das Gelände wieder in weiten Bereichen unter Wasser, als das Rheinhochwasser über acht Meter stieg. „Aufgrund der Überflutungen kann sich hier kein normaler Betrieb ansiedeln. Wahrscheinlich wird das Gelände in Zukunft sogar noch häufiger überflutet als bisher, denn durch den Klimawandel müssen wir mit stärkeren Hochwassern rechnen“, sagt Uwe Heidenreich, der sich sowohl beim BUND als auch beim NABU engagiert. In einer gemeinsamen Stellungnahme zum Bebauungsplan fordern die Naturschutzverbände den vollständigen Rückbau aller Gebäude und Anlagen und anschließend die Renaturierung des Geländes. Sie sehen darin die einzige langfristig tragfähige Perspektive für den Herrenteich. „Für die Renaturierung sind nur einfache Maßnahmen wie Geländeabtrag und Geländeplanierung nötig, die beim Rückbau ohnehin durchgeführt werden. Die weitere Modellierung übernimmt der Rhein mit seinen Überflutungen. Da im Umfeld bereits naturnahe Auenbiotope vorhanden sind, rechnen wir mit einer raschen Besiedlung der Fläche durch Pflanzen und Tiere“, erklärt Thomas Kuppinger.

Nach Auffassung der Naturschutzverbände hat auch die Stadt Hockenheim einen Nutzen von der Renaturierung. Dieter Rösch vom BUND: „Zum Ausgleich für Eingriffe in die Natur mussten in den vergangenen Jahren auf Hockenheimer Gemarkung viele landwirtschaftliche Nutzflächen aufgeforstet werden. Mit der Renaturierung gewinnt die Stadt eine nicht landwirtschaftlich genutzte Ausgleichsfläche, die sie im naturschutzrechtlichen Ökokonto bevorraten und zu einem späteren Zeitpunkt nutzen kann, entweder für den Ausgleich eigener Eingriffe oder durch den Verkauf an einen anderen Eingriffsverursacher.“

Die Stellungnahme von BUND und NABU zum Bebauungsplan kann heruntergeladen werden unter:
http://hockenheimer-rheinebene.bund.net/aktuelles/herrenteich