Ob zu Fuß, mit dem Rad oder mit Bus und Bahn: Kinder sollen sich in Heidelberg sicher und selbstständig in ihrem Stadtteil bewegen können. Damit das gelingt, engagiert sich die Stadt Heidelberg auf vielfältige Weise für eine kinderfreundliche Verkehrsplanung. Die aktuellen Maßnahmen wurden am 14. Mai 2014 im Stadtentwicklungs- und Verkehrsausschuss vorgestellt: sie reichen von baulichen Lösungen wie Gehwegnasen über die Kinderwegepläne bis hin zum Aufstellen von Plakaten und „Dialog-Displays“. „Wir möchten die eigenständige Mobilität von Kindern im Stadtteil bestmöglich fördern“, sagt Thomas Raab vom Amt für Verkehrsmanagement: „Wenn Kinder allein zur Grundschule, zu Freunden oder zum Sportplatz gehen, üben sie ein Stück Selbstständigkeit ein und lernen das richtige Verhalten im Straßenverkehr. Zudem werden die Hol- und Bringfahrten mit dem ‚Elterntaxi‘ reduziert.“

„Um die Sicherheit für Kinder im Straßenverkehr kontinuierlich zu verbessern, arbeitet die Stadt eng mit den Kinderbeauftragten der Stadtteile, den Schulen und Kindergärten und der Polizei zusammen“, ergänzt Peter Weidenheimer von der Straßenverkehrsbehörde des Amtes für Verkehrsmanagement: „Die kinderfreundliche Verkehrsplanung lebt vom Dialog mit allen Beteiligten.“ Die kinderfreundliche Verkehrsplanung orientiert sich an den Leitlinien, die auf Initiative der Heidelberger Kinderbeauftragten erstellt und 2006 vom Gemeinderat beschlossen wurden. Für schnelle oder provisorische Maßnahmen stehen jährlich 100.000 Euro bereit.

Rund 130 Maßnahmen umgesetzt

Seit dem Start des Programms wurden rund 130 bauliche Maßnahmen umgesetzt, um die Verkehrssicherheit für Kinder zu erhöhen. Die Maßnahmen reichen von kleineren Markierungsarbeiten bis hin zum Bau von Querungshilfen, um den Gehweg zu verbreitern und die Fahrbahn zu verengen. Sie werden im Rahmen der kinderfreundlichen Verkehrsplanung grundsätzlich barrierefrei gestaltet. Zu den wichtigsten baulichen Maßnahmen, die 2013 realisiert wurden, zählen etwa der Bau einer Gehwegnase in der Poststraße, die Bordsteinabsenkung in der Pfarrgasse oder die Verbesserung der Beleuchtung im Oftersheimer Weg. In 2014 soll u.a. der Zebrastreifen im Bereich der Haltestelle S-Bahnhof Schlierbach-Ziegelhausen mit einer Überholbarriere ausgestattet werden. Für die Feuerbachstraße wird derzeit das Errichten einer provisorischen Querungshilfe geprüft.

Kinderwegepläne

Gemeinsam mit den Kinderbeauftragten entwickelt die Stadt Heidelberg seit Sommer 2010 Kinderwegepläne für die einzelnen Stadtteile. „Die Kinderwegepläne gehen über den reinen Schulwegeplan hinaus, sie umfassen auch Sport- und Spielplätze oder Freizeiteinrichtungen“, erklärt Raab. Zudem sind Ampeln, Zebrastreifen, Querungshilfen und ÖPNV-Haltestellen eingezeichnet: So können Kinder und Eltern sehen, welche Straßen und Wege im Stadtteil zu empfehlen sind, und gemeinsam den Schulweg oder den Weg zu Freunden üben.

Bisher gibt es Kinderwegepläne für die Stadtteile Bergheim, Boxberg / Emmertsgrund, Handschuhsheim, Kirchheim, Pfaffengrund, Rohrbach und Wieblingen. Jüngst hinzugekommen ist der Kinderwegeplan für Neuenheim: Er wird in der nächsten Sitzung des Bezirksbeirats Neuenheim vorgestellt und danach veröffentlicht. Aktuell wird auch der Kinderwegeplan für die Weststadt erstellt. Die Pläne für die Altstadt, Schlierbach und Ziegelhausen sollen bis Frühjahr 2015 folgen.

Plakataktion und „Dialog-Displays“

Zur kinderfreundlichen Verkehrsplanung gehört auch die Sensibilisierung der Autofahrer, damit diese auf die jüngsten Verkehrsteilnehmer besondere Rücksicht nehmen. Die wiederkehrende Plakataktion „Rücksicht auf Kinder“ weist hierfür auf Orte hin, an denen Kinder besonders häufig unterwegs sind (Schulen, Kitas, Spielplätze) und bittet darum, besonders aufmerksam zu sein und langsamer zu fahren. Zudem weisen Plakate und Flyer mit der Aufforderung „Machen Sie Kindern den Weg frei“ auf häufig zugeparkte Gehwege hin, die für Kinder als Fußgänger und Radfahrer besonders wichtig sind.

Eine weitere Maßnahme sind die sogenannten „Dialog-Displays“, die die Verkehrsteilnehmer nach dem Lob- und Tadelprinzip auf ihre Geschwindigkeit aufmerksam machen: Bei angepasster Geschwindigkeit bekommen sie ein „Danke“ in grüner LED-Schrift, bei überhöhter Geschwindigkeit leuchtet ein rotes „Langsam“ auf. Die wechselnden Standorte werden in Abstimmung mit den Kinderbeauftragten festgelegt. Aktuell gibt es 14 Dialog-Displays in Heidelberg, sechs weitere sollen folgen.

Kooperationsprojekte

Darüber hinaus gibt es Kooperationsprojekte der Stadt Heidelberg, die Kindern die selbstständige Mobilität erleichtern sollen: etwa den „Laufenden Schulbus“, das Verkehrserziehungsprogramm „Aufgepasst mit ADACUS“ oder die Aktion „SchulRadler“ mit dem ADFC.

Weitere Informationen:

Die Leitlinien und Maßnahmen der kinderfreundlichen Verkehrsplanung sind im Internet zu finden (s.u.). Hier finden Interessierte auch die Kinderwegepläne zum Download. Diese sind zudem bei den Bürgerämtern in den Stadtteilen erhältlich und hängen in den Schulen, Kitas und Kinderfreizeiteinrichtungen aus.
www.heidelberg.de/hd,Lde/HD/Leben/Kinderfreundliche+Verkehrsplanung.html