Prof. Dr. Herth

Prof. Dr. Felix Herth, Thoraxklink am Universitätsklinikum Heidelberg. Foto: Universitätsklinikum Heidelberg

Wer schläft, sündigt nicht? Das mag jemand, der Bett oder Zimmer mit einem chronischen Schnarcher teilt, vielleicht anders sehen: Der kann, das wurde nachgemessen, die Lautstärke eines vorbeifahrenden LKWs erreichen. Die nächtliche Lärmbelastung stresst und beeinträchtigt die Gesundheit. Alleiniges Schnarchen selbst ist dagegen meistens, aber nicht immer, ungefährlich. Am Mittwoch, 20. Juli 2016, erklärt Prof. Dr. Felix Herth, Ärztlicher Direktor der Thoraxklinik am Universitätsklinikum Heidelberg, in seinem Vortrag bei „Medizin am Abend“, wie man den nächtlichen Sägeattacken entgegen wirken kann, wann Schnarchen krankhaft ist und welche Therapien dann helfen können. Der Vortrag beginnt um 19.00 Uhr im Hörsaal der Kopfklinik, Im Neuenheimer Feld 400.

Vor allem Männer setzen nachts die Säge an: 44 Prozent der Männer im Alter zwischen 30 und 70 Jahren sind chronische Schnarcher. Bei den Frauen sind es rund 25 Prozent. Der typische Schnarcher ist übergewichtig, trinkt abends gerne noch Alkohol und schläft meist auf dem Rücken. Die Geräusche entstehen durch Vibrationen der beim Schlaf erschlaffenden Muskulatur am oberen Atemweg. So weit, so harmlos. Wem etwas an seinem Lebenspartner liegt, sollte dessen Hinweise auf die nächtliche Ruhestörung dennoch ernst nehmen. Englische Schlafforscher ermittelten in einer aktuellen Studie, dass Schnarchen für die Partnerschaft eine nicht zu unterschätzende Belastung bedeutet. Als Gegenmaßnahmen eignen sich z.B. Gewichtsreduktion, Verzicht auf Alkohol oder unter Umständen auch eine Verkleinerung der Rachenmandeln.

„Vorsicht ist dann geboten, wenn der Schlaf – bei ausreichender Schlafdauer – über lange Zeit nicht erholsam ist, man den ganzen Tag unter starker Müdigkeit leidet oder sogar plötzlich, z.B. während des Autofahrens, kurz einnickt. Man spricht dann von Sekundenschlaf”, sagt Prof. Herth. „Das kann ein Anzeichen eines sogenannten Schlafapnoe-Syndroms sein, bei dem es im Schlaf zu Atemaussetzern kommt.” Unter einer solchen Schlafapnoe leiden zwischen fünf und zehn Prozent der Schnarcher. Die Atemstillstände (Apnoen) lösen wiederholte Aufweckreaktionen aus. Dieser Sicherheitsmechanismus des Körpers führt meistens nicht zu einem bewussten Aufwachen, verhindert aber tiefen und erholsamen Schlaf.

Nächtliche Atemaussetzer lassen sich ohne chirurgischen Eingriff gut behandeln

Auf Dauer macht das krank. So leiden Betroffene meistens unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck und Rechtsherzschwäche. Das Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle und sogar plötzlichen Herztod ist erhöht. Auch Diabetes mellitus Typ 2 und das gehäufte Auftreten von Stress-Erkrankungen wie Magengeschwür, Tinnitus und Hörsturz wird in Zusammenhang mit dem Schlafapnoe-Syndrom gebracht. „Wer den Verdacht hat, unter einem Schlafapnoe-Syndrom zu leiden, sollte sich möglichst bald an einen Lungenfacharzt oder HNO-Arzt wenden”, rät Prof. Herth. Dieser wird ihm über Nacht ein Messgerät mit nach Hause geben, das, ähnlich einem 24-Stunden-EKG, den Sauerstoffgehalt im Blut und Unregelmäßigkeiten bei der Atmung erfasst. Sollte sich der Verdacht erhärten, folgt eine Untersuchung im Schlaflabor.

Die Behandlung richtet sich nach Schwere der Apnoe und Begleitumständen. Wer z.B. stark übergewichtig ist und unter einer leichten Apnoe leidet, profitiert wahrscheinlich von einer Gewichtsreduktion. Bei normalem Gewicht, allgemein gutem Gesundheitszustand, aber sehr großen Mandeln oder Polypen, kann eine chirurgische Verkleinerung derselben helfen. Als Standardtherapie gilt aber die Schienung der Atemwege durch eine nächtliche Überdruckbeatmung. Dabei verhindert ein Spezialgerät über eine Nasenmaske ein Kollabieren der Atemwege. „Diese Maßnahme ist nachgewiesen erfolgreich und wirkt sich auch positiv auf bestehende Folgeerkrankungen aus”, sagt Prof. Herth.