Heidelberg Uniklinik

Audiologe Markus Landwehr, Therapeutischer Leiter des CI-Reha-Zentrums Heidelberg, erklärt einer Patientin die Funktionsweise eines Lichtweckers. Foto: Universitätsklinikum Heidelberg

Wer mit einer elektrischen Innenohrprothese (Cochlea-Implantat, CI) versorgt wurde, muss das Hören erst wieder lernen. Betroffenen darüber hinaus die Orientierung in Beruf und Privatleben zu erleichtern, bei Problemen gezielt und individuell weiterzuhelfen sowie anfängliche Ängste und Stress abzubauen – das ist das Ziel des interdisziplinären Teams am neuen ambulanten CI-Rehabilitationszentrum der Universitäts-Hals-Nasen-Ohren-Klinik Heidelberg. Neben dem bereits etablierten Hörtraining und der regelmäßigen Feinjustierung des Implantats steht Betroffenen aus der Region nun auch die Teilnahme an audiotherapeutischer Beratung und Gruppentherapie sowie Musiktherapie in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Musiktherapieforschung (Victor Dulger-Institut) in Heidelberg offen. Sämtliche Angebote werden von Krankenkassen oder Rentenversicherung getragen.

Eine Besonderheit des Heidelberger CI-Reha-Zentrums ist die Betreuung durch ebenfalls hörgeschädigte Therapeuten: Markus Landwehr, Dipl.-Ing. und therapeutischer Leiter des Zentrums, ist auf Hörgeräte angewiesen, seine Frau Iris Landwehr, Dipl.-Sozialpäd. und Systemische Beraterin, trägt beidseitig CI´s. „Ich sehe das als Vorteil in der Beratung hörgeschädigter Patienten: Wir können mitreden, wissen, welche Probleme auftreten, wo die Grenzen der Technik sind und wie man mit kommunikativen Problemen am besten umgeht”, erklärt der Audiologe und -therapeut. Mit einem CI können selbst hochgradig schwerhörige sowie ein- oder beidseitig ertaubte Menschen wieder hören. Doch dieses Hören unterscheidet sich stark vom natürlichen Gehör.

Umfassende Therapie durch spezialisiertes, interdisziplinäres Team

Als von den Kostenträgern zugelassenes ambulantes Reha-Zentrum bietet die Universitäts-HNO-Klinik Heidelberg nun das gesamte Spektrum der CI-Versorgung an – von der Diagnostik über die Implantation und Rehabilitation bis hin zur lebenslangen Nachsorge. „Wir unterstützen unsere Patienten schon sehr lange über die reine medizinische Versorgung und Anpassung hinaus mit einem speziellen Hörtraining. Nun konnten wir unser Angebot an Therapien und Beratungen noch einmal deutlich erweitern”, freut sich Prof. Dr. Dr. h.c. Peter Plinkert, Ärztlicher Direktor der Universitäts-HNO-Klinik. Vom ersten Informationsgespräch bis zur Reha werden die Patienten von einem interdisziplinären Team aus erfahrenen Ärzten, drei auf die CI-Anpassung spezialisierten Audiologen sowie Therapeuten, darunter Logopädinnen, Musiktherapeutin, Psychologin und Audiotherapeuten, betreut. „Eine so umfassende Therapie ist unverzichtbar, um mit dem Cochlea-Implantat klar zu kommen,” betont Prof. Dr. Mark Praetorius, Ärztlicher Leiter des Reha-Zentrums. Jährlich erhalten rund 100 Patienten in Heidelberg neu ein CI.

Zu den neuen Angeboten des Zentrums gehört die sogenannte Audiotherapie mit zugehöriger Gruppentherapie, die bis dahin i.d.R. nur im Rahmen der stationären Rehabilitation zugänglich war. Hier geht es nicht so sehr um das Hören selbst, sondern um das gesamte Drumherum: Die Patienten können Probleme und Ängste thematisieren und sich die Technik noch einmal genau erklären lassen. Darüber hinaus werden wichtige Fragen für Beruf und Alltag geklärt: Was müssen Angehörige beachten? Sind Veränderungen am Arbeitsplatz nötig? Welche Strategien erleichtern bei lauten Störgeräuschen das Verstehen? Zudem informiert das Team über kleine Alltagshelfer sowie Zusatztechnik und vermittelt Kontakte zu Selbsthilfegruppen und Vereinen.

Individuell abgestimmt

Die Musiktherapie in Kooperation mit dem Victor Dulger-Institut Heidelberg erleichtert den Zugang zum neuen Hören mit dem CI. Die Teilnehmer entwickeln im spielerischen Ausprobieren ein Gefühl für die eigene Stimme, Klänge und Sprachmelodie. Dabei werden im Gehirn bereits die Bereiche geschult, die für das Sprachverstehen benötigt werden. Die Musiktherapie ist daher eine sinnvolle Ergänzung zum Hörtraining, in dem die Patienten nach und nach Sprache zu verstehen lernen und zuletzt auch Gespräche am Telefon oder in unruhiger Umgebung üben.

Ein Vorteil der ambulanten Therapie: Die Zusammenstellung der einzelnen Bausteine und auch der Zeitplanung richtet sich nach den Bedürfnissen des Patienten. Anfangs werden Termine wöchentlich vereinbart – so können Audiologen und Therapeuten zeitnah auf Alltagssituation und Probleme zu Hause oder im Beruf eingehen.

„Tag des Hörens“ am 8. März 2014

Wer sich über das neue Reha-Programm des Heidelberger Zentrums informieren möchte, hat dazu beim alljährlichen „Tag des Hörens” am 8. März 2014 Gelegenheit. Hörgeschädigte, die mit dem Gedanken spielen, sich ein CI einsetzen zu lassen, CI-Träger, Angehörige und alle Interessierten sind dann in die Universitäts-Kopfklinik eingeladen. Weitere Themen sind u.a. die Frühförderung hörgeschädigter Kinder, Tinnitus, Gleichgewichtsstörungen und Unterstützungsmöglichkeiten für CI-Träger im Berufsalltag.

Eine weitere Möglichkeit, sich unverbindlich zu informieren, bietet das alle zwei Monate stattfindende CI-Café. Dabei können Hörgeschädigte CI-Träger den Ärzten und Therapeuten des CI-Teams in entspannter Atmosphäre Fragen stellen, Erfahrungen austauschen, sich beraten lassen und Kontakte zu Selbsthilfegruppen knüpfen.