Die Zeit ist reif: Das große Interesse der Heppenheimer Stadtpolitik am Vortrag über erfolgreiche Stadtbusse (21. Januar 2014) hat den Veranstaltern ProBahn und Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) bestätigt, dass auch die örtlichen Entscheider ein moderneres Buskonzept anstreben und für den nächsten Schritt bereit sind. Die Verbände schlagen daher vor, dass die städtischen Gremien den Heppenheimer Stadtbus neu denken und sich dabei professionell und unabhängig beraten lassen. ProBahn-Sprecher Sven Grahner drängt dabei auf klare Richtungssignale der Stadtspitze und auf ein zügiges Vorgehen, denn schon ab 2015 werden die Heppenheimer Buskonzessionen für 8 – 10 Jahre neu vergeben.

„Das ist ein sehr positiver Einstieg in die Diskussion“, bewertet Guido Carl vom BUND Bergstraße den regen Besuch beim Vortrag des Schweizer Verkehrsplaners Willi Hüsler. Insbesondere Fachpolitiker und verantwortliche Verwaltungsstellen waren zahlreich vertreten. Auch junge Menschen und Senioren bereicherten das bunt gemischte Publikum und machten ihren Wunsch nach besseren Busverbindungen deutlich. Im Nachgang hat ProBahn außerdem zahlreiche Gespräche mit Parteienvertretern geführt: Demnach waren die Vortragsbesucher von dem Potenzial eines Stadtbussystems sehr positiv überrascht, wobei auch Hüslers Kompetenz manchen überzeugte. Etwas enttäuscht zeigen sich die Verbände, dass der Stadtbus bei den Sitzungen der städtischen Gremien bisher nicht auf der Tagesordnung steht. Die zustimmenden Rückmeldungen lassen aber auf künftige Resonanz hoffen.

Dass dem Vortrag detaillierte Empfehlungen für die Heppenheimer Stadtbuslinie fehlten, wie es manche Besucher gern gesehen hätten, sieht Carl sogar eher als Vorteil: „Es ist nicht die Aufgabe von uns Verbänden, an der Stadt vorbei Konzepte erarbeiten zu lassen“. Diese Aufgabe bleibe selbstverständlich Stadt, Kreis, Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) und ergänzend auch dem Regierungspräsidium vorbehalten. Dennoch hat Hüsler einige Hinweise aufgezeigt: Zu den wichtigsten Planungsprinzipien zählen eine gerade, übersichtliche Streckenführung ohne Schleifen, ein zentraler Knotenpunkt und ein Halbstundentakt. Ein Rundkurs in nur einer Richtung sei dagegen Geldverschwendung und wenig attraktiv. Eine Veränderung tut also Not, und offensichtlich ist ein größerer Rahmen wirtschaftlich sinnvoller als bisher gedacht.

Nächster Schritt: externe Beratung hinzuziehen

Nach Ansicht der Verbände sollten als nächster Schritt die Heppenheimer Rahmenbedingungen für einen erfolgreichen Stadtbus geklärt werden. ProBahn und BUND fordern daher Bürgermeister Burelbach auf, einen unabhängigen, professionellen Verkehrsexperten als Berater hinzuzuziehen. Dass die Verbände den Referenten Willi Hüsler für diese Rolle favorisieren, ist keine Überraschung. Da der Schweizer Verkehrsplaner bei Politik und Verwaltung offenbar einen fachkundigen Eindruck hinterlassen hat und auf zahlreiche Erfolge verweisen kann, wäre seine Benennung wohl auch politisch vertretbar.

Die Erfahrung Hüslers als Berater könnte sehr hilfreich sein, denn die Rahmenbedingungen in Heppenheim sind nicht einfach: Neben dem Stadtbus sind in der Kreisstadt weitere sieben Buslinien unterwegs, die noch dazu (mit einer Reihe weiterer Buslinien) in fünf unterschiedlichen Bündeln organisiert sind. Diese Busbündel werden zwischen 2015 und 2018 vom Kreis Bergstraße neu vergeben, so dass ein neues Buskonzept schon bald angegangen werden muss. Die Zeit drängt also oder man würde 8 – 10 Jahre verlieren.

„Nicht zuletzt muss die Beratung für einen neuen Stadtbus finanziert werden“, spricht Sven Grahner den knappen Stadthaushalt an. Fördergelder für ein Pilotprojekt wären eine elegante Lösung, aber wie der Fahrgastverband berichtet, fließen die Landesmittel für den Nahverkehr ausschließlich an den VRN bzw. den Kreis Bergstraße. Immerhin wäre möglich, von der Landeszuwendung über 614.000 Euro „für den lokalen Verkehr“ an den Kreis Bergstraße Aufgaben zu finanzieren, „die unmittelbar im Zusammenhang mit der Verbesserung des lokalen ÖPNV stehen, insbesondere Planung, Marketing, Kundenbetreuung.“ Das würde nach Meinung der Verbände auch auf eine externe Beratung zutreffen.

„Letztlich muss die Stadtspitze eine Richtungsentscheidung treffen“, meint Guido Carl. „Entweder baut sie ein professionelles Konzept auf oder die Stadt muss den Stadtbus früher oder später ersatzlos streichen.“ Bei einem Ja zu mehr Stadtbus kommt auf den im November 2013 beauftragten interfraktionellen Arbeitskreis, der allerdings erst im März das erste Mal tagen soll, eine Menge Arbeit zu. Denn ein neues Stadtbuskonzept muss, damit es in die Vergabe der Busbündel ab 2015 eingehen kann, schon bis zur Sommerpause in groben Zügen stehen. Das ehrgeizige Ziel sei mit professioneller Hilfe durchaus machbar, zeigen sich sowohl ProBahn als auch BUND überzeugt: „Es wird gelingen. Die Zeit ist reif für einen neuen Stadtbus.“