Am Samstag, 23. Januar 2016, sind Patienten mit Multipler Sklerose (MS) und ihre Angehörigen zu einem Informationstag der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg eingeladen. Von 10.00 – 14.00 Uhr geben renommierte MS-Experten einen Überblick über die Grundlage und die Behandlungsmöglichkeiten der krankheitsbedingten chronischen Müdigkeit (Fatigue), von der zahlreiche Patienten betroffen sind. Sie stellen außerdem aktuelle Therapiemöglichkeiten bei der akuten und chronischen Verlaufsform der Multiplen Sklerose vor. Desweiteren wird die autologe Stammzelltransplantation als mögliche Behandlungsalternative für die hochaktive MS diskutiert. Referenten und Mitglieder der Selbsthilfegruppe „Amsel e.V.” stellen sich zwischen und nach den Vorträgen gerne den Fragen der Besucher. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Die Veranstaltung findet im Großen Hörsaal der Kopfklinik, Im Neuenheimer Feld 400, statt. Für Rollstuhlfahrer sind barrierefrei erreichbare Plätze im vorderen Bereich des Hörsaals reserviert. Sie werden gebeten, der Ausschilderung dorthin zu folgen.

Wie können Patienten aktiv und als kompetente Gesprächspartner für den behandelnden Arzt auf die Therapiewahl Einfluss nehmen? Das ist angesichts der immer komplexeren Behandlungsmöglichkeiten, die auch diverse Nebenwirkungen und Risiken für den Patienten mit sich bringen können, eine zentrale Frage für die Betroffenen. Beim Patiententag soll daher diskutiert werden, wo Patienten geeignetes Informationsmaterial finden, ihr Wissen über die Erkrankung schulen, an wen sie sich mit Fragen wenden und wie sie den Austausch mit ihrem Arzt optimal gestalten können.

Neue entzündungshemmende und schützende Medikamente

Neuigkeiten gibt es im Bereich der medikamentösen Therapie: Nachdem die Auswahl an verfügbaren Medikamenten für die Behandlung der schubförmigen MS in den letzten Jahren deutlich größer geworden ist, wurde 2015 für zwei weitere Substanzen in klinischen Studien ein Wirksamkeitsnachweis erbracht. Einer dieser Wirkstoffe, ein sogenannter monoklonaler Antikörper, hat, im Gegensatz zu der Erprobung von Medikamenten in Tablettenform, erstmals auch bei Patienten mit chronisch fortschreitender neurologischer Behinderung einen positiven Effekt auf den Krankheitsverlauf gezeigt.

Die autologe Stammzelltransplantation ist für die Therapie der MS gegenwärtig nicht zugelassen, stellt aber bei hochaktiven Erkrankungsformen in ausgewiesenen Zentren mit entsprechender Erfahrung eventuell eine Behandlungsoption dar. Die zahlreichen verfügbaren Wirkstoffe greifen an unterschiedlichen Stellen am Immunsystem an und unterdrücken Entzündungen. Die hiermit verbundenen Nebenwirkungen erfordern große Sorgfalt in der klinischen und laborchemischen Überwachung. Deshalb ist eine optimale Kommunikation zwischen Patienten und Ärzten enorm wichtig, um unerwarteten Vorkommnissen vorzubeugen und Risiken rechtzeitig zu erkennen.

Deutschlandweit leiden rund 120.00 Menschen an Multipler Sklerose. Bei dieser Autoimmunerkrankung greifen körpereigene Immunzellen gesundes Nervengewebe an und zerstören es schließlich. Häufig verursacht MS bereits in jungen Jahren bleibende Nervenschäden und Behinderungen. Bislang stehen Medikamente zur Verfügung, die Krankheitsschübe dämpfen, aber nicht heilen können. Am Universitätsklinikum Heidelberg werden MS-Patienten in einer speziellen neuroimmunologischen Ambulanz (von der Deutschen Gesellschaft für Multiple Sklerose DMSG als „anerkanntes MS-Zentrum” ausgewiesen) fächerübergreifend betreut.