Heidelberg Uni-Frauenklinik

Die Universitäts-Frauenklinik Heidelberg bietet das gesamte chirurgische Spektrum bei Brustkrebs unter einem Dach an. Foto: Universitätsklinikum Heidelberg

Seit dem Bezug des neuen Klinikgebäudes mit modern ausgestatteten OP-Sälen bietet die Universitäts-Frauenklinik Heidelberg – als eine von nur wenigen Kliniken in Deutschland – das gesamte chirurgische Spektrum bei Brustkrebs unter einem Dach an. Es reicht von der brusterhaltenden Operation bis zur Brustrekonstruktion mit Eigengewebe, letzteres in Kooperation mit der BG Unfallklinik Ludwigshafen. Bei einem Experten-Workshop am 27. März 2015 haben Brustchirurgen anderer Kliniken erstmals die Gelegenheit, den Operateuren aus Heidelberg und Ludwigshafen über die Schulter zu schauen: Es gibt Live-Übertragungen der verschiedenen Verfahren inklusive Erläuterungen direkt aus dem OP auf die große Leinwand im Hörsaal.

Die Ansprüche speziell bei Tumoroperationen an der Brust sind hoch: Einerseits müssen die chirurgischen Verfahren höchste Sicherheit und in Kombination mit Bestrahlung und medikamentösen Therapien die jeweils bestmöglichen Heilungschancen gewährleisten. Auf der anderen Seite ergab eine Heidelberger Studie 2013, dass für das Wohlbefinden der Patientinnen nach der Behandlung ebenso das ästhetische Ergebnis der Operation eine wichtige Rolle spielt. „Diesen Ansprüchen werden wir gerecht, indem wir nach Möglichkeit brusterhaltend operieren und andererseits das gesamte Spektrum der gängigen Rekonstruktionsmethoden nach Brustentfernung anbieten”, sagt Prof. Dr. Christof Sohn, Ärztlicher Direktor der Universitäts-Frauenklinik.

Welche Methode zur Brustrekonstruktion? Sprechstunde hilft bei Entscheidung

Das chirurgische Verfahren der Wahl ist heute, abhängig von Größe und Lage des Tumors, die brusterhaltende Operation. In Heidelberg können rund 70 Prozent der Patientinnen brusterhaltend operiert werden. Dabei achten die Chirurgen darauf, dass keine Verformungen entstehen. Dazu kann z.B. gesundes Gewebe in die Operationswunde verschoben werden (Onkoplastik), auch eine Brustverkleinerung und Straffung mit Angleichung der Gegenseite ist möglich. „Alle diese Verfahren sind sicher, sie beeinflussen in keiner Weise die Heilungschancen”, erklärt Prof. Dr. Jörg Heil, Koordinator des Brustzentrums und Leiter der Sektion Senologie an der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg.

Ist die Amputation der Brust nötig, um den Tumor vollständig entfernen zu können, kann die Patientin zwischen einer Brustrekonstruktion mit modernen Silikon-Implantaten oder aus Eigengewebe, vorzugsweise mit Haut und Fettgewebe von Bauch oder der Oberschenkel-Innenseite, wählen. Welche Methode sich jeweils am besten eignet, liegt zum einen an der vorangegangenen Behandlung, zum anderen an den Wünschen der Patientin. „Dazu gibt es bisher keine guten evidenz-basierten Leitlinien”, so Prof. Heil. „Wir richten uns daher nach unseren Erfahrungen, den Erfahrungen anderer renommierter Zentren und den Bedürfnissen der Patientinnen – und erzielen damit sehr gute Ergebnisse.” Eine umfassende Beratung erhalten die Patientinnen in der eigens eingerichteten Sprechstunde zur Brustrekonstruktion. Rund 600 Frauen jährlich nutzen dieses Angebot. „Wir beraten unvoreingenommen und untendenziös. Das wissen unsere Patientinnen zu schätzen”, ergänzt der Onkologe.

Brustrekonstruktionen mit Eigengewebe

Brustrekonstruktionen mit Eigengewebe, sogenannte freie Lappenplastiken, nimmt das Team um Prof. Dr. Ulrich Kneser, Direktor der Klinik für Hand-, Plastische und Rekonstruktive Chirurgie an der BG Unfallklinik Ludwigshafen, einmal wöchentlich vor Ort gemeinsam mit den gynäkologischen Brustoperateuren in den modernen Operationssälen der neuen Universitäts-Frauenklinik vor. Diese wurden dazu mit speziellen OP-Mikroskopen ausgestattet, die erst die mikrochirurgische Verbindung von Blutgefäßen in der wiederaufgebauten Brust möglich machen. „Professor Kneser ist ein ausgewiesener Experte für Mikrochirurgie und den Brustaufbau mit körpereigenem Gewebe. Wir freuen uns, gemeinsam mit ihm und seinem Team unseren Brustkrebs-Patientinnen eine so umfassende Versorgung auf höchstem Niveau anbieten zu können”, sagt Prof. Sohn. Von den bisher vorgenommenen 70 Lappenplastiken sind alle verpflanzten Gewebestücke ohne Komplikationen angewachsen.