Demo alte Brücke

Foto: Rainer Zawatzky

Zum Ende der Weltklimakonferenz in Paris sind am vergangenen Wochenende in ganz Deutschland hunderte Aktive vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) für den Ausstieg aus Kohle, Öl und Erdgas auf die Straße gegangen. In Heidelberg begann die Aktion mit einem Flashmob an der Heiliggeist-Kirche. Anschließend trugen die Teilnehmer eine Erdkugel zur Alten Brücke, wo sie sich in eine Menschenkette einreihten. „Die Ergebnisse der zweiwöchigen Verhandlungen in Paris reichen zum Schutz des Weltklimas nicht aus“, meinte Rainer Zawatzky, Vorstand des BUND in Heidelberg. „Es fehlt an ambitionierten Ausstiegsplänen aus fossilen Energien. Weil die Politik versagt hat, sehen wir uns als Bürgerinnen und Bürger jetzt selbst in der Verantwortung, die Energiewende auf lokaler Ebene in unseren Städten und Kommunen umzusetzen.“

Der Heidelberger Masterplan 100 % Klimaschutz, so der BUND, weise den richtigen Weg: Den vollständigen Ausstieg aus der Produktion von Klimagasen bis zum Jahr 2050. Passivhaussiedlungen, wie die Bahnstadt, die vollständig mit regenerativer Energie versorgt werden, zeigten, dass dieser Weg nicht nur gedacht, sondern auch begangen werden kann. „Wir erwarten nun von Heidelberg diesen Weg konsequent weiterzugehen und von anderen Kommunen unserer Region, bis spätestens zum Jahr 2050 auch klimaneutral zu werden. Investitionen in Unternehmen, die fossile Energieträger fördern, vertreiben oder verarbeiten, muss Heidelberg sofort beenden“, heißt es von Seiten des Umweltverbands.

BUND fordert Kohleausstieg

Demo Heidelberg

Foto: Thomas Jödicke

Auch von der Bundesregierung erwartet der BUND jetzt konkrete schnelle Schritte. „Deutschland muss endlich ernst machen und den Ausstieg aus der Kohle jetzt einleiten, damit er spätestens in den nächsten 25 Jahren abgeschlossen ist. Die dreckigsten und ältesten Kohlekraftwerke müssen zuerst vom Netz genommen werden“, sagte Sylvia Pilarsky-Grosch, Landesgeschäftsführerin des BUND. Um die globale Erwärmung auf ein gerade noch beherrschbares Maß zu beschränken und die schlimmsten Folgen für ärmere, besonders vom Klimawandel betroffene Länder abzuwenden, müssten alle Länder bis Mitte des Jahrhunderts auf eine 100-prozentige regenerative Energieversorgung umsteigen, fordert Pilarsky-Grosch. Das in Paris beschlossene Klimaschutzabkommen sehe der BUND nur als einen ersten Schritt auf dem Weg in ein Treibhausgas-freies Wirtschaften.

„Jetzt sind konkrete Schritte gefragt, damit der Klimawandel aufgehalten werden kann. Für unsere Region heißt das, unsere Stadt muss den Passivhausstandard weiterhin bei allen Bauvorhaben verpflichtend vorschreiben und regenerative Energien wie Windkraft und Solarenergie weiter ausbauen”, fordert der BUND Heidelberg. Da besonders in Städten der motorisierte Individualverkehr erheblich zur Emission von Treibhausgasen beiträgt, müsse die Stadt Heidelberg endlich die bereits beschlossenen Beschleunigungsmaßnahmen für den ÖPNV umsetzen und vor allem auch der Förderung des Radverkehrs eindeutige Priorität geben.

Aktionen auch in Frankreich und Österreich

Auch in Frankreich und Österreich gingen mehrere tausend Mitglieder von lokalen Umweltgruppen und dem BUND-Dachverband „Friends of the Earth“ für die Energiewende von unten und den Ausstieg aus Kohle, Öl und Erdgas auf die Straße. In Paris organisierten Aktive von der BUND-Schwesterorganisation „Les Amis de la Terre“ eine Protestaktion, bei der Hunderte Menschengruppen im Stadtzentrum Buchstaben des Slogans „Climate. Justice. Peace.“ und „People. Power. Now“ hochhielten.